Formel 1 im Wohnviertel

Nächtliche Rasereien bringen Berg am Laimer um den Schlaf

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Fest installierte Blitzer wünschen Anwohner der St.-Michael- und der Else-Rosenfeld-Straße, um Raser zu stoppen. Doch so weiter möchte der Bezirksausschuss Berg am Laim derzeit noch nicht gehen. Foto: HLV/Charly D

Heulende Motoren, quietschende Reifen, schneidender Benzingeruch in der Luft – Formel-1-Szenen wie diese spielen sich nicht nur beim Großen Preis von Monaco, sondern auch mitten in Berg am Laim ab.

Zwischen 20 und 6 Uhr morgens, gerade am Wochenende und bei schönem Wetter, verwandeln sich die St-Michael-Straße und die Else-Rosenfeld-Straße gerne in eine Rennstrecke. Da werden aus den zugelassenen 50 Stundenkilometern schnell 100 Stundenkilometer. Einem Anwohner an der St-Michael-Straße ist die nächtliche Raserei jetzt zu bunt geworden. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer zu den Hauptrennzeiten zwischen 20 Uhr und 6 Uhr soll übermütige Spaßfahrer ausbremsen. „Ich seh‘ nicht ein, wegen ein paar Rasern meine Lebensqualität aufs Spiel zu setzen. Wenn wir im Sommer das Fenster offen lassen, wachen wir nachts mit Herzklopfen auf. Bei 28 Grad schwitzen ist aber auch nicht besser“, klagt der Bürger. Noch schlimmer trifft es die kleine Tochter. Wird sie von der Raserei geweckt, liegt sie nachts oft bis zu eine Stunde wach. Seit vier Jahren lässt sich die junge Familie die frisierten Motoren schon gefallen. Und eine Besserung ist nicht in Sicht. „Letztes Jahr hat die Raserei ihren Höhepunkt erreicht.“ Auch einem Bewohner der Josephsburgstraße macht die Lärmbelästigung zu schaffen: „Ab 21.30 Uhr versteht man den Fernseher und manchmal sogar sein eigenes Wort nicht mehr. Das ist kein Zustand. Wir brauchen feste Blitzer.“

Feste Blitzer waren vor dem Berg am Laimer Bezirksausschuss zwar noch nicht im Gespräch, eine nächtliche Tempo-30-Zone zwischen 20 und 6 Uhr aber schon. Vorsitzender Robert Kulzer sieht im Bereich St-Michael-Straße und Else-Rosenfeld-Straße sogar Potenzial für eine ganztägige Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer: „Das ist ein sensibles Gebiet. Wir haben hier Kindergärten, das Alten- und Pflegeheim St. Michael und die psychiatrische Anstalt Soziale Dienste. Rasereien können wir hier also auch tagsüber nicht gebrauchen.“ Beschwerden von Bewohnern oder Pflegekräften hat es bislang aber noch keine gegeben, weder im Pflegeheim St. Michael noch in den Sozialen Diensten Berg am Laim. „Zu nächtlichen Rasern ist uns nichts bekannt. Eigentlich auch schwer vorstellbar. In der S-Kurve zwischen der St-Michael-Straße und der Else-Rosenfeld-Straße muss ohnehin abgebremst werden“, sagt eine Führungskraft an der St.-Michael-Pforte.

Ob und ab wann den Verkehrsrowdys künftig das Handwerk gelegt werden soll, wird derzeit noch im Kreisverwaltungsreferat (KVR) diskutiert. 

ak

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