Neues Leben im Trambahnhäusl

Ein offenes Buffet mit Essen und Getränken von Copy and Work gab es bei der Eröffnungsfeier des Nachbarschaftstreffs im Ramersdorfer Trambahnhäusl. Foto: Charly D

Ins ehemalige Trambahnhäusl auf der Mittelinsel zwischen den Fahrbahnen der Rosenheimer Straße ist neues Leben eingezogen. Aus der früheren Endhaltstelle an der ehemaligen Wendeschleife der Trambahnlinie 21 ist ein Nachbarschaftstreff geworden, der nun allen Bewohnern von Ramersdorf zur Verfügung steht. Das Gebäude ist zwar recht klein, aber sowohl durch seine Insellage als auch durch seine gedachte Nutzung für Kreativität, Musik und Bürgerschaft ein ganz besonderes Projekt.

Einen „Spagat zwischen Subkultur und Offenheit für den Stadtteil“ will Jürgen Schaffarczik, der vom Träger „Wohnforum“ als Projektleiter für das Trambahnhäusl eingesetzt wurde, hier schaffen. Eine Krabbelgruppe könne hier ebenso unterkommen wie eine Schafkopfrunde, Poetry Slam oder eine Kunstausstellung. Es muss nur in den etwa 43 Quadratmeter großen Raum passen. Außer diesem Hauptbereich gibt es im Trambahnhäusl noch eine gut eingerichtete Küche, die in den ehemaligen Kiosk eingebaut wird. Erhalten wurde das ehemalige Kioskfenster, das nun auch als Durchreiche in den Außenbereich dient. Eine „Volksküche“ mit preiswertem Essen von ehrenamtlichen Köchen will Schaffarczik hier ab 16. Oktober einmal pro Woche anbieten. Private Feiern Durch die Küche und die ausreichende Innenfläche gibt es nun aber auch die im Stadtteil einzigartige Möglichkeit private Feste, die in der eigenen Wohnung keinen Platz hätten, im Trambahnhäusl zu feiern. Im Sommer kann man eine solche Feier auch bis unter die schattigen Bäume rund um das Häusl ausweiten. Der Treff bietet eigene Biertischgarnituren und einen hauseigenen Grill an. „Feiert eurer Fest in der grünen Oase“ bietet Jürgen Schaffarczik den Ramersdorfern an. Bandübungsraum Eine rare Kostbarkeit für München ist der Bandübungsraum. Das Ramersdorfer Trambahnhäusl bietet hier nämlich eine gut ausgestattete und kostengünstige Möglichkeit für aufstrebende Künstler. Wer volljährig ist und eine einmalige Kaution von 150 Euro hinterlegt, kann für 20 Euro im Monat sein Musikertalent voll ausleben. Eventuell benötigtes Equipment wie diverse Verstärker, ein Gesangssystem oder ein Drumset sind in dem Preis enthalten. „Bandübungsräume in München sind sehr teuer, was wir hier anbieten, ist der Wahnsinn“, so Schaffarczik, der selbst Musiker ist. Um eventuelle Lärmbelästigungen müsse man sich hier nicht besonders kümmern, meinte Helmut Steyrer von der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung bei der Eröffnung. Denn durch die Rosenheimer Straße sei es vor der Tür des Trambahnhäusls ziemlich laut. „Gerade deshalb ideal als Musikübungsraum und Jugendtreff.“ „Freiraum“ Denn auch die sollen hier ihren „Freiraum“ erhalten. So nämlich soll der Treffpunkt für Jugendliche im Alter von 14 bis 25 Jahren heißen. In Kooperation mit dem Bewohnertreff an der Führichstraße und den Jugendleitern aus dem Aktionsraum an der Langbürgener Straße sollen sich Jugendliche einmal die Woche im Trambahnhäusl mit Freunden treffen, Musik hören oder machen, kochen, tanzen oder kreativ sein. „Bringt eure Ideen mit und wir werden euch dabei unterstützen sie umzusetzen“, ruft Schaffarczik die Jugendlichen aus Ramersdorf auf. Sein Motto: „Langeweile gibt’s nicht, es kommt nur darauf an, was Du daraus machst!“ Bürgertreff Das gelte auch für die Erwachsenen. Der Bürgertreff im Trambahnhäusl biete für alle, die sich engagieren möchten, eine Möglichkeit, eigene Projekte durchzuführen. „Das Trambahnhäusl soll dabei als sozial-kulturelle Plattform dienen, damit sich Menschen aus dem Stadtteil Ramersdorf näher kommen können, gemeinsame Interessen teilen, soziale Kontakte pflegen und am kulturellen Leben teilhaben können.“ Vielleicht habe ja jemand eine tolle Idee, die auch andere Mitbürger und Bekannte begeistern könne, aber bisher noch keine passende Räumlichkeit gefunden. Umbau und Renovierung Das Ambiente dafür ist im Trambahnhäusl auf jeden Fall gegeben. Nach den umfassenden Umbau- und Renovierungsarbeiten ist aus der früheren Endhaltstelle der Trambahnlinie 21 ein helles und einladendes Haus entstanden. Neben der Zusammenlegung diverser kleiner Zimmer zum einem Hauptraum und dem Einbau der Küche wurden auch die Toiletten und diverse Türen erneuert, ein neuer Boden eingezogen, eine Zentralheizung montiert und das Dach abgedichtet. Damit ist der Treffpunkt nun auch winterfest. Sicherheitsansprüche Um den modernen Sicherheitsansprüchen zu genügen musste außerdem eine komplett neue Elektroanlage installiert werden. Insgesamt kosteten diese umfassenden Umbau- und Renovierungsmaßnahmen nur 50.000 Euro. Auch, weil das „Wohnforum“ sich durch umfassende Eigenleitungen beteiligte und erfolgreich mehrere Jugendliche aus dem Stadtteil einbinden konnte. Eine „Low-Budget-Sanierung“, betonte Helmut Steyrer bei der Eröffnung am Freitagnachmittag. Finanziert wurde sie zur Hälfte aus Mitteln des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“, zur anderen Hälfte von der Stadt. Schwere Geburt Die „Geburt“ des Trambahnhäusls sei für alle Beteiligten „schweißtreibend“ gewesen, gab Bernd Schreyer vom Sozialreferat zu. Man wollte nicht zuviel Geld in die Hand nehmen, aber trotzdem einige Möglichkeiten schaffen. Der Verein „Soziokultur“, den die Vornutzer des Trambahnhäusls gegründet hatten, hatte deshalb die Vorstellung einfach beim Baumarkt einzukaufen und mit diesem Material selbst Hand anzulegen. „Was aus sicherheitstechnischen Gründen einfach nicht geht“, erklärte Schreyer. Dieses beharrliche Konzept des Vereins und die Auseinandersetzung über ein Rauchverbot im Häusl führte schließlich zur Aufgabe des Vereins. MGS und Wohnforum sprangen ein. Sie hätten viel Kreativität ins Haus gesteckt, lobte Schreyer. „Ich bin glücklich, dass das entstanden ist, was entstanden ist.“ Helmut Steyrer sieht noch mehr Potential im neuen Bürgerschaftstreff. Werde der Ramersdorfer Ortskern nämlich wie geplant saniert, dann werde das Trambahnhäusl seine Insellage verlieren. Auf der Fläche vor dem Gebäude könnten sich dann noch ganz andere Möglichkeiten zur Nutzung ergeben. Carmen Ick-Dietl

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