Im Reich der Würfe und Körperhebel

Stolz auf die Entwicklung bei den ESV-Ringern in Berg am Laim ist Abteilungsleiter Holger Atzesberger, der auf unserem Foto den neuen Flyer seiner Traditionsabteilung präsentiert. Foto: Harald Hettich

Kraftvolle Körperhebel werden angesetzt, ein Ringer schleudert den anderen entlang des Mattenbodens und bringt ihn mit einem geschickten Wurf in die Bodenlage und schließlich auf die Schultern – Trainingsszenen einer faszinierenden wie höchst traditionsreichen Sportart beim ESV München-Ost.

Hier in Berg am Laim und im Trainingszentrum an der Baumkirchner Straße gehört der edle Wettkampfsport seit den Beginnzeiten des Vereins vor fast 80 Jahren zum festen Repertoire. Egal ob im Freistil, bei dem Griffe am ganzen Körper erlaubt sind oder im „Griechisch-Römischen Ringen“, wo nur der Bereich über der Hüfte „griffrelevant“ ist. 150 Mitglieder Die Ringer-Abteilung mit aktuell 150 Mitgliedern und etwa 70 Aktiven im Alter von 2 bis 40 Jahren gehört zum Renommee des Vorzeigeclubs unverzichtbar dazu. Seit gut einem Jahr schwingt hier der ehemalige Klasseringer Holger Atzesberger als neuer Abteilungsleiter das Zepter. Er will die Strukturen wieder etwas professionalisieren und bringt viel neuen Wind ins Ringermetier nahe des Berg am Laimer Bahnhofs. Atzesberger ist vom Fach, weiß, wovon er spricht und wo er zusammen mit einem engagierten Team aus qualifizierten Trainern und Betreuern gerade im Nachwuchsbereich den sprichwörtlichen Hebel ansetzen muss. Schließlich hat der junge Mann mit Ringererfahrung seit dem eigenen 5. Lebensjahr als Höhepunkt seiner erfolgreichen Laufbahn den deutschen Jugendmeistertitel 1992 vorzuweisen. Neben der Olympiateilnahme von Rudolf Hornung bei den Spielen von 1972 gehört dieser Titel zu den größten ESV-Ringer-Erfolgen. Nachhaltig erfolgreiche Jugendarbeit Besonders stolz ist man derzeit im Verein auf die nachhaltig erfolgreiche Jugendarbeit. Jüngst avancierte etwa das erst 11-jährige ESV-Nachwuchstalent Anthony Sanders zum bayerischen Vizemeister seiner Altersklasse. „Auf solch einen Erfolg haben wir lange warten müssen im Verein“, so Atzesberger stolz. Bei den oberbayerischen Nachwuchsmeisterschaften zu Beginn dieses Jahres konnten die ESV-Asse diesen Erfolg gleich mehrfach bestätigen – mit über 20 „Stockerlplätzen“ in den verschiedensten Gewichts- und Altersklassen bei den Bezirksmeisterschaften in eigener Halle vor Wochenfrist. Dabei geht es im Verein familiär zu. Großtalent Anthony Sanders ist Sohn des Vizeabteilungsleiters und früher sehr erfolgreichen US-Ringers Aaron Sanders, der auch als Trainer im Verein agiert. Wie der Zufall so spielt „Es war reiner Zufall, dass wir Aaron für den ESV gewinnen konnten“, erzählt Atzesberger im Gespräch mit HALLO eine witzige Anekdote. „Wir haben uns im Perlacher Einkaufszentrum auf der Rolltreppe kennengelernt – ich fuhr nach unten, er nach oben.“ Erkannt haben sich die beiden am vielleicht allertypischsten Ringermerkmal: Die körperliche Nähe und die Reibung von Kopf an Kopf im Kampf hinterlässt besonders an den Ohren Spuren. „Wir haben alle Blumenkohlohren“, lacht Atzesberger. „Da erkennt man sich schon.“ Aus dem Kennenlernen ist längst gemeinsames Wirken im Verein geworden – die Ringerabteilung des ESV prosperiert seit eineinhalb Jahren mit neuem Webauftritt, witzigen Flyern – aber vor allem mit fest formulierten Zukunftszielen und perspektivischem Denken an der Spitze. Sozialverhalten wird gefördert „Geschicklichkeit und Koordinationsvermögen werden geschult, das Training macht fit, kräftigt den gesamten Körper, schult Konzentration, schnelles Denken und Handeln – lehrt aber auch den so wichtigen Respekt vor dem sportlichen Gegner und schult damit gerade bei Kindern und Jugendlichen das Sozialverhalten!