Zwischen Freiheit und Verantwortung

Lesung des Romans „Platanenallee“ in Neuperlach

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Am Donnerstag, 9. Mai, um 19.30 Uhr liest die Perlacherin Nicci Schmieder im Gemeindesaal der Lätare Kirche an der Quiddestraße 15 in Neuperlach aus ihrem Roman „Platanen- allee“.

Eigentlich behandelt ihr Debütroman „Platanen- allee“ eine fiktive Geschichte. Dennoch hat die Perlacherin Nicci Schmieder viel Persönliches darin verarbeitet. Das Thema des Romans — ein Ost-West-Konflikt — ist dabei hochaktuell.

Die Platane ist ein Baum, ähnlich einem Ahorn. Sie ist typisch für die Gegend in Brandenburg, in der Nicci Schmieders Familien- roman „Platanenallee“ spielt. In diesem reist die 30-jährige Lena kurz nach dem Mauerfall von Wien nach Brandenburg. Dort lebt ihre Großmutter, der sie noch nie zuvor begegnet ist. In der Abgeschiedenheit des alten Hauses am Scharmützelsee will Lena ihren inneren Frieden wiederfinden und wird mit der Vergangenheit ihrer Eltern und Großeltern konfrontiert. Sie muss erkennen, dass ihre eigene Lebenskrise eng mit der Geschichte ihrer Familie verknüpft ist.

In diesem Roman prallen nicht nur zwei Generationen aufeinander, sondern die unterschiedlichen gesellschaftlichen Prägungen von Ost und West. Schmieder ist in Magdeburg geboren und aufgewachsen. Ihre Kindheitssommer hat sie in dem Haus ihrer Großmutter am Scharmützelsee verbracht. Als sie 15 war, fiel die Mauer. „Das hat uns jungen Menschen ungeahnte Möglichkeiten eröffnet“, sagt die 43-Jährige, die heute in Perlach lebt. Für die ältere Generation sei es allerdings schwierig gewesen, sich umzustellen. Und dabei waren sie es, die für die Freiheit der Jüngeren gekämpft haben. Trotzdem standen viele plötzlich vor dem Nichts, hatten ihre Arbeit verloren — und was vielleicht noch schlimmer war, auch ihre Identität.

Im Roman zeigt sich das am Konflikt zwischen Lena und ihrer Großmutter. Die alte Frau hat ihr ganzes Leben dem Grundstück am See gewidmet, erst hat sie es im zweiten Weltkrieg vor der Russischen Besatzung verteidigt, dann vor der Enteignung im Sozialismus. Lena hingegen hat keinerlei Bezug zu dem Haus und kann aufgrund ihrer westlichen Werte zunächst keine Verbindung zu dem alten Gemäuer aufbauen, das in ihren Augen eher eine Last ist. „Jeder hat eben irgendwo seine Heimat und diesen Wurzeln entkommt man nicht“, sagt Schmieder. Hier stellt sich aber die Frage: „Welche Verantwortung hat man eigentlich für sein Erbe?“

„Mangel prägt einen sein Leben lang“ 

Obwohl in dem Roman eine fiktive Geschichte behandelt wird, gibt es reale Bezüge zur Autorin. Im Osten geboren, im Westen erwachsen geworden, trägt sie beide Seiten in sich. Das zeigt sich auch daran, dass sie persönlich nicht verschwenderisch ist. „Mangel prägt einen. Das trägt man sein ganzes Leben lang mit sich herum. Und dabei hat uns das nicht gerade schlecht getan“, glaubt sie. Zu wissen, dass man eben nicht alles haben kann, lässt einen die Dinge mehr schätzen.

Freiheit versus Verantwortung und der Umgang mit Mangel. Das sind Themen, die gerade jetzt durch Schüleraktionen wie „Fridays for Future“ und Volksbegehren zur Bienenrettung aktuell sind. Die Gesellschaft muss umdenken und lernen, wie sie ihre Ressourcen schont. Aber kann eine kapitalistisch geprägte Gesellschaft das? „Wir haben noch gelernt, mit wenig auszukommen und vor allem, nichts zu verschwenden“, sagt Schmieder. Dennoch sagt sie: „Die Wende kam zum rechten Zeitpunkt, denn ich war in einem Alter, in dem ich die Weichen für mein Leben noch stellen konnte.“ Aber mit der Freiheit fiel auch die Sicherheit weg. Schmieder erinnert sich, dass sie als Berufseinsteigerin große Angst hatte, arbeitslos zu werden. Darum entschied sie sich für eine Ausbildung zur Hotelkauffrau, statt zum Theater zu gehen. Heute arbeitet sie in einem Versicherungsunternehmen. Ihre Liebe zur Kunst lebt sie nun im Schreiben von Romanen aus. 15 Jahre sind von der ersten Idee bis zur Fertigstellung von „Platanenallee“ entstanden. Mit ihrem zweiten Buch will sie sich nicht mehr so viel Zeit lassen.

Lydia Wünsch

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