Neue Hotels und Einkaufsmeile wirft viele Verkehrsfragen auf

BA Berg am Laim entzürnt

Zwei Hotelbauten und ein Kaufland-Vollsortimenter rund um das Areal an der Berg-am-Laim-Straße 125: die geplante Verdichtung im Stadtteil-Kerngebiet entlang einer vielbefahrenen Trasse beschäftigt die örtliche Lokalpolitik seit geraumer Zeit vor allem mit Blick auf das Themenfeld Verkehr (HALLO berichtete).

In der jüngsten Sitzung zeigte sich der Berg am Laimer Bezirksausschuss gar erzürnt: die Antwort der städtischen Lokalbaukommission (LBK) auf die Sorgen und Nöte des Stadtteils in puncto Verkehrszuwachs stuften die lokalen Politmandatare als „höchst ärgerlich“ ein. Man vermisst im BA längst die Berücksichtigung des Gesamt-Zusammenhangs, sprich der erwarteten Probleme im Zuge einer derart eklatanten Nachverdichtung. „Da werden reihenweise Einzelzahlenspiele veranstaltet“, so der Tenor im BA, „ohne dass auf den Gesamtumfang eines derartigen Planungskonstruktes eingegangen wird.“

Kopfschütteln

Die Hochrechnung von Bettenzahlen und Stellplatzschlüsseln, tatsächlichen Stellplatznachweisen und sogar Bettengrößen sowie prognostizierten Zimmerbelegungszahlen veranlasste nicht nur CSU-Fraktionssprecher Sascha Multerer zu heftigem Kopfschütteln: „Wichtig wäre die Klärung der Frage, ob man als BA noch in irgendeiner Form vonseiten der Stadt ernstgenommen wird“, wetterte der Christsoziale im Gremium. „Bei den Bettenberechnungen spätestens darf man sich wohl getrost verarscht fühlen.“ Schließlich gehe es nicht um Bettenzahlen und noch weniger um deren Größe, sondern um die künftig für Berg am Laim zu erwartende verkehrliche Belastung entlang der eigenen Hauptader.

Horrorszenario

Im BA malte man zur besseren Veranschaulichung schon einmal ein Horrorszenario an die Wand: „Lange Lieferlaster des Discounters und reihenweise anreisende Hotelgäste!“ Angesichts dieser Aussichten sei nicht ausschlaggebend, ob die Hotels wie vom BA hochgerechnet eine Gesamtkapazität von rund 730 Betten böten oder „nur“ 578 – wie die LBK am Rechenschieber ermittelt haben will. Multerer wie dem Berg am Laimer BA-Vorsitzenden Robert Kulzer (SPD) fehlte seitens der Stadtbehörde der „wichtige Blick aufs Ganze“. Kulzer ergänzte, ihn verwundere das LBK-Procedere nicht – schließlich müsse die dem Planungsreferat angeschlossene Behörde nur die Genehmigungsfähigkeit einzelner Projekte prüfen. „Ob das dann insgesamt ins Quartiersbild passt“, das sei nicht LBK-Ausrichtung. Kulzer sparte in diesem Zusammenhang mit Kritik an der Stadtpolitik insgesamt nicht: „Um das Thema Verkehr und dessen steten Zuwachs mogeln sich doch ohnehin alle herum!“

Brückenplanung eingestürzt?

Als „widersinnig“ wurde im Gremium auch das Procedere der Stadt bei einer weiteren flankierenden Projektmaßnahme beurteilt. Denn eine lange propagierte Brücke für Fußgänger und Radfahrer auf Höhe des potentiellen neuen Einkaufsmarktes über die Berg-am-Laim-Straße wird es wohl nicht geben. „Gepiesackt“ hätten städtische Stellen über ein Jahr lang den Discounter, diese Wegebeziehung auf eigene Kosten zu schaffen. Bei den Projektkosten, so Kulzer, habe die Stadt den Kaufland-Investor im Unklaren gelassen. „Mit der Begründung, ihr (Kaufland) müsst das Ganze ja zahlen“, habe die Stadt unterstrichen, dass ihr die Höhe der Investition „schlicht wurscht“ sei. Erst nach verschiedenen ergänzenden Gesprächen habe sich eine neue Linie entwickelt: danach sollte der Konzern eine Fix-Beteiligung bezahlen, die Stadt den Rest. Doch bei der anschließenden Planung der Brücke hätten die kommunalen Fachleute laut BA-Chef dann festgestellt, dass der Platz für ein solches Bauwerk vor Ort nicht ausreiche. „Die mogeln sich aus ihrer Verantwortung“, war im BA in Richtung Stadt zu vernehmen.

Der BA freilich gab sich kämpferisch: „wir brauchen eine machbare Variante für die Brücke“. Die Stadt wurde verdächtigt, nur eine maximale Größenentwicklung untersucht zu haben – und angesichts deren Unrealisierbarkeit die Pläne „passenderweise“ gleich ganz ad acta gelegt zu haben. „Da wird es noch reichlich weiteren Gesprächsbedarf geben“, zeigten sich Kulzer und die Kollegen im BA kämpferisch.

Querung für die Motorisierten?

Soll es im Umgriff von Kaufland und Hotels künftig eine weitere Querung der Berg-am-Laim-Straße geben? Bei dieser Frage gingen selbst BA-intern die Meinungen auseinander. Das fing innerfraktionell schon bei der Begrifflichkeit an. Während CSU-Mandatar Anton Spitlbauer sen. sich explizit für eine neue „Kreuzung“ in diesem Bereich aussprach, um Lieferverkehr und Hotelzufahrten wenigstens einigermaßen abwickeln zu können, widersprach sein Fraktionskollege Franz Weiß dem gewählten Terminus. „Nur eine Querung, nicht eine Vollkreuzung“ sei die richtige Begrifflichkeit. Doch egal ob Kreuzung oder Querung: die Forderung hatte neben Befürwortern auch ebenso zahlreiche Gegner. So würde eine beschleunigte Tramlinie 19 durch ein neues Querungsbauwerk wieder gebremst und damit auch der öffentliche Nahverkehr auf ohnehin schwierigem Terrain ausgebremst, so die Kreuzungs-/Querungsgegner.

Schließlich einigte sich das Gremium aber auf die eigene Forderung an die Stadt, die Machbarkeit einer solchen Querung prüfen zu lassen. Ansonsten will man auch mit Bürgermeisterin und Interims-OB Christine Strobl das Problem detailliert erörtern. Schließlich weise diese die notwendige Ortskenntnis auf, so der Seitenhieb des BA auf die städtischen Verkehrsplaner. 

Harald Hettich

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