Ohne echten Wahlkampf in die Stichwahl

Münchner Kommunalwahl: Überraschungen und interessante Mehrheiten 

Dieter Reiter und Kristina Frank stellen sich der Stichwahl am 29. März (Briefwahl).
+
Dieter Reiter und Kristina Frank stellen sich der Stichwahl am 29. März (Briefwahl).

Die Verbreitung des Corona­virus stoppte den öffentlichen Wahlkampf in den letzten Wochen vor der Entscheidung. Die Ergebnisse waren teilweise überraschend.

München – Es lässt sich ausgiebig und kontrovers darüber streiten, ob es richtig war, die Kommunalwahl wie geplant am vergangenen Sonntag durchzuziehen. Die Wahlbeteiligung war höher als vor sechs Jahren, aber ein echter Wahlkampfendspurt fiel dem Coronavirus zum Opfer. Die Ergebnisse waren dann auch überraschend. Zumindest teilweise.

Kristina Frank tritt in der Stichwahl für die CSU an.

„Das ist nicht das Wunschergebnis, aber ein sehr gutes Ergebnis“, sagte Dieter Reiter (SPD), der seine Wiederwahl im ersten Durchgang um rund zwei Prozentpunkte verfehlte. Er ist damit der erste amtierende Münchner Oberbürgermeister seit Erich Kiesl vor 36 Jahren, der sich einer Stichwahl stellen muss. Herausforderin wird am 29. März Kristina Frank (CSU) sein, die in den Umfragen vor der Wahl zurückgelegen war. „Ich bin bereit, große Verantwortung zu übernehmen. München braucht mehr denn je einen klaren Kurs, um in diesen schwierigen Zeiten gestärkt hervorzugehen“, sagte Frank, nachdem ihr zweiter Platz vor der höher gehandelten Katrin Habenschaden (Grüne) feststand.

Die Mehrheiten im Stadtrat zeichnen unterdessen ein anderes Bild. Hier stellen die Grünen künftig die stärkste Fraktion, die bisherige Koalition aus SPD und CSU hat dagegen ihre Mehrheit verloren. Wer sich also auch bei der Stichwahl zwischen Reiter und Frank durchsetzt, kann sich nicht auf eine reine Fortsetzung der bestehenden Verhältnisse einrichten.

Enttäuscht, aber gefasst reagierte Katrin Habenschaden auf das Ende ihrer Hoffnungen, erste grüne Bürgermeisterin Münchens werden zu können. „Wir haben gewusst, dass es knapp wird. Aber wie der Wahlabend dann verlaufen ist – das war schon schwierig und nicht schön“, sagte sie: „Als dann aber anschließend die Stadtrats-Ergebnisse hereinkamen, änderte sich die Stimmung zum Guten.“ Eine Wahlempfehlung für die Stichwahl zwischen Dieter Reiter und Kristina Frank will Habenschaden nicht abgeben. „Da müssen wir erstmal die genaue Zusammensetzung des Stadtrats abwarten und uns in den entsprechenden Gremien abstimmen“, sagte sie gegenüber HALLO. In Bezug auf Corona will sie das machen, was auf alle Bürger zukommt: „Wir müssen als Stadtgesellschaft jetzt einfach Dinge befolgen.“

Eine letzte Wahlkampfoffensive vor der Stichwahl wird es übrigens nicht geben. Wenn die Bürger zu Hause bleiben sollen, haben öffentliche Reden und Veranstaltungen keinen Sinn. Und in Bezug auf Corona haben längst andere, höhere Instanzen das Sagen, nachdem Markus Söder in Bayern den Katastrophenfall ausrief.

mh

Weitere Nachrichten aus der Region finden Sie in unserer Übersicht.

Besuchen Sie HALLO auch auf Facebook.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Bebauungsplan an Truderinger Straße in Berg am Laim gebilligt
Bebauungsplan an Truderinger Straße in Berg am Laim gebilligt
Nutzerbedarf für Ramersdorfer Bürgerhaus gefordert
Nutzerbedarf für Ramersdorfer Bürgerhaus gefordert
U-Bahn-Betriebshof-Pläne für Neuperlach liegen aus
U-Bahn-Betriebshof-Pläne für Neuperlach liegen aus

Kommentare