Malteser-Einrichtung für Menschen mit Demenz im Anfangsstadium

Besuch bei Demenz-Tagesstätte

Elke Rieger leitet die Demenz-Tagesstätte der Malteser in Berg am Laim. Dieses Jahr hat sie sich zur Silviahemmet-Trainerin unter anderem in Schweden ausbilden lassen. 
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Elke Rieger leitet die Demenz-Tagesstätte der Malteser in Berg am Laim. Dieses Jahr hat sie sich zur Silviahemmet-Trainerin unter anderem in Schweden ausbilden lassen. 

Pro Tag besuchen acht Menschen, die an Demenz im Anfangstadium leiden, die Malteser Demenz-Tagesstätte „MalTa“ in Berg am Laim und verbringen betreut von Einrichtungsleiterin Elke Rieger und ihrem Team in Gemeinschaft sechs Stunden.

Sind alle Gäste da, kann der Tag mit einem gemeinsamen langen Frühstück beginnen. Der große Esstisch wird gedeckt. Wer will und kann, hilft mit. Acht Gäste sind es pro Tag, die sechs Stunden lang die Demenz-Tagesstätte „MalTa“ an der Michaeliburgstraße in Berg am Laim besuchen. 2013 eröffnete der Malteser Hilfsdienst diese Tagesstätte für an Demenz erkrankte Menschen im Anfangsstadium, die seitdem das Untergeschoss eines Mehrfamilienhauses mitten im Wohngebiet belegt. „Wir fingen mit einem Tag pro Woche an, nach drei Monaten waren es schon drei Tage, mittlerweile sind wir Montag bis Freitag für unsere Gäste da“, erzählt Elke Rieger, die Einrichtungsleiterin. Sie spricht von Gästen, nicht von Patienten, das fällt gleich auf. Denn: Die Betroffenen sollen sich in der Tagesstätte wohlfühlen und gerne kommen.

Glückliche Gäste, zufriedene Angehörige

Fünf Betreuungskräfte kümmern sich täglich um acht erkrankte Menschen. „Das mag jetzt hochtrabend klingen: Doch unsere Gäste sind glücklich und zufrieden, aber auch müde, wenn sie nach einem Tag bei uns abgeholt werden“, so Rieger. Und die Angehörigen? „Die nutzen die Zeit für sich.“ Sie können ihrem Beruf nachgehen, aber auch einfach mal durchatmen und Kraft tanken. 69 Euro kostet der Besuch der Tagesstätte pro Tag, die Kosten können auf Antrag von der Pflegekasse erstattet werden. Ähnlich wie in einer Tages- stätte für Kleinkinder bestimmen Rituale den gut strukturierten Tagesablauf: Beim Ankommen ist stets Zeit für ein kurzes Gespräch. Betreuer und Angehörige tauschen sich aus: Wie war die Nacht? Wie geht es dem Betroffenen? „Das ist ganz wichtig“, so Rieger. „Bei Demenz weiß man nie, wo sich der Erkrankte heute befindet. Er kann eine andere Denkweise als am Tag zuvor haben, darauf müssen wir uns einstellen.“ Doch da sie nur eine kleine Einrichtung sind, können sie individuell auf ihre Gäste eingehen. „Bei uns gibt es kein verpflichtendes Singen und Spielen im Kollektiv“, erklärt Rieger. Jeder darf der Beschäftigung nachgehen, die ihm persönlich Freude bereitet. Der eine kümmert sich im Garten um die Pflanzen im Hochbeet, ein anderer malt und bastelt vielleicht gerne — zum Beispiel die Einladungskarten fürs anstehende Sommerfest. „Es sind alltagspraktische Dinge, die wir sechs Stunden lang gemeinsam erledigen — alles mit einem Gang zurück.“ So haben sie auch niemanden, der sie bekocht. Betreuer und Gäste bereiten sich selbst ihr Mittagessen zu. Es gibt eine große Wohnküche mit Kücheninsel, an der mehrere gleichzeitig werkeln können: Kartoffeln schälen, Salat waschen, Äpfel schneiden.

