Recycling auch in München möglich machen

Bayernpartei fordert im Stadtrat die Gelbe Tonne für Münchner Haushalte

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Blau, braun und schwarz. Doch die gelbe Tonne rechts im Hintergrund steht Münchner nicht zur Verfügung.

Seinen Müll einfach in der Tonne vor der Haustür entsorgen: Das ist für die meisten selbstverständlich. Nicht so für Münchner, die ihr Plastik los werden wollen. Die Bayernpartei hat deshalb eine Forderung.

München – Papier in die blaue Tonne, Hausmüll in die schwarze, Biomüll in die braune und Plastik? Das muss zum nächsten Wertstoffhof oder Container gebracht werden. Und der kann, je nach Wohnort in der Landeshaupstadt, schonmal mehrere Kilometer entfernt sein. Das führt dazu, dass Münchner ihren Plastikmüll teilweise mit dem Auto wegbringen oder erst gar nicht richtig enstorgen, sondern einfach in eine andere Tonne, vor allem in den Restmüll, geben. Die Bayernpartei will dem nun mit einem Antrag im Stadtrat ein Ende setzen: Den „gelben Sack“ und die „gelbe Tonne“ soll es auch in München geben. Die LAndeshauptsatdt sei eine „unrühmliche Ausnahme“ in Deutschland, was das System der Wertstoff-Abholung betreffe, heißt es in dem Antrag. Und denkt auch weiter. „Durch die Abschaffung der Wertstoff-Inseln könnte ebenso wertvoller Platz im öffentlichen Raum gewonnen werden.“

Außerdem würden die Verbraucher in München seit Jahren benachteiligt, argumentiert Initiator Mario Schmidbauer in dem Antrag, auch weil Münchner für die Verpackungsentsorgung bezahlen müssten, ohne diese in Anspruch nehmen zu können. Einerseits müssten Münchner die Entsorgung des Hausmülls durch die Landeshaupstadt München zahlen. „Industrie und Handel zahlen aktuell Lizenzgebühren für die Verwendung von Verpackungen an private Entsorgungsunternehmen (z.B. Grüner Punkt). Diese Gebühren werden selbstverständlich an die Verbraucher weitergegeben. Mit den Einnahmen aus den Lizenzen finanzieren die Firmen die Entsorgung und das Recycling der Verpackungen“, heißt es in dem Antrag. Da die Münchner so doppelt für die Entsorgung von Verpackungsmüll zahlen müssten und der Müll dafür nicht einmal abgeholt werde, müsse diese ungerechte Doppelbelastung aufgelöst werden.

In die gelbe Tonne kommen beispielsweise Plastikbecher, etwa von Joghurt oder Frischkäse, Tetra Packs, Kunststoffflaschen wie die für Spül- oder Waschmittel, Tiefkühlverpackungen und Netze, in denen Zitrusfrüchte, Kartoffeln oder Zwiebeln verkauft werden. Nur, wenn diese Kunststoffe getrennt werden, können sie recycelt werden. Wird Plastik jedoch in den Restmüll gegeben, ist das Recycling ausgeschlossen, da alle Abfälle, die in die schwarze Tonne kommen, verbrannt werden. Nicht in die gelbe Tonne beziehungsweise den gelben Sack dürfen etwa Kinderspielzeuge, Plastikmöbel, Gießkannen oder Blumenkästen. Diese gehören zum Sperrmüll auf den Wertstoffhof.

Dass das Modell in München nicht allzugut zu funktionieren scheint, zeigt sich an dem Anteil des gesammelten Plastikmülls in der Landeshauptstadt im Vergleich zu Bayern. Im Freistaat fallen etwa 20 Kilogramm Plastikmüll pro Person im Jahr an, während es im letzten Jahr nur fünf Kilogramm pro Kopf in München waren, wie die Abfallwirtschaftsbetriebe gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärten. Dieser Unterschied liegt wahrscheinlich eher nicht darin begründet, dass die Münchner weniger Plastikmüll produzieren, als die restlichen Einwohner Bayerns.

Die Standorte der Wertstoffinseln in Berg am Laim sind unter https://www.awm-muenchen.de/abfallentsorgung/abgabestellen-services/wertstoffinseln/berg-am-laim.html zu finden. Die Werstoffinnseln in Ramersdorf-Perlach können unter https://www.awm-muenchen.de/abfallentsorgung/abgabestellen-services/wertstoffinseln/ramersdorf-perlach.html eingesehen werden.

Pia Getzin

Kommentar: Es geht immer noch besser: Warum Recycling nicht das wichtigste Müll-Thema ist

Recycling ist eine tolle Sache: Anstatt den Müll einfach wegzuwerfen, kann man etwas Neues daraus machen. Allerdings stellen sich viele das System dann doch wirkungsvoller vor, als es ist: In Deutschland werden laut dem aktuellen Plastikatlas des Bundes für Umwelt und Naturschutz gerade einmal 15,6 Prozent des entsorgten Plastikmülls zu Rezyklat verarbeitet, dass dann zur Herstellung von neuen Kunststoffprodukten verwendet werden kann. Dabei ist die Quote in Deutschland noch relativ gut. Global werden nur 14 Prozent der alten Plastikverpackungen wieder zu einem Kunststoff. 

Diese Zahlen zeigen, dass es etwas wichtigeres und effektiveres gibt als Recycling: Müllvermeidung. Obst und Gemüse ist in den meisten Supermärkten auch unverpackt zu haben und wer seine eigenen Behälter mitnimmt, bekommt auch an der Theke plastikfreie Nahrungsmittel. Auch wenn Lebensmittel ohne Verpackung teilweise teurer sind als mit, lohnt sich der Verzicht auf Plastik. Denn den Preis dafür zahlen wir ansonsten an anderer Stelle. Und achja: Plastikstrohhalme sind out!

Pia Getzin

Mehr über München und den Münchner Osten gibt es in derStadtteilübersicht.

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