Corona-Regeln nicht umsetzbar

Zentral legal, vor Ort noch nicht – SVN Neuperlach kritisiert Nutzungsbedingungen für Sportstätten

Nicht corona-tauglich: Kampfsport, wie hier Ju-Jutsu, kommt nicht ohne Körperkontakt aus und wird in Hallen ausgeübt.
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Nicht corona-tauglich: Kampfsport, wie hier Ju-Jutsu, kommt nicht ohne Körperkontakt aus und wird in Hallen ausgeübt.

Bereits im April hatte sich der SVN Neuperlach wegen der geltenden Corona-Einschränkungen an die Politik gewandt. Jetzt verfassten der Vorsitzende Kurt Damaschke und der Ehrenvorsitzende Norbert Kreitl ein Schreiben an die Landeshauptstadt.

Neuperlach –  Schon seit einigen Wochen ist bei den Maßnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus vor allem nur noch von Lockerungen die Rede. Immer noch gültig ist die Abstandsregelung und die Maskenpflicht. Aber: Mit dem Sport soll es weitergehen. Das Verbot von Körperkontakt, der bei vielen Mannschaftssportarten nicht eingehalten werden kann, wird aufgehoben. Auch Indoor-Spielplätze dürfen ihre Türen wieder öffnen.

Der Neuperlacher Sportverein SVN bietet unter anderem Basketball, Fußball, Handball und Budo (Überbegriff für Kampfkünste wie Ju-Jutsu, Kun-Tai-Ko, Tae-Kwon-Do und Kickboxen) an. Auf insgesamt 13 Sportstätten, teils in Hallen, teils auf Sportplätzen im Freien, kann mit dem SVN Sport getrieben werden. Allerdings bleiben die Hallen und Plätze seit Beginn der Corona-Krise leer. Auch nach der Sechsten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung können Sportarten schon seit dem 22. Juni auch wieder im Freien und in Hallen ausgeübt werden, solange der Abstand von eineinhalb Metern „wo immer möglich“ eingehalten wird. Zwar gibt die Bayerische Staatsregierung die Rahmenbedingungen vor, aber letztlich entscheiden die Städte und Gemeinden, wie genau die Maßnahmen im jeweiligen Gebiet umgesetzt werden. Im Fall von München ist das das städtische Referat für Bildung und Sport (RBS). Und das legt bisweilen andere Standards an als die Landesregierung. „Bedauerlich ist in der aktuellen Situation, dass das RBS leider andere Maßstäbe ansetzt als die Staatsregierung in Abstimmung mit den staatlichen Gesundheitsbehörden“, so Kurt Damascke, Vorsitzender des SVN München (kleines Bild).

Die Landeshauptstadt München hat die schulischen Freisportpläte für die Nutzung durch Vereine freigegeben. Auch der Körperkontakt beim Training ist von Seiten der Landesregierung seit letzter Woche wieder erlaubt. Bei Kampfsportarten, wie sie der SVN anbietet, darf die Gruppe der Sporttreibenende allerdings aus nicht mehr als fünf Personen bestehen. Und für den Sport in schulischen Sporthallen gilt: Maximal fünf Personen in einer Kleinsporthalle, maximal zehn Personen in einer Einfachhalle und bis zu 30 Personen dürfen sich in einer Doppelsporthalle aufhalten. Schon alleine durch diese Auflagen fallen viele Sporthallen in München weg. Denn bei einer Übungsstunde, wie sie normalerweise abgehalten wird, sind bis zu 25 Personen anwesend, heißt es in dem Schreiben des SVN an die Stadt. „Die Kosten für einen Übungsleiter betragen bis zu 24 Euro bei 45 Minuten – und dies für neun teilnehmende Sporttreibende! Der finanzielle Aufwand dafür ist nicht vertretbar“.

Ein weiteres Problem: Die strengen Reinigungsregeln. Denn das Saubermachen der Geräte, Matten und Halterungen sowie die Lüftung nach dem dafür entworfenen „Lüftungskonzept“ soll auch von den Übungsleitern der Vereine erledigt werden. Das sollen sie dann auch noch dokumentieren. Das sei utopisch, so Damaschke und der Ehrenvorsitzende Norbert Kreitl in ihrem Brief an Oberbürgermeister Reiter: „Zu den normalen Übungsleiterkosten kommen die zu bezahlenden Kosten für die Dokumentationszeit, für die Lüftungs- und Reinigungsmaßnahmen und für die Reinigungsmittel! Wovon sollen die Vereine das bezahlen – oder bekommen wir dafür einen Zuschuss?“

Für die nähere Zukunft wünscht sich der SVN, wie sicherlich auch andere Sportvereine in München, besser planen zu können. „Perspektivisch müssen wir als großer Sportverein wissen, wie es im Herbst weitergeht, wenn wieder fast alles in den Schulsporthallen stattfindet“, sagt Damaschke. Wer nicht regelmäßig am Vereinssport teilnehmen könne, sehe es auch nicht ein, den vollen Beitrag zu zahlen. „Oder er kündigt gleich.“

pg


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