Weggeblasene Idylle

Lärm und Staub durch Laubbläser in Neuperlach

Mann mit Laubbläser im Herbst
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Laubbläser sind schon länger Gegenstand von Diskussionen. In Neuperlach hat die Arbeit mit den Geräten ungewöhnliche Ausmaße angenommen (Symbolbild).

Den Streit um Laubbläser gibt es schon lange. Zumindest gibt es heute leisere Modelle. Doch am Karl-Marx-Ring in Neuperlach werden die Krachmacher zu jeder Jahres- und Tageszeit genutzt – zum Ärger der Anwohner.

Idylle“, sagt Tobias Skarabella. Doch auf den Anlagen der WSB-Wohnungen am Karl-Marx-Ring werden Laubbläser eingesetzt. Das Reinigen der Anlage hat mittlerweile ungewöhnliche Ausmaße angenommen. Kein Blatt ist auf den Grünanlagen zwischen den Häusern zu finden – dafür zahlreiche braune Stellen. Doch das war nicht immer so, wie Skarabella erzählt. Erst seit dem Wechsel zu einem neuen Hausmeisterservice werde die Anlage überpflegt. Das ist ein Problem für Anwohner. Und auch Tiere.

Nicht einmal in den stark zurückgeschnittenen Büschen ist noch Laub zu sehen. Dabei würde es dort kaum jemanden stören und dafür einen Schlafplatz für Igel bereitstellen. So erklärt etwa der Naturschutzbund (NABU), dass Laub, Tot- holz und Reisighaufen auf Erdmulden oder in Hecken natürliche Unterschlupfmöglichkeiten für die Tiere bieten. In einer Stadt mit hohem Versiegelungsgrad so wie München sind solche Plätze ohnehin rar gesäht. Auf Videos aber ist zu sehen, wie die Arbeiter das Laub sogar aus den Hecken hinausblasen.

Laubbläser stehen schon länger in der Kritik. Zwar gibt es mittlerweile auch elektrische Laubbläser, die auch leiser im Betrieb sind. Doch sind in München noch die klassischen Modelle zu sehen – und zu hören. Die massive Lärmbelästigung mit einer Lautstärke bis zu 100 Dezibel (so laut wie ein Presslufthammer), das Aufwirbeln von Staub mitsamt Kleinstlebewesen sowie Bakterien, Viren und Pilzsporen und nicht zuletzt der Antrieb mit Dieselmotoren: Argumente für den Einsatz von Laubbläsern und -saugern sind kaum aufzählbar. Trotzdem setzt der Hausmeisterservice, den die WSB am Karl-Marx-Ring engagiert hat, auf die Geräte.

Die Anwohner fühlen sich dadurch massiv gestört. „Ich habe ja grundsätzlich Verständnis dafür, dass die Arbeiter die Anlage pflegen müssen“, sagt Skarabella. „Aber sie halten sich nicht mal an die Zeiten.“ In der Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung der bayerischen Landeshauptstadt ist festgelegt, dass Laubbläser und -sauger nur an Werktagen zwischen 9 und 13 Uhr und von 15 bis 17 Uhr betrieben werden dürfen. Doch laut den Anwohnern beginnen die Arbeiten am Karl-Marx-Ring schon früher am Morgen. Mit gleich mehreren Personen werde jedes Blättchen weggeblasen, so Skarabella. Wie intensiv die „Pflege“ der Anlage betrieben wird, zeigt sich auch am Vergleich mit den angrenzenden Grundstücken der Stadt.

Typischerweise sind Laubbläser im Herbst zu hören – doch am Karl-Marx-Ring sieht sind die Geräte unabhängig von den Jahreszeiten am Werk. Skarabella zeigt weitere Videos, in denen die Motoren auch in den Sommermonaten laufen. Augenscheinlich ohne Grund, denn wegzublasen gibt es in diesen Zeiten nichts. Lediglich eine dicke Staubschicht auf dem Balkon sei das Ergebnis der Arbeiten, wie Karin Skarabella erklärt.

Als die Anwohner sich bei der Wohnungsgesellschaft über den übermäßigen Gebrauch der Laubbläser beschwerten, verwies die WSB auf die Verkehrssicherungspflicht und das Vorbeugen von Schimmel, der sich auf den Rasenflächen unter Laub bilde. Gegenüber HALLO hat sich die Wohnungsgesellschaft bis Redaktionsschluss nicht geäußert.

„Es gibt kaum noch Vögel hier“, sagt Skarabella. Trotz allem Verständnis für die Arbeiten: „Es ging vorher auch anders“. Denn der vorige Hausmeister hatte die Arbeiten mit Besen und Rechen erledigt. Ohne Krach und mit verbleibenden Laub in den Büschen. Die Idylle ist wie weggeblasen.

pg

Mehr über den Münchner Osten gibt es in der Übersicht.

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