Anwohner äußern ihre Wünsche

Zukunft der Trabantenstadt: Sanierung von Neuperlach

Bei der Auftaktveranstaltung zur Stadtsanierung Neuperlach konnten Anwohner ihren Wohnort markieren.
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Bei der Auftaktveranstaltung zur Stadtsanierung Neuperlach konnten Anwohner ihren Wohnort markieren.

Wie soll Neuperlach in 20 Jahren aussehen: Diese Frage stellt die Stadt an Anwohner des Viertels. Die sollen nämlich bestimmen, wie sich der Stadtteil in Zukunft entwickelt.

Neuperlach – Was passiert vor der Haustür und wie können Anwohner das beeinflussen? Für die Einwohner Neuperlachs gibt es nun ein Konzept, dass die Einbindung der Wünsche und Vorstellungen der Bürger für ihr Viertel realisieren soll. Das Projekt nennt sich „Stadtsanierung Neuperlach“. Manchen Ramersdorfern oder Berg am Laimern könnte der Begriff bekannt vorkommen, denn die Maßnahmen in jenen Vierteln seit 2004 laufen unter dem selben Namen. Jetzt soll Neuperlach dran sein.

Am vergangenen Mittwoch trafen sich deshalb Bürger, Mitglieder des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach sowie Stadträte, darunter Stadträtin Heide Rieke und Stadtbaurätin Elisabeth Merk ,unter dem Motto „Neuperlach: Fit für die Zukunft!“. Anwesende Neuperlacher hatten dort die Möglichkeit, ihre Vorstellungen vom Viertel zu äußern. Der Einstieg war ein kurzes Viertelportrait: „Neuperlach ist eine Stadt in der Stadt“, so der Bezirksausschuss-Vorsitzende Thomas Kauer. Neben dem vielen Grün, dem Ostpark und dem pep seien das besondere an Neuperlach aber die Einwohner. „Ich empfehle, hier in Neuperlach einmal Urlaub zu machen“, sagte Kauer wohl auch in Richtung der Moderatoren des Abends, die aus Hamburg angereist waren und dem Vetreter des Architektenbüro Adept aus Kopenhagen, Leon Legeland.

Experten aus Dänemark sanieren Neuperlach

Warum gerade Architekten und Stadtplaner aus Kopenhagen an Neuperlach arbeiten sollen, erklärt Legeland: „Wir haben einen ganz unvoreingenommenem Blick auf Neuperlach.“ Außerdem könne man Ideen aus Kopenhagen mitbringen, wie etwa die Fahrradfeundlichkeit der Stadt oder das Bebauuen von Flachdächern.

Allerdings warfen die Fachbegriffe der Stadtplaner zunächst viele Fragen auf. Was das überhaupt sei, eine Stadtsanierung, wollte ein Bürger wissen, noch bevor die Besucher sich mithilfe von Zetteln an Säulen über die Vor- und Nachteile Neuperlachs äußern sollten. Es ginge darum „dass Sie uns sagen, was gut ist und was nicht so gut ist“, so Stadträtin Heide Rieke.

Konkret geht es nur um ein bestimmtes Gebiet des 16. Stadtbezirks, in dem Veränderungen vorgenommen werden sollen: Etwa 500 Hektar, betroffen sind zirka 40.000 Neuperlacher. Laut muenchen.de leben heute über 50.000 Menschen in der Trabantenstadt, es ist also ein Großteil der Neuperlacher von der Stadtsanierung betroffen. Die Sanierung Neuperlachs bedeute, den Bestand qualitativ aufzuwerten, so der Bezirksausschuss-Vorsitzende Thomas Kauer. Und Handlungsräume sind ein Konzept, um das stadtteilübergreifende Arbeiten zu verbessern: „Da, wo der Bezirksausschuss alleine nicht wirken kann, etwa beim Bau von Straßen oder Schulen, erleichtern die Handlungsräume die Lösung der Probleme“, so Stadträtin Merk.

