Perlacher Trachtenverein feiert Jubiläum

120 Jahre Edelweiß-Stamm München

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Klaus Mauerhoff, Vorstand des Perlacher Trachtenvereins Edelweiß-Stamm München.

Am Sonntag feiert der Trachtenverein Edelweiß-Stamm München in Perlach gemeinsam mit befreundeten Vereinen sein 120-jähriges Bestehen.

Gegründet wurde der Verein ursprünglich unter dem Namen „Die lustigen Oberlandler“, doch bereits nach einem Jahr erhielten die trachtentreuen Frauen und Männer ihre heutige Bezeichnung „Edelweiß-Stamm“. Wer sich die Herren mit den bestickten kurzen Lederhosen und die Damen in Schalk und Gschnür anschauen möchte, hat am Sonntag zwei Gelegenheiten: Entweder vor dem Gottesdienst um 11 Uhr in St. Michael Perlach oder kurz nach 12 Uhr, wenn die Trachtler von der Kirche ins Gasthaus am Pfanzeltplatz ziehen. 

HALLO hat vorab Vorstand Klaus Mauerhoff über seinen Verein befragt. 

HALLO: Wenn man aufs Oktoberfest geht, sieht man jede Menge Trachten. Wozu braucht’s denn da ausgerechnet in München-Perlach einen Trachtenverein?

Mauerhoff: Die Trachten, die auf der Wiesn getragen werden, sind modische Entwicklungen, die mit bodenständiger Tracht in der Regel nichts zu tun haben. Tracht in unserem Sinne ist das Gewand, dessen Tragen in dieser oder jener Gegend seit Menschengedenken gebräuchlich ist, das unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern getragen haben und deren Erhaltung für die Nachkommen eine wichtige Aufgabe ist. 

Es geht ja auch nicht nur um die Kleidung, sondern auch darum Brauchtum, Volksmusik, Tänze und Schuhplattler der Heimat, Heimatdialekt und Laienspiel zu erhalten und zu pflegen.

HALLO: Wird denn so ein Verein aus Perlach bei den Kollegen in Oberammergau oder am Schliersee überhaupt ernst genommen?

Mauerhoff: Wir sind, 1893 gegründet, mit einer der ältesten Trachtenvereine Bayerns. Eingebunden im Oberlandler Gauverband mit über 5000 Mitgliedern pflegen wir viele Kontakte. Der kameradschaftliche Zusammenhalt ist sehr ausgeprägt. Jede Trachtlerin, jeder Trachtler wird gleich geschätzt, denn es geht nicht darum wo man herkommt, sondern dass man diese Tradition pflegt.

HALLO: Sie tragen eine wunderschöne Miesbacher Tracht, warum die und keine Münchner?

Mauerhoff: Zusammen mit acht anderen Vereinen gründeten wir 1899 als Dachorganisation den Oberlandler Gauverband, dessen Sitz in Miesbach ist. Deswegen tragen wir auch die Miesbacher Tracht.

HALLO: So eine Ausstattung ist sehr speziell und sicher auch nicht billig. Das bekommt man in München doch in keinem Laden? Und mit was muss man da so rechnen als aktiver Trachtler?

Mauerhoff: Es gibt schon ein paar Geschäfte, aber speziell für die Damen wird alles in Handarbeit hergestellt. Hier bieten sich natürlich die Geschäfte und Schneidereien im Oberland an.

Für Bekleidung und Accessoires können schon mal – je nach Ausstattung – ein paar Tausender (für Festtracht oder Schalk) ausgegeben werden. Wir haben aber einen Fundus, aus dem wir in der Regel eine Erstausstattung zur Verfügung stellen können. Bei den Herren wird es etwas billiger – wenn er nicht gleich einen Gamsbart für 2000 Euro kaufen will. Vieles wird auch vererbt, in der Familie oder unter Freunden weitergegeben.

HALLO: Zu den Aufgaben eines Trachtenvereins gehört es unter anderem, die „Sitte“ zu erhalten und zu pflegen. Was verstehen Sie denn darunter?

Mauerhoff: Ein Spruch dazu von Hans Seestaller, Ehrengauvorstand des Oberlandler Gauverbandes, der 1979 verstarb: Es gibt nichts Schöneres auf Erden, als pflegen Väterglauben, Volkstum, Tracht und Brauch, denn wo des Volkes Sitten sterben, stirbt des Landes Blüte auch. Das sind die Werte, für die wir bereit sind, einzustehen. Achtung vor der Würde des Anderen, Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Offenheit und mehr

HALLO: Und was bedeutet es, sich für den heimischen Baustil– ebenfalls eine definierte Trachtenvereins-Aufgabe – einzusetzen?

Mauerhoff: Im Rahmen der Möglichkeiten mitzuwirken. Da die Wiege der Trachtenbewegung im ländlichen Bereich zu suchen ist, war das sicher dort einfacher als für einen Verein in der Stadt. Im Übrigen muss nicht jeder Verein alles leisten, was als Aufgaben definiert ist.

HALLO: Können Sie tatsächlich schuhplatteln? Mit welchem Fuß fängt man da überhaupt an? 

Mauerhoff: Links. Ich selber kann nicht platteln, bin erst relativ spät zum Verein gestoßen. Außerdem machen das unsere alten Knochen nicht mehr mit. Das Wissen darüber ist aber bei uns noch vorhanden. Wir haben auch jüngere Mitglieder, die Plattler und Tänze lehren können. 

HALLO: Wie steht es in der heutigen Zeit um einen Brauchtumsverein wie den Ihren?

Mauerhoff: Todesfälle, berufliche Veränderungen, Wegzug und die Tatsache, dass es in einer Großstadt wie München schwer ist, Leute zu finden, die mit offenem Herzen zur Trachtenbewegung stehen, ließen in den zurückliegenden 20 Jahren die Zahl unserer Mitglieder deutlich zurückgehen.

Heute haben wir leider nur 44 Mitglieder. Zwar gibt es darunter ein paar jüngere, die aber, auch wegen der Wohnsituation in München, außerhalb wohnen. Kinder des Vereins sind mangels Möglichkeiten bei uns bei anderen Vereinen aktiv.

Wir freuen uns deshalb über jedes neue Mitglied, insbesondere jüngere Frauen und Männer, damit unser traditionsreicher Verein weiterhin Bestand hat.

Mittlerweile haben wir in Perlach Fuß gefasst, sind seit 25 Jahren im Gasthaus zur Post beheimatet und hoffen, die guten alten Traditionen wieder beleben zu können.

Interview: Carmen Ick-Dietl

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