Noch mehr Industrie geplant

Auch der Bund Naturschutz gehört zu den Kritikern der Ausweisung des Gleisdreiecks Hüllgraben zwischen A 94, Bahnlinie München-Mühldorf und S-Bahnlinie München-Ismaning als Industriegebiet. Foto: Bund Naturschutz

Heftigen Widerstand gegen die Ausweisung des Gleisdreiecks Hüllgraben zwischen A 94, Bahnlinie München-Mühldorf und S-Bahnlinie München-Ismaning als Industriegebiet kommt von den Bezirksausschüssen Bogenhausen und Trudering sowie von vielen Bürgern. Dennoch will das Planungsreferat noch mehr Gewerbe zulassen, obwohl die Betriebe aus dem Planungsgebiet Hauptbahnhof-Laim-Pasing, die an den Hüllgraben umgesiedelt werden sollten, längst anderswo untergekommen sind.

Rund die Hälfte der Grünfläche im Gleisdreieick Hüllgraben soll zum Industriegebiet werden, obwohl der Münchner Osten laut aktueller Gutachten mit öffentlichem Grün unterversorgt ist. Als Grund für die Planung nennt die Stadt Bedarf für die Unternehmen, die aus dem Planungsbereich Hauptbahnhof-Laim-Pasing abgesiedelt werden müssen. Mehr als 1200 Unterschriften gegen die Pläne haben Bürger Münchens grünem Bürgermeister Hep Monatzeder übergeben, die Bezirksausschüsse Bogenhausen und Trudering sprachen sich stets klar gegen das Industriegebiet aus. Der Bund Naturschutz hat ermittelt, dass der „Planungsgrund“ wegfällt, denn die Firmen aus dem Münchner Westen hätten längst eine neue Bleibe gefunden. Zudem heißt es in einem Grundsatzbeschluss des Stadtrats vom 3. Februar 2010 zu gesamtstädtischen Ausgleichsflächen: „Große Defizite an Freiflächen liegen im Münchner Osten und in der inneren Stadt vor“. Und weiter: „ Zur Entwicklung von Bereichen mit Niedermoorcharakter eignen sich prioritär die Flächen entlang des Hüllgrabens“. Naherholungsgebiet Auch im Hinblick auf die massive Bebauung, die in den kommenden Jahren im Münchner Osten und Nordosten erwartet wird (Trabrennbahn Daglfing, Messestadt, Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme München Nordost) beharren die Bezirksausschüsse Trudering und Bogenhausen darauf, den Hüllgraben als Naherholungsgebiet zu erhalten und als Ausgleichsfläche auszuweisen. Ehe der Grundstückseigner Aurelis vor etwa zwei Jahren das Gelände mit Bauzäunen absperrte, erfreute es sich bei Spaziergängern mit und ohne Zamperl, bei Bikern, Motocrossern und Sonnenhungrigen großer Beliebtheit. Im Winter wurde Schlitten gefahren, die Freizeitkicker vom FC Radi absolvierten nach 1963 dort einige Jahre lang ihr Training und für Sommerpartys von Jugendlichen war der Hüllgraben idealer Anlaufpunkt. Ohne Fahrweg war das Gebiet für viele Bogenhauser, Truderinger und Berg am Laimer erreichbar, Riemer Landschaftspark und Ostpark hingegen liegen für einen schnellen Spaziergang viel zu weit entfernt. Im Stadtrat gut vernetzt Der Truderinger Bezirksausschuss befasste sich in seiner Dezember-Sitzung mit den jüngsten Plänen für das Gleisdreieck Hüllgraben, zu dem derzeit die Träger öffentlicher Belange Stellung nehmen. BA-Vorsitzende Stephanie Hentschel (CSU) zeigte anhand der Pläne, dass im Vergleich zu früheren Präsentationen noch mehr Bebauung erfolgen soll. Hentschel fragte sich, ob es „das Industriegebiet noch braucht“, da der Bedarf der Betriebe, für deren Ansiedlung man es plane, schon längst gedeckt sei. ie bisher sprachen sich die Lokalpolitiker klar gegen das Industriegebiet Hüllgraben aus und übernahmen im Wesentlichen die Stellungnahme des Bogenhauser Bezirksausschusses. Auch der ist gegen die Gewerbefläche. Die Truderinger fügten ihren Ausführungen noch den Passus hinzu, dass der Bereich Hüllgraben-Dreieck als Ausgleichsfläche für künftige Bebauungen gewidmet werden soll. Nur die Berg am Laimer BA-Politiker haben gegen die städtischen Pläne nichts einzuwenden. Ob der massive Widerstand vor Ort den Stadtrat allerdings überzeugen wird, ist zweifelhaft. „Die Aurelis ist im Stadtrat gut vernetzt und hat viele Freunde dort“, erklärte Stadtrat Georg Kronawitter (CSU). Das Aurelis-Argument, es gebe Verträge, Schadenersatz werde fällig, wenn man nicht bauen dürfe, ist für Kronawitter nicht stichhaltig: „Das ist nirgendwo verbrieft!“ Auf Nachfrage von Herbert Danner (Grüne), wie Konawitters CSU-Stadtratskollegen die Sache sähen, erklärte dieser: „Die Aurelis hat beste Kontakte zu allen Fraktionen!“ Gabriele Mühlthaler

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