St. Pius feiert Jubiläum

80 Jahre alt und doch erstaunlich jung geblieben – St. Pius feiert am 29. April Jubiläum. Foto: Harald Hettich

Stolzes Wiegenfest für die katholische Pfarrei St. Pius an der Grenze zwischen Ramersdorf und Berg am Laim. Am Sonntag, 29. April, feiert die Pfarrei ihr 80jähriges Bestehen.

In wechselnden Organisationsstrukturen auf ihrem Weg von der einstigen Filialkirche der Gemeinde Maria Ramersdorf über die selbständige Stadtpfarrei bis hin zur Gründung eines gemeinsamen Pfarrverbandes mit der Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf im vergangenen Jahr trotzte St. Pius allen Wettern und hielt das Kreuz auch in vielen schwierigen Zeitströmungen wacker gen Himmel. Lebendige Gemeinde mit umfangreichem sozialem und karitativem Wirken „Es ist eine sehr lebendige Gemeinde mit derzeit rund 4.400 Katholiken aus Ramersdorf und Berg am Laim, eine engagierte Gemeinde mit rund 80 Ehrenamtlichen und sehr umfangreichem sozialen und karitativen Wirken ebenso“, freut sich Pfarrer Harald Wechselberger. Er selbst ist seit 2007 als Hirte im Münchner Osten aktiv. Er steht in der Reihe seiner Vorgänger Paul Meisel (1932 bis 42), Franz Lang (bis 1960), Josef Wolf (bis 1985), Duo Zrakic (bis 1994) und Anton Neu (bis 2007). Trotz schwindender Zahlen auf Seiten der Gläubigen – einer Gemeinde, die einst zu ihren Hochzeiten rund 12.000 Katholiken unter ihrem Dach vereinte – ist St. Pius auch in unserer Zeit ein wichtiges Bindeglied innerhalb einer immer schnelllebigeren Gesellschaft geblieben. Neben der Liturgie wird hier auch karitatives Wirken wahrhaft gelebt, be- und gefördert. Am 29. April nun wird auch gefeiert – mit einem stolzen Programm, das den von Weihbischof Englbert Siebler zelebrierten Festgottesdienst (ab 10 Uhr) umrahmt. Am Festsonntag heißen Pfarrer Wechselberger und der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Norbert Heilmann alle Gäste herzlich willkommen. Nach dem feierlichen Festgottesdienst als Auftakt und Höhepunkt zugleich und einem Mittagessen ab 12 Uhr steht der frühe Nachmittag ganz im Zeichen von Ansprachen und Gedanken zum 80. Wiegenfest. Für die Kinder gibt es eine eigenes Programm. Jubiliäumsprogramm für Groß und Klein Zudem werden die jüngsten Gemeindemitglieder aus dem Kindergarten von St. Pius mit einem eigenen musikalischen Beitrag aufwarten. Auch die Kommunions- und Firmkinder sind mit von der Partei. Danach geht es wieder ans Buffet: „Fast alles kostet an diesem Tag mit Verweis auf den 80 Geburtstag 80 Cent“, schmunzelt der Pfarrer. Gestärkt durch die Labsal am Buffet, mit Kaffee und Kuchen versorgt, wartet ab 18 Uhr ein musischer Höhepunkt auf die Gäste. Im Pfarrheim von St. Pius wartet auf die Gäste nicht nur die erste Aufführung der Messe von Georg Wichtl. Konzertant Hochwertiges gibt es auch in Form von Liedern und Musik aus der Welt der Wiener Operette. Unter der Leitung von Kirchenmusiker Dr. Franz Metz agieren Leonore Laabs (Sopran), Bariton Wilfried Michel sowie Karl W. Agatsy an der Violine. Ein würdiger Rahmen für den Ehrentag. Auch die das Jubiläum textlich umrahmende Festschrift mit wichtigen Rückblicken auf acht Jahrzehnte lebendigen Kirchenlebens bei St. Pius mit wichtigen Entwicklungsstationen und aktuellen Bezügen liegt auf. Hort für die sozial Schwächeren „St. Pius versteht sich vor allem als Hort für die sozial Schwächeren“, vergisst Pfarrer Wechselberger bei aller Vorfreude auf den Ehrentag der Gemeinde auch deren steten Auftrag nicht. In der Tat: St. Pius ist unter den Gemeinden eine Art Vorreiter intensiven karitativen Wirkens. Die Kleiderkammer am Portal der Kirche, die Münchner Tafel und viele vertiefte Angebote der Caritas haben hier ihre feste, allwöchentliche Heimat. Obgleich Kirche heute vor allem auch mit Strukturwandel und Reformen zu kämpfen hat, stellt man sich hier entschlossen den eigenen Aufgaben. Das Jubiläumsfest wurde mit Bedacht auf den 29. April gelegt – obwohl die Grundsteinlegung für das Gotteshaus bereits am 28. Juni 1931 erfolgte und auch die Einweihung der Kirche durch Kardinal Michael von Faulhaber bereits am 4. April 1932 erfolgte. „Ganz einfach, unser Patrozinium wird ja jährlich am 30. April gefeiert“, erklärt der örtliche Pfarrgemeinderatsvorsitzende Norbert Heilmann. „Das wäre aber ein Montag gewesen – deswegen haben wir das Fest so nahe wie