Bebauung des Bolzplatzes an der Adam-Berg-Straße

Umkämpfter Platz in der Landeshauptstadt – Debatte um Grünanlage in Ramersdorf

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Der Bolzplatz mit Zugang von der Adam-Berg-Straße hinter dem Gartencenter Seebauer.

Die Bürgeriniative „Erhalt der öffentlichen Grünanlage Adam-Berg-Straße“ will den Bolzplatz in Ramersdorf nicht aufgeben. Der Streit zeigt grundsätzliche Probleme in der Landeshauptstadt auf.

Ramersdorf – Die Sonne scheint, für Januar ist es viel zu warm. An der Adam-Berg-Straße in Ramersdorf ist wenig los an einem Mittwoch-Nachmittag. Drei Kinder kommen vorbei und rennen mit ihrem Hund über die grüne, kurz gemähte Wiese. Oder der Hund zieht die Kinder vielmehr hinter sich her, denn den Boxer-Welpen kann das Kind mit der Leine selbst mit dem Einsatz seines Körpers kaum bändigen. Nele Joas von der Bürgeriniative, die sich für den Erhalt der öffentlichen Grünanalage einsetzt, unterstreicht bei dem Anblick die Relevanz des Grundstückes: „Es wird ja auch genutzt, wie man sieht.“

Wer das Gartencenter Seebauer, das an den Bolzplatz grenzt, betritt, sieht und riecht die Pflanzen, schaut in zufriedene Gesichter. Im Verkaufsraum stehen Kunden beisammen und unterhalten sich über das Grün, Gelb und Rot, das jetzt im Januar trotz der hohen Temperaturen draußen nirgends zu sehen ist. Und das Café im Gartencenter Seebauer ist gut besucht an einem Freitagmorgen.

Das Gartencenter Seebauer.

Das Gartencenter Seebauer soll erweitert werden. Dabei geht es Inhaber Bernhard Gerstenkorn nicht nur um die Vergrößerung seines Betriebes. „Wohnen und Arbeiten sollen miteinander vereinbart werden“, so der Gartencenter-Chef. Ein Großteil des Neubaus soll demnach aus günstigem Wohnraum, vorrangig aber nicht ausschließlich für seine Mitarbeiter, bestehen. Etwa 40 bis 50 Wohnungen, Betreuungseinrichtungen für Kinder bestehend aus Krippe, Kindergarten und Hort, ein bis zwei Studenten-WGs und Wohngruppen für Menschen mit Behinderung und Gastronomie würde Gerstenkorn gerne im Neubau unterbringen. Dafür müssen auch neue Parkplätze her. Dieser Neubau soll, praktischerweise, direkt am Gartencenter enstehen. Teilweise auf seinem Grundstück an der Adam-Berg-Straße. Teilweise auf dem 4000 Quadratmeter umfassenden Bolzplatz. 

Die Bürgeriniative schlägt bei den Planungen des Gartencenters Seebauer Alarm. Der Bolzplatz soll auf jeden Fall an diesem Standort erhalten bleiben. Für die Bebauung schlug die Bayernpartei vergangenen Sommer die Verschiebung des geplanten Baukörpers vor, damit die Fläche nördlich des Bolzplatzes unbebaut bleiben kann. Diesen Kompromiss würde auch die Bürgerinitiative gerne realisiert sehen.

Der grob skizzierte Plan, der dem Antrag der Bayernpartei beiliegt, ist jedoch laut Gerstenkorn nicht umsetzbar. Die Abstände zu den Straßen und der Bebauung im Norden würden die bebaubare Fläche deutlich verkleinern. In den derzeitigen Plänen ist der Baukörper u-förmig angelegt. Die Länge des Gebäudes an der Adam-Berg-Straße, so wie es nach Gerstenkorns Plänen angelegt ist, lässt zwischen Gartencenter und Neubau eine etwa 3000 Quadratmeter große Fläche. Auf dieser soll ein Park mit zahlreichen Bäumen entstehen, öffentlich zugänglich über einen Weg von der Ständlerstraße aus, auch außerhalb der Betriebszeiten des Gartencenters. Einen Ersatz für den Bolzplatz kann Gerstenkorn sich, vielleicht in Form eines Basketballplatzes, auf dem Dach des Parkhauses vorstellen.

„Es geht nicht nur um den Bolzplatz“, so Joas von der Bürgeriniative. Der sei zwar wichtig für die Anwohner, die zwar Gärten haben, aber keine große Fläche zum Rennen und Spielen für Kinder und Jugendliche. „Wir brauchen auch Flächen in der Stadt, wo Wasser versickern kann.“ Auch für das Stadtklima seien freie Flächen wichtig, denn sie haben einen kühlenden Effekt zwischen dem sich stark aufheizendem Beton im Sommer. Etwa 1200 Unterschriften hat die Initiative bereits gesammelt.

Versickerungsfläche wäre auch durch den Park im Innenhof des Neubaus gegeben. Tiere etwa finden auf der gemähten Wiese des Bolzplatzes derzeit keinen Lebensraum. Im wachsenden München, auch im Stadtbezirk Ramersdorf-Perlach fehlt es an günstigem Wohnraum, an Kindergärten, an Schulen. In Ramersdorf gibt es außerdem nicht viele Cafés oder Restaurants, die als wichtige Treffpunkte für das Viertel fungieren. Gleichzeitig ist München die Stadt mit dem höchsten Versiegelungsgrad in Deutschland. Die einzelnen Möglichkeiten, wie die Wünsche der Anwohner berücksichtigt werden können, können erst im Laufe weiterer Planungen geklärt werden, sagt Gerstenkorn: „Am Ende entscheidet immer noch die Stadt“.

pg


Mehr über Ramersdorf-Perlach gibt es in der Übersicht.

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