“ Holger Atzesberger ist der Stolz auf seine Sportart spürbar anzumerken. „Umsonst bin ich nicht seit über drei Jahrzehnten begeistert dabei“, lacht er. Nach seiner aktiven Laufbahn hat sich Atzesberger jetzt als Funktionär ehrgeizige Ziele auf die Fahnen geschrieben: „Wir haben einen Fünfjahresplan“, erzählt er. Bei den Erwachsenen ringt man heute noch in der Bezirksliga – und will nach avisierten drei Aufstiegen 2015 in der Bayernliga ringen. Der Hauptfokus bleibt freilich auf den Nachwuchs gerichtet. „Hier wollen wir wieder bei bayerischen und möglichst auch bei deutschen Titelkämpfen weit vorne mitmischen“, gibt der Abteilungsleiter die ehrgeizige Richtung vor. Voraussetzung sei allerdings, dass sich die Strukturen wie versprochen verbessern. Wie von uns berichtet, soll der ESV im Zuge der umfangreichen Umgestaltungen auf dem Gelände an der Baumkirchner Straße auch neue Trainings- und Wettkampfstätten bekommen – mit einer ebenso neuen Halle im Zentrum. „Nur dann können wir auch das Training zeitlich so ausweiten und intensivieren, dass wir einen dauerhaften Leistungsschub schaffen“, hofft Atzesberger. Heute wird beim ESV dagegen noch lediglich mit Ausnahmegenehmigung gerungen – die alte und spürbar in die Jahre gekommene Halle ist eigentlich für den Ringersport zu eng. „Ich setze da voll auf unseren engagierten Vorstand, der für uns viel bewegt“, lobt der Ringerchef mit hoffnungsvollem Blick in die Zukunft. Nachwuchs willkommen „Wir ringen zusammen, schwitzen und trainieren – aber wir feiern auch!“ Ferienfahrten und Trainingslager, Sommer- und Weihnachtsfeste bieten die ESV-Ringer gerade dem Nachwuchs – und freuen sich über mögliche weitere potenzielle Mattensportler. „Interessierte müssen nur reichlich Begeisterung, Sportschuhe und Sportbekleidung mitbringen – dann können sie hineinschnuppern in diese wirklich faszinierende Disziplin“, wirbt Atzesberger für den ESV und seine traditionsreiche Sportart. Sogar über einen eigenen Sponsorenpool verfügen sie beim ESV – „nur aus Mitgliedsbeiträgen wären die ganzen Angebote auch nicht zu schultern“, so der Frontmann der heimischen Ringer. Dazu gibt es Partnerschaften mit Schulen und Horten aus der Region – etwa das Freizeitangebot „Miteinander raufen“ in betreuerisch-pädagogischer Kooperation mit dem Hort an der Baumkirchner Straße. Auch bei den „Kultikids“ in der Kultfabrik können junge Mattenkünstler aktiv werden und Würfe und Hebel lernen. „Das Angebot kommt gut an“, freut sich der Macher. Wer mehr erfahren will, ist auf der Seite der ESV-Ringer im Internet an der richtigen Adresse: www.ringenmuenchen-ost.de (Tel. 089/431 06 54). Harald Hettich

Auch interessant:

Meistgelesen

Gewinnen Sie einen Erlebnisaufenthalt im Europa-Park für die ganze Familie
Gewinnen Sie einen Erlebnisaufenthalt im Europa-Park für die ganze Familie
Endlich tut sich etwas: Abriss der Griechischen Schule in Berg am Laim
Endlich tut sich etwas: Abriss der Griechischen Schule in Berg am Laim
Kunstwerke im Werksviertel in Berg am Laim erstrahlen in anderem Licht
Kunstwerke im Werksviertel in Berg am Laim erstrahlen in anderem Licht
1. Fotoclub Neuperlach feiert runden Geburtstag
1. Fotoclub Neuperlach feiert runden Geburtstag

Kommentare