möglich zum Patrozinium gelegt“. Schwierige Wegstrecke Obgleich im Vergleich zu vielen weit älteren Kirchengebäuden erst ganze 80 Jahre jung, hat St. Pius dennoch eine stolze, bisweilen aber auch sehr schwierige Wegstrecke absolviert. Ursprünglich als „Tochterpfarrei“ von Maria Ramersdorf gegründet, führte der umfangreiche Wohnungsbau der Arbeitersiedlung Ramersdorf im direkten Umgriff Anfang der Dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts zum Bau des Gotteshauses im Geviert von Piusplatz und Aschheimer Straße. „Schwarzer Tag“ in der damals noch sehr jungen Gemeindegeschichte war dann der 12. Juli 1944 – als alliierte Bomberangriffe während dieser Spätphase des Zweiten Weltkrieges die Kirche stark beschädigten und das angrenzende Pfarrhaus völlig zerstörten. Erst 1987 sollte das neue Pfarrheim im Umgriff der Kirche fertiggestellt sein. Die Piuskirche selbst ist in ihrem äußeren Erscheinungsbild trotz ihrer „jungen Jahre“ wohl einmalig in München. Charakteristisch ist der wuchtige Turmaufbau als östlicher Abschluss. Ansonsten ist der Bau wie viele andere Gotteshäuser aus den zwanziger und dreißiger Jahren als eine dreischiffige Hallenkirche konzipiert. Experten bezeichnen St. Pius als einer der bestgelungenen Kirchen dieser Bauperiode. Architekt Richard Berndl hatte die Pläne entwickelt. Baumeister für das in seinen Außenmaßen 49 Meter lange und 25 Meter breite Objekt war Georg Berlinger aus Berg am Laim. Der Kirchenraum selbst misst eine Höhe von 15 Metern, der Turm ist 28 Meter hoch. Darüber prangt das weithin sichtbare, 6 Meter hohe Kreuz. Augenfällig im Innern der Kirche sind die Darstellungen der vier Evangelisten aus der Feder des Kunstmalers Hotter und die 14 Kreuzwegstationen des Kunstmalers Figel. Darüber hinaus gefallen die Holzbildhauerarbeiten aus den Händen von Josef Henselmann, der auch das Kreuz im Altarraum und neben anderen Arbeiten vor Ort auch die Figur des Kirchenpatrons, Papst Pius V., kreierte. Die heute prägenden bunten Glasfenster entstanden nach Entwürfen von Kunstmaler Wilhelm Braun gegen Ende der 60er Jahre. Gegenwart und Zukunft Ein Höhepunkt der letzten Kirchenrenovierung war die Konsekration des neuen Altares durch Weihbischof Johannes Neuhäusler am 23. November 1969. Die Orgel mit ihren 51 Registern und 3700 Pfeifen und deren Weihe 1979 verdankt man vor allem der Opferbereitschaft vieler Gemeindemitglieder. Seit 1962 prangt zudem die Kirchenuhr auf St. Pius. Das Glockengeläut verdankt St. Pius den gewaltigen Klöppelschlägen der rund 78 Zentner schweren „Piusglocke“ sowie der Johannes- und Georgsglocke. Fest verbunden ist die Gemeinde neben Berg am Laim vor allem mit Ramersdorf. Der Ablass in Form der „Frauendreißigers“ zählt neben den kirchlichen Feiertagen alljährlich im August und September zu einem der örtlichen Fixpunkte im Veranstaltungskalender. „Unser Pfarrverband hat sich dank des intensiven organisatorischen Aufbaus seit 2007 im ersten Jahr gut entwickelt und erscheint angesichts der tollen Kooperation der Kirchengemeinden, der Hilfsbereitschaft und vorbildlichen Zusammenarbeit aller darin Wirkenden als positives Element“, freut sich Pfarrer Wechselberger. Doch vor den Problemen der Zeit mit vielen Kirchenaustritten, einem bisweilen gefährlichen Schlingern des Kirchenschiffes in einer immer schnelllebigeren Welt und Gesellschaft will der Hirte seine Augen nicht verschließen. „Heute haben wir aktuell nur noch 13 Kommunionskinder bei fast 4.500 Katholiken im Einzugsgebiet – früher waren das 40 bis 50 im Jahrgang“, legt er den Finger trotz aufziehender Festtagsvorfreude auch die Wunde der Kirche. Aber der Pfarrer von St. Pius trägt auch reichlich Hoffnung in sich. Die Neubauplanungen rund um den Ostbahnhof in unmittelbarer Nachbarschaft der Piuskirche mit allein über 900 geplanten Wohnungen lassen ihn optimistisch in die Zukunft blicken. „Da hoffe ich auch auf viele junge Familien, die dann den Weg zu uns finden könnten“, unterstreicht er die Projektbedeutung auch vor dem Hintergrund einer schleichenden Überalterung nicht nur in seiner Kirchengemeinde. Da hofft eine mit 80 Jahren jung gebliebene Kirchengemeinde auf eine ebenso junge Schar potentieller neuer Gemeindemitglieder. Wünsche darf man als Geburtstagskind ja schließlich auch haben. Harald Hettich

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