Rot ist die dominierende Farbe

Dabei fällt auf: Die meisten Gegenstände in der Küche sind rot. Ob das die Kaffeemaschine oder der Mülleimer sind. Und um den weißen Lichtschalter herum ist ein roter Rahmen an die Wand gemalt, ebenso sind die Toilettenbrille und die Seife rot. Elke Rieger kann das erklären: „Rot ist eine Signalfarbe und bleibt Demenzpatienten am längsten in Erinnerung, die Farbe ist ihnen vertraut.“ Weiß auf weiß dagegen könnten sie nicht erkennen. Dank des roten Rahmens finden sie den Lichtschalter. Der helle Kartoffelbrei rutscht nicht so leicht vom Teller, da es rot-weißes Geschirr gibt: um den weißen Tellerboden ist ein roter Rand. Vor der Eingangstüre wiederum hängt ein großer, bewusst weißer Vorhang. Zieht man an diesem, klingelt oben ein kleines Glöckchen. „Ein weißer Vorhang vor der weißen Wand, den können unsere Gäste nur schwer ausmachen“, so Rieger. Offiziell dürften sie ihre Gäste nicht einsperren, aber wenn sie das Glöckchen hören, sind die Betreuer sofort zur Stelle. Sie seien keine Pflege-Einrichtung, betont die Leiterin der Tagesstätte. „Wir haben auch keine Betten für den Mittagsschlaf. Wer ein Nickerchen machen will, dem stehen beispielsweise die Ohrensessel im Wohnzimmer zur Verfügung. Und ein Herr legt sich gerne bei mir im Büro auf die Couch.“ Diese ist natürlich rot.

Bevor sie 2013 die Leitung der „MalTa“-Tagesstätte in Berg am Laim übernahm, war die gelernte Altenpflegerin Elke Rieger Pflegedienstleiterin, ebenfalls in einer Malteser Einrichtung. „Doch mit meinem Wunsch, wieder mehr am Menschen zu arbeiten, kam das Angebot, die neue Tagesstätte für Menschen mit beginnender Demenz zu leiten“, erzählt sie. Bei ihrem Umgang mit Demenzpatienten orientieren sich die Malteser an der Philosophie Silviahemmet. Diese geht auf die schwedische Königin Silvia zurück, die nach der Erkrankung ihrer eigenen Mutter 1996 diese Initiative gründete, um das Thema in der Gesellschaft präsenter zu machen. Das Ziel der Königin: Betroffenen Lebensqualität schenken und Angehörige entlasten. Genau das verfolgt die Berg am Laimer Tagesstätte. Kürzlich verbrachte die Münchnerin Elke Rieger daher drei Wochen lang in Köln und eine Woche lang in Schweden, um dort zur Silviahemmet-Trainerin ausgebildet zu werden. „Die Ausbildung hat mich nochmals in meiner Arbeit gefestigt, ich habe noch mehr medizinische Hintergründe über die Krankheit erfahren und wertvolle Informationen zur Schulung von Angehörigen erhalten“, sagt Rieger. Die schwedische Königin persönlich hat die Münchner Einrichtungsleiterin auch kennengelernt. Allerdings musste sie dafür nicht nach Schweden reisen. Im November vergangenen Jahres hatte Königin Silvia die Berg am Laimer Demenz-Tagesstätte besucht und sich Zeit für Gespräche mit Gästen und Betreuern genommen. Ein roter Teppich für den royalen Besuch war natürlich ausgerollt. Über diesen schreiten die Gäste der Demenz-Tagesstätte allerdings Tag für Tag. Er liegt im Treppenhaus des Wohnhauses an der Michaeliburgstraße. „Der Boden hier ist schwarz-gemustert. Bei dieser Farbe haben unsere Gäste das Gefühl, dass sich ein Loch auftue, also haben wir rote Teppiche ausgelegt“, sagt Rieger. Es sind diese kleinen Hilfsmittel, die an Demenz erkrankten Menschen den Alltag erleichtern. Man muss sie als Betreuer oder Angehörige nur kennen, respektieren und einzusetzen wissen.

Verena Rudolf

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