„Man sieht nur mit dem Herzen gut…

Viel Arbeit und Zeit für die Menschen – Gerhard Krug ist mit Feuereifer Seniorenbeirat. Foto: Harald Hettich

„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar!“ Mit viel Herz und gemäß seines Lieblingsspruchs aus der Feder des französischen Autors Antoine de Saint Exupéry geht Gerhard Krug seine wichtige Aufgabe an. Seit März letzten Jahres fungiert der 70jährige als Seniorenbeirat der Landeshauptstadt für den Stadtbezirk Berg am Laim.

Als Nachfolger der beiden SPD-Mitglieder Joseph Brandstetter und Josef Koch fungiert damit wieder einmal ein Christsozialer als örtlicher Interessensvertreter für die älteren Menschen im Viertel. Trotz unterschiedlicher parteilicher Ausrichtung attestiert Krug seinen Vorgängern eine „sehr gute Arbeit“ – die er nun in den kommenden Jahren fortsetzen und auch mit einer eigenen Nuancierung ausprägen. „Zu tun gibt es im Stadtteil genug“, meint Krug und zeigt dem HALLO-Reporter beim Besuch in seinem Büro in den Räumen des ASZ Berg am Laim einige prall gefüllte Aktenordner mit aktueller Korrespondenz. Der gelernte Mechaniker und spätere Versicherungsfachmann in leitender Funktion ist ohnehin ein in Sachen Ehrenämter versierter Streiter. 18 Jahre weilte der gebürtige Heidelberger ununterbrochen für die CSU im Berg am Laimer Bezirksausschuss, fungiert seit 26 Jahren zude als Regionalverbandsvorsitzender im Bund der Steuerzahler und hat in 36 Jahren der höchst aktiven Mitarbeit und als Vorstandsmitglied im Förderverein der Sozialstation Berg am Laim + Trudering e.V echte Akzente in Berg am Laim und der Region gesetzt. Mit der Arbeit als Seniorenbeirat betrat Krug im letzten nochmals „Neuland“ – wie er betont. Doch längst hat er sich den Herausforderungen gestellt und eigene Spuren gelegt. Einblicke „Es klemmt besonders im Sozialen an vielen Ecken, auch Berg am Laim ist ein Viertel im Wandel – gerade für Senioren geht das manchmal auch viel zu schnell“, betont der höchst aktive „Siebziger“. Stetig steiende Mieten, die gerade von immer mehr Älteren mit niedrigen Renten oft nicht mehr gestemmt werden können, soziales und finanzielles Abseits nach Krankheit, teure Medikamente und das gerade für Senioren oft schwierige Antragsverfahren für finanzielle Zuschussleistungen – Krug hat in seiner Tätigkeit viele Problemfelder zu beackern. Er empfängt alte Menschen nicht nur in seinem Büro – er begleitet sie auch zu den unterschiedlichsten Terminen im Sozialbürgerhaus, dechiffriert diffiziles Amtsdeutsch, wenn Menschen mit der Post vom Amt nichts anfangen können oder hält einfach mal die Hand einer sorgengeplagten älteren Dame. „Am Anfang war ich nicht begeistert über diese zusätzliche Aufgabe“, räumt er freimütig ein. „Doch längst hat mich die Energie gepackt, durch eigenen Einsatz wenigstens einige Dinge zu verbessern.“ Dabei spart Krug auch mit Kritik nicht: „Die Sozialbürgerhäuser leisten super Arbeit“, schmunzelt er. „Doch die wirklichen Probleme der alten Leute in unserer Gesellschaft werden dort nicht gelöst.“ Beispiele gefällig? „Viele Senioren sitzen falschen Verträgen auf, wissen nicht mehr, wie sie angesichts einer immer weiter auseinander klaffenden Schere aus steigenden Ausgaben und sinkenden Realeinkommen klar kommen sollen – im Amt sind sie dann vor allem eine Nummer, da siegt allzu oft die Bürokratie über die konkrete und sinnvolle Einzelfallhilfe“, legt Krug den Finger in die Wunde. Man brauche „sinnvolle Strategien“ , nicht oberflächliche Patentrezepte. Krug wälzt während des Gesprächs längst wieder in seinen dicken Ordnern. „Es ist auch ein Unding, dass viele ältere Menschen aus finanziellen Problemen nicht am kulturellen Leben teilhaben können – die vereinsamen zuhause vor der Glotze“, unterstreicht er. Altersarmut sei ein Damoklesschwert – vor allem, wenn man auf die zunehmende Alterung der Gesellschaft insgesamt blicke. Und dann kommt ein harter Satz: „Für Berg am Laim sehe ich schwarz, wenn die Entwicklung derart weitergeht!“ Wenn etwa selbst Sozialwohnungen für die darin Lebenden nicht mehr zu bezahlen seien. Täglich Brot in der Alltagsarbeit für einen wie Krug und seine Kollegen im Seniorenbeirat. Projekte Positiv immerhin sei die gute Vernetzung im Stadtteil. „Der Seniorenbeirat ist hier gut integriert in die Arbeit des Bezirksausschusses und in das Vereinsleben“, unterstreicht der je zweifache Vater und Großvater. Doch es drängt einen wie Krug nach weiteren Nachbesserungen. „Wir brauchen auch in Berg am Laim einen eigenen Seniorenstadtteilplan mit übersichtlicher Gestaltung und den wichtigsten Anlaufstellen für Senioren – viele wissen gar nicht, welche Einrichtungen es im Viertel gibt“, so Krug. Derzeit laufe die Planungsphase – auch an einer partiellen Finanzierung durch Werbeerlöse arbeite er. Ebenso will er vermehrt mit Flyern und Wurfpost agieren, wichtige Veranstaltungen „erfahrbar machen“. Dazu sollen künftig öffentliche Sitzungen des örtlichen Seniorenbeirates und seiner Mitstreiter stattfinden – „ich will diese wichtige Arbeit noch transparenter und plastischer für die Leute machen“, umreißt Krug seine Intention. „Herzlich eingeladen“ seien alle interessierten Senioren etwa zur nächsten dieser öffentlichen Begegnungen am 15. Februar (Beginn 13 Uhr, Berg-am-Laim-Straße 141). Krug versteht sein Wirken – zu dem auch die regelmäßigen stadtweiten Zusammenkünfte des Münchner Seniorenbeirates in der Burgstraße gehören – als eine Art „geistiger Fulltimejob“. Für seine Hobbies vom Reisen in die geliebten Weinregionen bis zum Lesen unterschiedlichster Literatur bleibt dem wackeren Streiter für die Interessen der älteren Bevölkerungsschicht deshalb erst einmal weit weniger Zeit. Doch Krug bereut nichts – mit dem Herzen sieht er gut. Harald Hettich

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