Eine große Idee hat der Visionär noch

SV Neuperlach: Ein erfolgreicher Verein und sein starker Vorsitzender

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Norbert Kreitl in der neuen Dreifach-Turnhalle des Sportparks an der Fritz-Erler-Straße.

Norbert Kreitl hat wieder viel zu tun. In der Geschäftsstelle des SVN München hat er gerade wieder eines seiner heute bereits unzähligen Telefonate absolviert. Die Mitarbeiter haben Fragen, Anliegen und auf dem Schreibtisch des 81-Jährigen türmen sich Papierberge. Norbert Kreitl kennt das. Seit 24 Jahren ist der umtriebige Geist, frühere Stadtrat und langjährige Bezirksausschuss-Vorsitzende als Vorsitzender des zweitgrößten Münchner Breitensportvereins beinahe omnipräsent.

6444 Mitglieder tummeln sich aktuell im boomenden Club, allein seit 2016 ist der stolze Verein noch einmal um gut 1000 Mitglieder gewachsen. In 13 sportliche Abteilungen ist das athletische Leben beim SVN unterteilt. Besonders stolz ist der Langzeit-Vorsitzende auf die vielen Kinder und Jugendlichen: Auf 40,8 Prozent ist deren Anteil zuletzt angestiegen. „Dafür braucht man natürlich auch das entsprechend reizvolle Angebot – und dafür braucht man den notwendigen Platz“, erklärt der Vorstand. Besonders bei den Jüngsten brummt der Verein. 600 Kinder tummeln sich allein in der stetig vergrößerten Kindersportschule. „Spielerisch sollen die Kinder mit viel Spaß an die Sportarten herangeführt werden.“ An den Ferien-Aktiv- Camps des SVN haben zuletzt 277 Kinder von sechs bis zwölf Jahren teilgenommen. Neben den etablierten Sportarten von Bergsport bis Volleyball trifft der SVN mit Slackline und Parcours, Frisbee oder Bouldern den Nerv seiner jungen Sportler. Dazu ist Internationalität Trumpf. „Ein oft beschriebenes Problemviertel Neuperlach kann ich beim SVN nicht ausmachen“, lacht der Vorsitzende. „Wir leisten echte Integration.“

Wenn Norbert Kreitl im Sauseschritt eines Junggebliebenen durch den vor 27 Jahren eröffneten Sportstättentrakt an der Staudingerstraße eilt, ist schwer Schritt zu halten. In diesem Tempo hat der Mann auch den Aufschwung des Vereins betrieben. Heute gibt es weitläufige Tennisanlagen, eine sehenswerte Saunalandschaft und ein toll bestücktes Fitnesscenter. „Der Fitnessbereich war mein erstes größeres Projekt“ verrät Kreitl, während sich zu dieser Tageszeit an den Geräten und in der Schwitzkammer gleich nebenan viele Senioren tummeln. „Da muss man lange suchen, um einen Verein zu finden, der eine derartige Vielfalt bietet“, so der SVN-Chef. Er ist aber schon wieder im Laufschritt unterwegs. Rein ins Auto, die kurze Strecke hinüber und mitten hinein in das neue Vorzeigeobjekt des Vereins. Der neue SVN-Sportpark an der Fritz-Erler-Straße mit modernster Dreifach-Halle, Sport- und Trainingsräumlichkeiten unterschiedlichsten Zuschnitts, beeindruckendem Kletter- und Boulderzentrum und einem schmucken Bistro lässt die Herzen nicht nur der Neuperlacher Sportfreunde seit der Fertigstellung 2016 nach zweijähriger Bauzeit höher schlagen. Kreitl eilt wieder voraus. Auf dem begrünten Dach mit Solaranlagen und Photovoltaik sowie schallschützender Decke beginnt die rastlose Rundreise. Multifunktions-Sporträume mit hochwertigen Böden öffnen sich, die Dreifachturnhalle versprüht echten Glanz. Bei Highlight-Veranstaltungen wie dem „German Open“ der Kickboxer mit 1000 Teilnehmern aus 20 Staaten hat die Anlage ihre Feuertaufe längst bestanden. Gerade sind wieder zwei Busse mit kreischenden Kindern vorgefahren. „Wir sind auch hier bereits wieder voll ausgelastet“, sagt Kreitl, während er den Kleinen aufmunternd zulacht. „Das Ganze hier ist eine Investition in die Zukunft des Vereins und des Stadtteils!“

Bei all der Klasse der Anlage drückt hier aber auch gewaltig der Schuh. „Was uns Sorgen bereitet, ist die Baukostensteigerung von 9,8 auf 12,8 Millionen Euro“, rechnet der Vorstand durchaus bedenkliche Zahlen hoch, während er seinen Blick durch das lichtdurchflutete, zweistöckige Foyer des Sportparks gleiten lässt. Eine europaweit vorgeschriebene Einzelausschreibung der 28 Einzelgewerke in und um den Sportpark hat die Kostenspirale enorm nach oben getrieben. „Mit einem Generalunternehmer wäre das nicht passiert“, hadert der Vorsitzende. „Unverständlich für mich ist dabei, dass der Freistaat und die Kommunen selbst mit Generalunternehmern arbeiten, uns Vereinen das aber verbieten.“ Kreitl pocht auf eine Nachfinanzierung und lehnt eine Kosten- deckelung seitens Stadt und Freistaat ab. Immerhin: Der Verein gerät dadurch nicht in Schief- lage. „Wir wirtschaften seriös und erwirtschaften derzeit ein Plus von rund einer halben Million Euro pro Jahr“.

2019 feiert der Verein sein 50. Wiegenfest. Dem Visionär schwebt noch ein letztes Großprojekt vor. Für 1,5 Millionen Euro soll eine Sport- und Bewegungs-Kindertagesstätte geschaffen werden. Dazu will man die Freiflächen an der Bert-Brecht-Allee aus städtischer Erbpacht womöglich ganz übernehmen. „Wenn die Stadt die Anlagen in einen übernahmewürdigen Zustand vesetzt hat“, mahnt Kreitl.

Harald Hettich

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