Wo Lernen ein Privileg ist

Mit 1520 Euro hat das Michaeli-Gymnasium die zusätzliche Bestuhlung in der Schule „Saint Vincent de Paul“ unterstützt. Foto: privat

Ägyptens Hauptstadt Kairo hat viele Gesichter. Zu den bekanntesten zählen die Pyramiden von Gizeh – zu den unbekannten Kairos Müllstädte.

Tausende von Müllsammlern leben in Kairo vom Müll. Meist sind es Christen, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben in die Hauptstadt gezogen sind. Oft aber bleibt ihnen aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit nur der Ausweg sich das Recht zum Müllsammeln zu erkaufen. Der gesammelte Müll wird in Müllstädten sortiert, der Restmüll wird an Ort und Stelle verbrannt. Diese unkontrollierte Lagerung und Verbrennung des Mülls verursachen einen beißenden Gestank nach Fäulnis und Verwesung. Dazwischen spielen Kinder – fröhlich und laut. Fast scheint es, als wäre ihnen ihre Situation nicht bewusst und doch suchen alle einen Weg heraus aus diesen Lebensverhältnissen. Dieser Weg heißt Bildung. Gemäß dem Motto „Gib jemandem einen Fisch, dann ist er einen Tag lang satt. Lehre ihn das Fischen – dann wird er viele Tage satt sein“ werden fast 300 Kinder aus der Müllstadt Moqqattam/Kairo unentgeltlich in der Schule „Saint Vincent de Paul“, geleitet von französischen und ägyptischen Ordensschwestern, unterrichtet. Das Schulgeld, das die übrigen 500 Schüler bezahlen, trägt die Unterrichtskosten der Kinder aus der Müllstadt mit. Alle anderen Ausgaben werden aus Spendengeldern bestritten. Vor vier Jahren wurde zum Beispiel mit Hilfe der Deutschen Botschaft Kairo und privater Spenden ein Bus gekauft, damit die Kinder zur Schule abgeholt werden können. Nun baten die Schwestern bei der Bestuhlung zu helfen – für einen neuen Anbau wurden 270 Stühle benötigt. Über eine Lehrerin, die lange in Kairo gelebt hat, erfuhr man am Michaeli-Gymnasium von dieser Bitte. Spontan wurde beschlossen, auf dem stets stark besuchten Weihnachtskonzert der Schule einen Spendenaufruf zu starten. Viele Eltern zeigten sich von der Idee überzeugt – 1520 Euro konnten Anfang Januar in Kairo übergeben werden. In dem Dankesschreiben der Schwestern an das Michaeli-Gymnasium heißt es „Sie geben uns mit Ihrer großzügigen Spende die Möglichkeit eine größere Anzahl armer Kinder bei uns aufzunehmen und ihnen eine Schulbildung zu vermitteln, die ihrerseits den jungen Mädchen eine bessere Zukunft ermöglicht.“ Direkter und konkreter kann Hilfe nicht sein.

Auch interessant:

Meistgelesen

Beim Fangen-Spielen fängt man einen, das wäre kein Meter
Beim Fangen-Spielen fängt man einen, das wäre kein Meter

Kommentare