Ein Beispiel dafür, was eine Stadtsanierung konkret bedeuten kann, gab Stadrätin Rieke. Es gäbe viele, große Grünflächen in Neuperlach, aber an die Nutzungsmöglichkeiten solcher gebe es heute andere Ansprüche als zum Zeitpunkt der Planungen der Trabantenstadt.

Im Rahmen der Veranstaltung konnten die Neuperlacher also äußern, was sie an ihrem Viertel lieben, was sie vermissen, was ihrer Meinung nach weg kann und wo etwas verbessert werden sollte. Demnach schätzen die Anwohner besonders die vielen Grünflächen, die Krautgärten, die Sportmöglichkeiten, die Verkehrsanbindung und die Fußläufigkeit in Neuperlach, den Hachinger Bach sowie die für heutige Verhältnisse großen Abstände zwischen den Gebäuden.

Neuperlacher wünschen sich lebendiges Viertel

Vermisst wird ein Stadtteilkern, ein Kulturzentrum oder eine Versammlungsstätte im Allgemeinen, ein Biergarten, eine Diskothek, eine Tram-Anbinbung und eine Verlängerung der U-Bahn, eine Postfiliale, ein Theater, ein Kino und auch das Flugdach am Hanns-Seidel-Platz, das eigentlich dort über den Gebäuden geplant war und jetzt doch nicht kommen soll. Außerdem sei nach 21 Uhr in Neuperlach „nichts mehr los“.

Weg haben würden die Neuperlacher am liebsten den starken Verkehr und die vierspurigen Straßen, wie etwa an der Quiddestraße, oberflächliche Parkflächen, die Zäune im Viertel sowie die umstrittene „Perlacher Mauer“. Auch wünschten sich die Anwohner, der Primark wäre nicht ins pep eingezogen, da er München-weit zu viele Einkaufswütige in das Einkaufszentrum ziehe. Außerdem empfinden einige Neuperlacher die Ständlerstraße als Schneise, die den 16. Stadtbezirk trenne.

Verbesserungsbedarf gibt es am beliebten Ostpark, wo etwa Toiletten gewünscht sind. Das Theatron solle für eine stetigere Nutzung im Sommer besser ausgerüstet sein. Bedauern tun die Neuperlacher auch den Zustand des Quiddezentrums: Sie wünschen sich die Künsterkolonie zurück. Das wird wohl aber wegen der maroden Bausubstanz des Gebäudes, aus dem die Künstler im Mai letzten Jahres ausziehen müssten (HALLO berichtete), nicht möglich sein. Seitdem ist das Areal, das der WSB (Wohnungs- und Siedlungsbau Bayern) gehört, eine Ruine: „Die schönste Ruine Neuperlachs“, wie ein Bürger den Zustand auf der Veranstaltung zusammenfasste.

„Ich wünsche mir, dass die Anwohner zum 60. Geburtstag Neuperlachs sagen können: Es hat sich gelohnt, hier teilzunehmen“, so Stadtbaurätin Elisabeth Merk zum Projekt Stadtsanierung. Derzeit ist im Stadtteil auch ein Lastenfahrrad unterwegs, bei dem sich Neuperlacher über das Projekt informieren können. Auch dort können die, die nicht zur Auftaktveranstaltung kommen konnten, ihre Meinungen zu den Vorzügen und Nachteilen Neuperlachs einreichen. Weiter geht es mit einer Aktionswoche vom 4. bis 9. Mai, in der mit Workshops, Aktionen und Kultur Lösungsvorschläge für die genannten Probleme erarbeitet werden sollen. Alle Neuperlacher sind dazu eingeladen.

Mehr Informationen zu der Aktionswoche sollen noch folgen, aktuelle Meldungen dazu können unter www.stadtsanierung-neuperlach.de abgerufen werden. Im Herbst soll dann feststehen, wie es für Neuperlach weitergeht und was genau saniert wird.

pg


Mehr über Ramersdorf-Perlach gibt es in der Übersicht.

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