Ein natürlicher Erfrierungstod?

Naturschützer erklärt Phänomen im Truderinger Wald in Waldperlach

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Für manchen Spaziergänger eine traurige Überraschung im Eis: Ein erforener Frosch im Kiesgruben-See im Truderinger Wald.

In den letzten Wochen hielt der Winter Einzug. Im Truderinger Wald war auch der See in der Kiesgrube gefroren. Spaziergänger entdeckten dort verendete Tiere, was einigen von ­ihnen Sorge bereitete.

Waldperlach – Es ist zwar nicht ganz so kalt, wie es von einem Winter in München zu erwarten ist, aber kalt genug, dass besonders kleinere Gewässer im Stadtgebiet in den vergangenen Wochen einfroren. So auch der kleine See, der in der Kiesgrube im Truderinger Wald entstanden ist. An eben diesem See fiel einem Spaziergänger etwas auf, was ihn und seine Enkel verwunderte.

Der Spaziergang habe einen „bitteren Beigeschmack“ gehabt, schrieb Bernhard Pfeiffer dem Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach. Denn er habe „tote Fische, Frösche, vielleicht seltene, geschützte Amphibien, eingefroren in einer Kiesgrube mit zu wenig Wasser“ im Truderinger Wald vorgefunden. Daraufhin wollte der Truderinger wissen, wer für das Gebiet genau zuständig sei und wie die Situation geändert werden könne. Schließlich könnten Jugendliche, die Frösche töten, auch nicht verurteilt werden, wenn beim Erfrierungstot der Tiere im See tatenlos zugesehen werde, heißt es in dem Schreiben an den Bezirksausschuss.

Sicherlich ist der Anblick von erfrorenen Tieren für viele zunächst einmal erschreckend. Gunda Wolff-Tinapp, Vorsitzende des Unterausschusses für Mobilität und Umwelt im Bezirksausschuss Berg am Laim, meldete dem Spaziergänger jedoch zurück, dass es sich im konkreten Fall um einen natürlichen Vorgang handele. Der Teich bestünde aus Grundwasser, was starken Schwankungen unterliege. Somit wäre das Durchfrieren des Gewässers zunächst nichts ungewöhnliches. „Auch wenn Frösche einfrieren“, heißt es in dem Rückschreiben an den besorgten Spaziergänger, „man kann einen natürlichen Teich im Wald nicht auffüllen“.

Das bestätigt auch Dr. Hans Sedlmeier vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV): „Ein Auffüllen solcher Teiche ist wahrscheinlich nicht möglich, da sie keine Dichtschicht besitzen und das Wasser durch den Kies sofort wieder abläuft“. Es wäre also nötig, wöchentlich Wasser nachzufüllen, um einen bestimmten Pegel halten zu können.

Grundsätzlich sei ein stark schwankender Wasserstand für kleine Gewässer wie den Teich in der Kiesgrube normal, so der Experte. Der Grundwasserstand sei in ganz Bayern in den letzten Jahren aufgrund der geringeren Niederschläge stark gesunken. „Ob das ‚normal‘ ist oder eine Folge des Klimawandels, kann man wohl nicht hundertprozentig sagen, es ist aber wahrscheinlich, dass der Klimawandel eine Rolle spielt“, sagt Sedl­meier. Dass Teich- und Seefrösche in vollständig zugefrorenen Teichen erfrieren, komme auch natürlicherweise vor. „Die Situation verschärft sich aber durch den Klimawandel und wegen der Überbauung vieler Feuchtgebiete.“

Im Fall der Fische, die der Spaziergänger erfroren vorfand, hat Sedlmeier eine ernüchternde Antwort: „In den kleinen, künstlichen Grundwasseraufschlüssen Münchens gibt es eigentlich keine Fische. Dass trotzdem welche vorhanden sind, liegt an unwissenden Aquarianern und Gartenteichbesitzern, die nicht mehr erwünschte Fische dort aussetzen.“ Darunter seien auch viele exotische Arten, die dann sogar eine Bedrohung für das natürliche Ökosystem vor Ort darstellen. „Viele dieser Fische und auch ausgesetzte Schildkröten kommen dann in zu kleinen zufrierenden Gewässern um.“ Schuld an dem Tod der Fische hat also nur derjenige, der sie in dem Teich ausgesetzt hat.

Der private Grundstückseigentümer hätte somit auch nicht viel tun können, um das Sterben der Fische und Amphibien zu verhindern. Die Fische wurden illegal ausgesetzt. Damit Amphibien im Schlamm von Tümpeln öfter überwintern können, ohne zu erfrieren, bleibt nur eine Maßnahme: Klimaschutz.

pg


Mehr über Ramersdorf-Perlach gibt es in der Übersicht.

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