Kein „Tippen mit Kippen“

Pilotprojekt in Ramersorf-Perlach für weniger Umweltverschmutzung – Bezirksausschuss lehnt ab

+
Im September vergangenen Jahres wurden in Poing die ersten „Kippster“ präsentiert.

Den Umweltschutz in Ramersdorf-Perlach wollte die SPD-Fraktion vorantreiben. Dazu forderte sie das Pilotprojekt „Tippen mit Kippen“.

Ramersdorf-Perlach – „In einem Pilotprojekt werden am Busbahnhof Neuperlach Zentrum Aschenbecher mit Abstimmungsbehältern aufgestellt“, heißt es in dem Antrag von SPD-Fraktionssprecherin Astrid Schweizer. Doch was steckt hinter dieser etwas kryptischen Formulierung? Eine einfache Idee, die Raucher dazu verleiten soll, ihre Kippen in Aschenbechern zu entsorgen statt achtlos auf den Boden zu werfen.

Der Clou an der Geschichte: Durch einen speziellen Einsatz können wirklich nur Zigaretten in den Aschenbecher eingeworfen werden, kein sonstiger Müll. Außerdem ist der Aschenbecher zweigeteilt, über dem Einwurf steht zudem eine Frage. Dabei geht es beispielsweise darum, was besser schmeckt – Leberkäs oder Weißwurst. Je nachdem, in welchen Einsatz die Raucher ihre Kippen werfen, können sie darüber abstimmen. Die Abstimmungstafeln sind auswechselbar, damit die ganze Geschichte nicht langweilig wird.

Schweizer könnte sich aber auch vorstellen, dass stadtteilbezogene Fragen gestellt werden, damit auch das Interesse an stadtteilbezogenen Themen geweckt und eventuell sogar mehr Bürgerbeteiligung erreicht werden kann. „Durch den besonderen Gag werden die Passanten besonders dazu angeregt, die Abfalleimer zu nutzen und es wird eine größere Sauberkeit im Wartebereich entstehen“, ist sich die Sozialdemokratin sicher. Sie forderte deshalb, im Rahmen eines Pilotprojektes am Busbahnhof Neuperlach Zentrum entsprechende Aschenbecher mit „Abstimmungsbehältern“ anzubringen.

Die Mitglieder des Bezirks­ausschusses waren von der Idee, das Pilotprojekt in Ramersdorf-Perlach umzusetzen, eher weniger begeistert und lehnten den Antrag ab. An Bushaltestellen etwa gebe es ohnehin ein vollständiges Rauchverbot, so etwa Simon Soukup, Fraktionssprecher der CSU, zum Antrag.

fit/pg

Eine Gemeinde gegen Umweltverschmutzung

Zusammen mit der Poinger Interessensgemeinschaft (IG) Artenschutz präsentierte die Gemeinde Poing Ende September vergangenen Jahre drei sogenannte „Kippster“ auf dem Marktplatz. Die großformatigen Aschenbecher in gelb und weiß sollen rauchende Personen dazu animieren, ihre Kippen nicht auf den Boden, sondern eben in den Kippster zu werfen. Mittels kurzen und prägnanten Fragen etwa nach dem „besten Volksfest?“ und den zwei Auswahlmöglichkeiten „Volksfest Poing“ oder „Oktoberfest München“ können die Rauchenden ihren Zigarettenstummel in eine der beiden Kammern werfen und dadurch abstimmen. Insgesamt hängen nun drei der Kippster auf dem Marktplatz (am südlichen Ende, neben dem Spielplatz und neben dem Literaturhaus). Sie sind mit unterschiedlichen Fragen bestückt und werden regelmäßig getauscht.

Die Gemeinde Poing stellt sich mit dieser Aktion gegen die Verschmutzung durch Zigarettenstummel und den Folgewirkungen wie verseuchte Böden und verunreinigtes Grundwasser. Begleitet wird die Aktion von der IG Artenschutz, die die achtlos auf den Boden geworfenen Zigarettenstummeln vor und nach der Aufstellung der Kippster zählen. Die Anzahl der auf den Marktplatz geworfenen Kippen betrug bei der Zählung am Wochenende vor der Installation 2637. Mit den Kippstern soll diese Zahl nun deutlich reduziert werden

Kommentar: Geht's auch anders? Ein Projekt, das mehr Abfallbehälter ersetzt hätte.

Witzige oder lokal interessante Fragen, die Raucher dazu bringen, ihre Kippen in Aschenbecher zu werfen statt auf den Boden. Auf den ersten Blick eine tolle Idee gegen die Umweltverschmutzung, schließlich ist vor allem der Teer, der ins Grundwasser gelangen kann, eine große Gefahr. Und eine Idee, die wohl nur von einem Nichtraucher stammen kann. Denn der Raucher sieht das Problem aus einem anderen Blickwinkel: Er würde seine Kippe ja gerne „fachgerecht“ entsorgen, doch nur wo? Denn in der Landeshauptstadt sind Abfalleimer eher selten zu finden, Versionen mit integriertem Aschenbecher überhaupt nicht. Dies gilt vor allem auch für besonders schöne Ecken. Raucher, die auf einer Bank an der Isar mit einer Zigarette die ersten wärmeren Sonnenstrahlen genießen, suchen vergeblich einen Aschenbecher oder einen Abfalleimer. Und so landet die Kippe viel zu oft auf dem Boden. Warum also nicht einfach mehr Abfalleimer aufstellen, die ja jedem Bürger zugute kommen? Wohl deshalb, weil diese Art Umweltschutz der Stadt teuer zu stehen käme. Denn sie müsste für den höheren Reinigungsaufwand zahlen – oder die Kosten auf die Bürger umlegen. Also lieber ein Pilotprojekt mit Abstimmungen – die allerdings nicht verwertbar sind. Denn Nichtraucher dürfen gar nicht mitmachen und der Kettenraucher, der am Bahnhof wegen eines im Stau steckenden Busse eine halbe Stunde aufs Weiterkommen wartet, hat zehn Stimmen. Und das widerspricht ja wohl jeder Demokratie-Idee. 

fit


Mehr über Ramersdorf-Perlach gibt es in der Übersicht.

Auch interessant:

Meistgelesen

Bezirksausschuss fordert eigenes Bürgerhaus für Ramersdorf
Bezirksausschuss fordert eigenes Bürgerhaus für Ramersdorf
Das Traumschiff MS Evangelika legt ab
Das Traumschiff MS Evangelika legt ab
Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach fordert Infos über Rest- und Biomüll Entsorgung
Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach fordert Infos über Rest- und Biomüll Entsorgung

Kommentare