Beschwerden gegen 24-Stunden-Tests

Nach Vielzahl an Einwänden: Stadtrat verschiebt Entscheidung zu U-Bahn-Betriebshof in Neuperlach

Zwei männliche und eine weibliche Person stehen grinsend vor einem Straßenschild und einer grünen Fläche, im Hintergrund sind Häuser zu sehen.
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Auf dem Grundstück zwischen Arnold-Sommerfeld-Straße und Lise-Meitner-Weg soll der neue U-Bahn-Betriebhof in Neuperlach entstehen – in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung.
  • VonRoman Wintz
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  • Iris Janda
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Die Reaktion auf die derzeitigen Pläne der MVG für den Bau des U-Bahn-Betriebshofs in Neuperlach sind eindeutig: Anwohner, Bürgermeister und Stadtteilpolitiker lehnen die momentanen Ausmaße des Baus ab.

Die MVG plant in Neuperlach Süd den Bau eines zweiten U-Bahn-Betriebshofes. Zwischen Arnold-Sommerfeld-Straße, Lise-Meitner-Weg und der südöstlich gelegenen Kleingartenanlage soll das Mammut-Projekt planmäßig bis Ende 2026 fertiggestellt werden. Mitte Mai stellte sie dazu in einer Online-Bürgerinformation konkrete Pläne vor (HALLO berichtete).

Die Bürgerinitiative „Saubere Luft für Waldperlach und Neubiberg“ und der Bezirks­ausschuss Perlach-Ramersdorf wehren sich gegen die aktuellen Ausmaße des Vorhabens, die erst bei der Vorstellung der Pläne bekannt wurden. „Wir erwarten von den politischen Entscheidungsträgern Abhilfe, keine kritiklose Übernahme der Planungen der MVG. Auch erwarten wir eine ehrlichen und transparenten Planungsdialog“, heißt es in einer Stellungnahme der Bürgerinitiative. In geringen Abständen zu dem geplanten Standort befinden sich Wohnanlagen, Kindergärten und Grünflächen zur Naherholung.

Ein industriell wirkendes Vorhaben dieser Größe und mit diesen Auswirkungen inmitten einer solchen Umgebung sei städtebauplanerisch fragwürdig, so die Gegenseite. Ein weiteres großes Problem sieht die Bürgerinitiative im Lärmschutz. „Die derzeitige Planung der MVG für den nicht eingehausten und nicht in die Landschaft eingebundenen Betriebshof mit Spitzen-Lärmemissionen durch quietschende Bremsen auf einem offen verlaufenden Abnahmegleis beeinträchtigt die Bevölkerung vor Ort massiv“, so die Initiative weiter.

Bei der Online-Bürgerinformation der MVG kam auf Nachfrage heraus, dass ein 24-Stunden-Betrieb an sieben Tagen die Woche geplant sei. Dadurch würden zwischen 22 und 6 Uhr bis zu 120 Bremstests durchgeführt werden. Die CSU-Fraktion im Stadtrat hat als Reaktion darauf beantragt, den Betrieb auf eine werktägliche Kernzeit von 7 bis 20 Uhr zu beschränken. „Die nächtlichen Bremstests stellen eine enorme Lärmbelästigung dar, die so nicht angekündigt waren, wir fordern deshalb: keine nächtlichen Bremstests und keine Abstriche beim Anwohnerschutz“, so Stadträtin Beatrix Burkhardt (CSU).

Die Einwände aus der Bürgerschaft sowie die eingegangenen Anträge, die der BA nach seiner Sitzung am 10. Juni an den Stadtrat weitergeleitet hat, scheinen erste Wirkung zu zeigen. So verschob der Stadtratsausschuss den Tagesordnungspunkt zur Änderung des Flächennutzungsplan in seiner Sitzung am 16. Juni auf den nächsten Sitzungstermin.

Als „Teilerfolg“ bezeichnet Oliver Hellmund, erster Sprecher der Bürgerinitiative, diese Verschiebung. Ihm sei wichtig, dass es der Initiative nicht um reinen Protest gehe, sondern um ein konstruktives Miteinander. Die Verschiebung des Tagesordnungspunkts sehe die Initiative als indirekte Aufforderung, gemeinsam mit der MVG und den verantwortlichen an einer für die Anwohner verträglichen Lösung zu arbeiten. Ziel sei ein Betriebshof, der sich in die Landschaft einfügt.

Vom bisherigen Vorgehen der MVG und den „Überraschungen“, wie etwa dem 24-Stunden-Testbetrieb, seien die Anwohner geschockt gewesen. Die Bürgerinitiative fordert nun proaktive Infoarbeit vonseiten der MVG. So wäre eine Idee, die betroffenen Anwohner zum bereits bestehenden U-Bahn-Betriebshof in Fröttmanning einzuladen und ihnen zu zeigen, wie ein Betriebsort aussieht und wie laut eine Bremsmessung eigentlich ist. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass das von der MVG komplett vernachlässigt wurde“, erklärt Hellmund. Es brauche vonseiten der Verkehrsgesellschaft auch Transparenz bei Messdaten zur Lärm- und Lichtemission sowie anderer Parameter.

Die Initiative stelle nicht den Standort an sich infrage. „Wir müssen realistisch bleiben und der Tatsache ins Auge sehen, dass sich München weiter vergrößert“, so Hellmund. Nun gehe es darum, das Maximum an Lebensqualität für die Anwohner und den maximal möglichen Erhalt der Landschaft herauszuholen. Innerhalb weniger Tage schlossen sich bereits über 1000 Bürger mit ihrer Unterschrift dem Vorhaben der Initiative an.

Diese bittet auch den BA-Vorsitzenden sowie Landrat Christoph Göbel und Neubibergs Bürgermeister Thomas Pardeller um Unterstützung. Letzterer bemängelt, dass die Gemeinde bislang nicht eingebunden wurde und auch von der Bürgerinformation nur aus Presse erfahren habe. Einige Änderungen, vor allem die Testzeiten während der Nacht, seien der Gemeinde neu gewesen. Erfreulich sei, dass mittlerweile auf die Gemeinde zugegangen wurde und ein gemeinsames Gespräch mit Vertretern der SMV und der Stadt München in Aussicht gestellt wurde.

„Keiner möchte die Notwendigkeit dieser wichtigen Infrastrukturmaßnahme infrage stellen“, betont Pardeller. „Aber man muss es kritisch beobachten und begleiten. Wir werden die Interessen der Anwohner auf Neubiberger Seite, was den Lärm betrifft, im Blick haben“, so der Rathauschef. Sobald die entsprechenden Gutachten der Gemeinde vorliegen, werde die Verwaltung diese prüfen. Es müsse darin nachgewiesen werden, dass für die Neubiberger vom dem Betriebshof keine unzumutbare Lärmbelästigung ausgehe.

Iris Janda / Roman Wintz

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