Das oft vergessene Viertel

Ramersdorf zwischen Geschichte und Umbrüchen

Ramersdorf besteht aus Quartieren, die sich voneinander unterscheiden und wie eigene, kleine Viertel wirken. So wie etwa die Haldenseesiedlung, die saniert werden soll.
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Ramersdorf besteht aus Quartieren, die sich voneinander unterscheiden und wie eigene, kleine Viertel wirken. So wie etwa die Haldenseesiedlung, die saniert werden soll.

Ramersdorf ist eines der Viertel in der Landeshauptstadt, das auf eine 1000-jährige Geschichte zurückschauen kann. Die Identität des ehemaligen Dorfes bleibt den meisten jedoch verborgen.

Ramersdorf – Irgendwo im Bezirk Ramersdorf-Perlach, irgendwo zwischen Giesing und Perlach, irgendwo in der Nähe des mittleren Rings – Wo liegt eigentlich Ramersdorf? Diese Frage stellen sich nicht nur Münchner aus dem Westen und der Altstadt, sondern auch so manche direkte Anwohner. So manchem Ramersdorfer ist selbst nicht bewusst, dass sich das eigene Heim auf dem Grund eines ehemaligen Dorfes befindet. Das liegt auch an der Identität des Stadtteils, oder genauer gesagt daran, dass diese Identität in Vergessenheit geraten ist. Das liegt vor allem daran, wie das Viertel seit jeher gesehen und genutzt wird, sagt der Bezirksausschussvorsitzende Thomas Kauer. Nämlich als Dienstleister.

Ein Grund dafür ist, dass Ramersdorf schon lange ein Industrie- und Gewerbestandort ist. So wie das Unternehmen Kustermann, das im 20. Jahrundert Bürogebäude in Ramersdorf erbaute. Der „Kustermann Park“ erinnert an diese Geschichte. Auch mit Siemens ist die Geschichte Ramersdorfs als Teil Münchens verbunden. Auch heute noch ist Ramersdorf ein Gewerbestandort – aber auch Heimat für viele Menschen. Denn das Viertel ist vielfätlig. Von alleinstehenden Häusern mit Garten über die Siedlung an der Haldenseestraße bis zu modernen Bürokomplexen ist in Ramersdorf alles vertreten. Als eine bunte Mischung aus Stadt und Dorf wird Ramersdorf von einigen Anwohnern bezeichnet.

Trotzdem hat Ramersdorf keine so starke Identität wie etwa Neuperlach oder Haidhausen. Das liegt auch an der Lage des Viertels: Es wir vom Mittleren Ring zerschnitten. Deshalb wünschen sich viele Ramersdorfer auch, dass dieser dort in einem Tunnel verläuft. Weil die Stadtautobahn praktisch durch die Mitte des Viertels verläuft, fühlen sich viele Ramersdorfer den angrenzenden Vierteln zugehörig. Im Gegensatz zu Berg am Laim, Giesing oder Neuperlach gibt es in Ramersdorf außerdem keine U- oder S-Bahnhaltestelle, die den Namen des Viertels trägt.

Der geografische und auch empfundene Ortskern ist die Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf. Der ist allerdings auch eingepfercht zwischen sehr großen Straßen: Dem Mittlereln Ring im Osten und Süden sowie von der Rosenheimer Straße im Westen. Dabei ist die Kirche mit dem Zwiebelturm eine der ältesten und wichtigsten Wallfahrtskirchen im Erzbistum München und Freising. Und ein echtes Wahrzeichen für Ramersdorf, dessen Bestand seit dem 11. Jahrhundert belegt ist.

Die Sanierung und das Herrichten des Ortskerns ist schon lange ein Thema. Die Landeshauptstadt München möchte das Projekt nur unter der Bedingung angehen, dass Ramersdorf die Sanierung selbst erwirtschaftet, wie der Bezirksausschussvorsitzende Kauer erklärt. Er betont aber auch, dass es in Ramersdorf mehr als nur einen Ortskern geben könne.

Damit Ramersdorf als eigenes Viertel gestaltet werden kann, muss es auch als solches wahrgenommen werden. Der erste Schritt ist also, die Identifikation zu stärken. Auch über das Vernetzen der Nachbarn untereinander. Gerade das kommt in einem Viertel, das nachverdichtet wird, oft zu kurz. Die Anwohner müssen sich ihre Umgebung erobern. Dabei können auch die ansässigen Unternehmen helfen: Zäune, Schranken und Pforten tragen zumindest nicht dazu bei, dass sich die Ramersdorfer trauen, in der Gegend spazieren zu gehen.

pg

Mehr über Ramersdorf undden Stadtbezirk Ramersdorf-Perlach gibt es in der Übersicht.

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