Vom Luftbild zur Landkarte

Die Vermessung der Welt

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„Unser Viertel von oben!“ Zwei Besucherinnen in der Ramersdorfer „Luftbilder“-Ausstellung.

Ein Leben ohne Landkarten ist nicht vorstellbar. Wer ist noch nicht mit dem Finger über den Atlas gefahren oder hat sich überlegt, wohin die nächste Urlaubsreise geht. Was aber nur die wenigsten wissen: Wie entsteht eigentlich so eine Landkarte?

Da ist der Kirchturm, das die Schule, aber wo ist denn nun mein Haus? Luftbilder sind ein bisschen wie Suchbilder. Ausprobieren kann man das gerade in der Ausstellung „Luftbilder von Ramersdorf“ des örtlichen Stadtteilgeschichtskreises in der Stadtbibliothek an der Aribonenstraße. Man sieht auf den Fotos nicht nur Straßen und Gebäude, man sieht auch Fahrzeuge, Menschen, Tiere, Baustellen, Bäume und vieles mehr. Da ist die Orientierung gar nicht so leicht. Wie viel einfacher geht das doch mit einer Landkarte oder einem Stadtplan!

Aber wie entsteht so eine Karte eigentlich? Tatsächlich sind Luftbilder bis heute die weltweit verbreitetsten Ausgangspunkte für Landkarten. Satellitenbilder haben zwar den Vorteil, dass sie ein großes Gebiet abbilden und rasch verfügbar sind. Doch die Auflösung ist für topographische Karten – wie beispielsweise Wanderkarten – nicht gut genug. Mit Hilfe der sogenannten Photogrammetrie (zu deutsch Bildmessung) werden die Luftbilder ausgemessen und so jedes für die Karte benötigte Objekt in seiner Lage festgestellt. Denn jeder Punkt auf der Erdoberfläche hat eine eindeutige Lage, also einen geografischen Längen- und Breitengrad, sowie eine Meereshöhe.

Voraussetzung für einwandfreie Aufnahmen aus der Vogelperspektive ist ein wolkenloser Himmel ohne Dunst. Es sollten auch die Bäume alle Blätter tragen, um Waldränder eindeutig erkennen zu können. Ein senkrechtes Luftbild entspricht auf den ersten Blick recht gut einer Karte. Aber es ist leicht verzerrt. Ein Beispiel: Legt man mehrere Klötze nebeneinander und blickt zentral auf einen, dann sieht man von dem rechts daneben auch noch die linke Seite. Das Ganze muss also entzerrt werden. Danach hat man ein sogenanntes Orthofoto. 

Außerdem geht’s um einen einheitlichen Maßstab. Den hat man beim Luftbild wegen der Unebenheiten der Geländeoberfläche nicht. Alles, was höher und damit näher zur Kamera liegt, wird größer abgebildet. Bei einem Parallelfoto (daher auch der Begriff „ortho“) sieht man jedoch immer nur den Grundriss.

Auf den Luftbildern erkennt man viel, aber doch nicht alles. Es wird also noch auf der Erde vor Ort nachgeschaut, ob es beispielsweise Unterführungen oder Brücken gibt, ob da Treppen oder provisorische Bauten vorhanden sind. Stadtpläne und Landkarten können gar nicht fehlerfrei sein. Dazu müssten alle Objekte kontrolliert werden und die Landschaft dürfte sich nicht verändern. Die genaueste Karte hätte einen Maßstab von 1:1. Also jedes Objekt in seiner wirklichen Ausdehnung an seinem wahren Standort. Aber so viel Papier kann und will niemand rumschleppen. Also braucht man ein Verkleinerungsverhältnis, das für den gewünschten Zweck noch genügend Details zeigt. Doch je kleiner der Maßstab, desto größer die Probleme. In einer Karte 1:100000 ist das gleiche Gebiet 16mal winziger abgebildet als im Maßstab 1:25000. Da gibt es Objekte, die zwar topografisch interessant sind, aber wegen ihrer Kleinheit einfach von der Karte verschwinden. Dafür verwendet man dann genormte Zeichen, sogenannte Signaturen. Für Kategorien wie Burgruine, Denkmal oder Kirche.

Ein guter Maßstab ist 1:25000, da muss am wenigsten „generalisiert“, also zusammengefasst und weggelassen werden. Anfänger im Kartenlesen haben hier die wenigsten Probleme, denn mit den vielen Details kann sich super orientieren.

Carmen Ick-Dietl

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