Der Prozess hat begonnen

Ungeklärter Vermisstenfall in Ramersdorf

Maria und Tatiana G. sind seit Juli 2019 verschwunden. Jetzt hat der Prozess in dem Fall ohne Leichen vor dem Landgericht begonnen.
+
Maria und Tatiana G. sind seit Juli 2019 verschwunden. Jetzt hat der Prozess in dem Fall vor dem Landgericht begonnen.

Ein Mord ohne Leichen: Am Montag hat der Prozess gegen Roman H. begonnen. Er wird verdächtigt, seine Ehefrau und seine Stieftochter in Ramersdorf erschlagen zu haben. Die Leichen der beiden Frauen konnten bisher noch nicht gefunden werden.

Ramersdorf – Die Staatsanwaltschaft München I hat am 20. Februar Anklage gegen den 46-jährigen Angeschuldigten Roman H. wegen Totschlags von Maria G. in Tatmehrheit mit Mord an Tatiana G. erhoben. Maria und Tatiana G. werden seit dem13. Juli 2019 vermisst. Seitdem hat es keine Lebenszeichen mehr von ihnen gegeben. Am Montag hat der Prozess gegen den Verdächtigen begonnen.

Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage aufgrund ihrer bisherigen Ermittlungen davon aus, dass es am Vormittag des 13. Juli 2019 in der gemeinsamen Wohnung in Ramersdorf zu einem Streit zwischen dem Angeschuldigten und Maria G. gekommen ist. Tatiana G. befand sich zu diesem Zeitpunkt im Unterricht in einem Bildungszentrum in der Münchner Innenstadt. Im Verlauf des Streits tötete der Angeschuldigte Maria G. „auf derzeit noch unbekannte Art und Weise, am ehesten durch massive stumpfe Gewalt gegen den Kopf“, so die Staatsanwaltschaft.

Dem Angeschuldigten sei es bis zur Rückkehr von Tatiana G. nicht gelungen, die Spuren seiner Tat, insbesondere die Leiche von Maria G. zu beseitigen. Als die Stieftochter gegen Mittag von ihrem Sprachkurs zurückkam, tötete der Angeschuldigte sie daher im Wohnzimmer der Wohnung ebenfalls auf derzeit noch unbekannte Art und Weise, am ehesten durch stumpfe Gewalt gegen den Kopf, um eine Aufdeckung der Tat zu Lasten der Geschädigten Maria G. zu verhindern. Der Angeschuldigte versuchte anschließend, die Spuren seiner Tat zu beseitigen und verbrachte die beiden Leichen mit seinem Pkw an einen derzeit noch unbekannten Ort und versteckte sie dort.

Aufgrund dieser Umstände wird von einer Tatbegehung an Tatiana G. zur Verdeckung des vorangegangenen Totschlags an Maria G. ausgegangen. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft liegt damit das Mordmerkmale der sogenannten Verdeckungsabsicht vor. Ein Motiv für die vorangehende Tat konnte bisher nicht sicher festgestellt werden.

Die Leichen der beiden Geschädigten konnten bislang trotz mehrfacher umfangreicher Suchaktionen nicht aufgefunden werden. Zeugen, die das Tatgeschehen selbst beobachtet haben, stehen nicht zur Verfügung. Die äußerst umfangreichen Ermittlungen haben zu 23 Bänden Ermittlungsakten und der nunmehr gegenständlichen 188-seitigen Anklageschrift geführt. Von der Staatsanwaltschaft werden 34 polizeiliche und 43 weitere Zeugen, zwölf Urkunden und acht Sachverständige beziehungsweise sachverständige Zeugen zum Beweis angeboten. Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens wurden über 120 weitere, bislang dem Gericht noch nicht benannte Zeugen vernommen. Der Angeschuldigte hat zum Prozessauftakt alle Vorwürfe zurückgewiesen. Roman H. bestritt, mit dem Verschwinden der „Mädchen“, wie er Frau und Stieftochter nannte, etwas zu tun zu haben. Er gehe davon aus, dass die Mädchen immer noch leben – zumindest seine Frau. Begründen wollte er dieses Aussage nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit, da die Frauen sonst in Gefahr geraten könnten. Das Gericht lehnte dies jedoch ab.

Mehr über den Münchner Osten gibt es in der Übersicht.

Besuchen Sie HALLO auch auf Facebook

Auch interessant:

Kommentare