Olympia 2018 – Ja, aber  …

Sportlich Interessierte konnten sich über den aktuellen Planungsstand der Olympischen Spiele 2018 (am 6. Juli ist die Standortentscheidung) informieren und dazu diskutieren. Der SV Neuperlach war Gastgeber der Präsentation, die die Bewerbungsgesellschaft München GmbH in der Vereinsgaststätte hielt. Die Leitung der Veranstaltung hatte Boris Schwartz (rechts) von der Bewerbungsgesellschaft, links SVN-Vorsitzender Norbert Kreitl. Foto: Karl Hirt

Was geht die Bewerbung Münchens um die Olympischen Winterspiele 2018 die Sportvereine im Münchner Osten an? Mehr als man auf den ersten Blick ahnen könnte, meint Norbert Kreitl, Vorsitzender des SVN München. Weil er Nachteile für den Breitensport befürchtet, ruft er alle bayerischen Sportvereine auf, ihre Unterstützung für Olympia an finanzielle Zusicherungen zu knüpfen. Die Bewerbergesellschaft und ihre Unterstützer hören das gar nicht gern.

„Wunderbar“ sei die Olympia-Bewerbung gestaltet, „mit vielen schönen Bildern und Ausführungen“, findet Norbert Kreitl. Doch ohne ein paar kritische Anmerkungen kommt die Bewerbergesellschaft, die vergangene Woche beim SVN München in Neuperlach die Sportvereine im Münchner Osten über die Bewerbung für 2018 informiert, nicht davon. Es geht vor allem ums Geld. „Noch nie seien die Spiele mit dem Budget ausgekommen, meist habe es „wahnsinnige Steigerungen“ gegeben, erinnert der SVN-Vorsitzende. „Ich glaube die Zahlen deshalb nicht.“ In einer „Resolution“ ruft Norbert Kreitl daher nun alle bayerischen Sportvereine auf, die Unterstützung für die Bewerbung an eine Bedingung zu knüpfen. „Nur, wenn von den politisch Verantwortlichen in Bund, Freistaat, Stadt München und Kommunen die klare Zusage erfolgt, dass für den Bau von vereinseigenen Sportanlagen und für die Aufgaben der Vereine weiterhin ausreichend öffentliche Mittel zur Verfügung gestellt werden und keine Kürzungen erfolgen.“ Schließlich gebe es bereits jetzt einen erheblichen Nachholbedarf für Sanierung, Modernisierung und Neubau-Maßnahmen im Sportflächen- und Hallenbau, untermauert Kreitl seine Forderung. „Es gibt Sportfelder mit Riesenlöchern.“ Allein in München würden für notwendige Sanierungsmaßnahmen 30 Millionen Euro fehlen; beim Bayerischen Landessportverband (BLSV) betrage der Antragsstau 60 Millionen. Vereine müssten derzeit bis zu sechs Jahre warten, bevor Zuschüsse fließen. Mit Olympia könnte das alles noch schlimmer werden, befürchtet Norbert Kreitl. Habe doch Bundesinnenminister Thomas de Maizière erst vor Kurzem erklärt, dass beim Sportstättenbau gekürzt werde, um die Förderung des Leistungssports gleichhalten zu können. „Ohne Breitensport keine Spitze“, so der SVN-Chef und Ex-Stadtrat verärgert. „Auch wir wollen die notwendigen Mittel haben, um unseren Sport sinnvoll weiterführen zu können.“ Die Sponsoren würden die für Olympia eingesetzten Gelder hinterher von der Steuer absetzen, was weniger Steuereinnahmen bedeute und sich damit letztendlich auch auf die Haushalte und die Zuschüsse auswirke. „Das ist unser Geld, das hier eingesetzt wird.“ Missbrauch? Die anwesenden Olympia-Befürworter reagieren leicht verschnupft auf Kreitls Einwürfe. In Kreitls Papier ständen zwar „viele richtige Dinge“, meint der langjährige Vorsitzende des Münchner Sportbeirats, Hans-Ulrich Hesse, trotzdem rät er den Vereinen dringend von einer Unterschrift ab. Denn der Weltevent sei eine riesige Werbung für den Sport, eine Lobbyarbeit der besonderen Art. Die bereits Wirkung zeige: „Der Oberbürgermeister weiß nicht nur, was auf dem Rathausbalkon ist, der weiß auf einmal, was Sport ist.“ Eine erfolgreiche Olympia-Bewerbung bringe den Sport in eine Position, „in der man uns zuhört“, so Hesse. Eine Riesenchance, die man nutzen müsse, um Probleme anzugehen. Die man aber nicht als „Druckmittel“ missbrauchen dürfe. Die Resolution sei nur ein Appell an die Politik, sich bereits im Vorfeld klarzumachen, dass sie die Vereine nach Olympia nicht mit leeren Kassen abspeisen dürfen, heißt es hingegen von Vereinsseite. „Wann haben wir sonst schon die Möglichkeit, dass man uns zuhört“, schimpft ein anwesender Vereinsvorstand. Im Münchner Rathaus denke keiner wegen der Olympia-Bewerbung über eine Kürzung im Breitensport nach, versichern der Leiter des Sportamts, Rudolf Behaker, sowie die Stadträte Boris Schwartz (Grüne) und Ingo Mittermaier (SPD). Eine solche Lobby wie jetzt habe der Sport noch nie gehabt. Der Breitensport werde deshalb keinen Euro mehr oder weniger bekommen, so Behaker. Nur ein bedingungsloses Ja stütze die Bewerbung, alles andere störe. „Es wäre doch schade, wenn München durch zu viel Kritik seine Chance auf die Austragung verspielen würde“, warnt Mittermaier. Carmen Ick-Dietl

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