Künftig „Leben in urbaner Natur“

Der Ideenwettbewerb zum Bebauungsplan 1971 „Baumkirchner Straße (westlich)“ ist abgeschlossen, die siegreichen Architekten und Landschaftsplaner wurden am Montag im Münchner Planungsreferat gekürt und mit der Schaffung eines neuen Stadtquartiers in Berg am Laim kann es jetzt offenbar so richtig losgehen.

Schließlich geht es um nichts mehr und nichts weniger als die Ausgestaltung und stadtplanerische Neuausrichtung eines insgesamt rund 135.000 Quadratmeter großen Areals im Umgriff der alten, seit Jahren planerisch vor sich hin dümpelnden Bahnbrache im Berg am Laimer Norden. In den Koordinaten dieses Großgeländes zwischen Baumkirchner Straße und Rosenheimer Bahndamm soll in den kommenden Jahren ein ganz neues Stadtquartier aus Wohnen, Grün, Gewerbe und Nahversorgung entstehen. Ehrgeiziger Plan Ein ehrgeiziger Plan, der lange auf Eis lag und dank der Projektentwickler von „Vivico Real Estate“ im engen Zusammenwirken mit der Landeshauptstadt München jetzt mit Verve vorangetrieben wird. Nach Abschluss des Ideenwettbewerbes und der Würdigung durch das Preisgericht haben jetzt auch die Bürger Gelegenheit, die gestalterischen Vorschläge der Experten zu begutachten. Die Ergebnisse werden noch bis 29. Januar (werktäglich von 8 bis 19 Uhr, Foyer und Raum 017 im Erdgeschoß des Planungsreferates, Blumenstraße 28b) zu sehen sein. Schautafeln und detaillierte Modelle sollen einen tieferen Einblick in die gestalterischen Aspekte liefern. Procedere Für die drei Wettbewerbssieger beginnt jetzt bereits eine gut zweimonatige „Überarbeitungsphase“, in der die eingereichten Arbeiten noch besser den vor Ort-Bedingungen angepasst werden. Danach fällt die endgültige Realisierungsentscheidung. Voraussichtlich 2011 könnte nach Informationen der Stadt die Realisierung beginnen. Neben der Etablierung eines Nahversorgers und weiteren Einzelhandels sollen dann auch die umfangreichen Arbeiten zur Erneuerung der Vereinsanlagen des ESV München-Ost im Westen des Areals beginnen, der eine neue Halle für seine Sportler, Sanitär- und Büroflächen erhalten wird. Danach (etwa 2012) soll das Projekt dann mit der Schaffung von rund 300 bis 350 Wohneinheiten im Osten des Areals, der umfangreichen Grünplanung und Gewerbeausgestaltung fortgesetzt werden. In den kommenden fünf Jahren wird der Berg am Laimer Norden damit sein Antlitz entscheidend ändern Unter dem Titel „Leben in urbaner Natur“ war der städtebauliche und landschaftsplanerische Wettbewerb für ein neues Stadtquartier in Berg am Laim in Kooperation von Stadt und „Vivico Real Estate“ ausgelobt worden. Zwölf renommierte Architektur-Büros und Landschaftsplaner von Rotterdam bis Leipzig hatten an dem Ideenwettbewerb teilgenommen. „Es waren alles sehr spannende Beiträge auf hohem Niveau“, zeigten sich Stadtbaurätin Dr. Elisabeth Merk und Vivico-München-Chef Dr. Ralf Schneider einig. Besonders gut haben ihre Sache offensichtlich die drei Preisträger gemacht. Das Preisgericht unter Vorsitz von Professor Carl Fingerhuth (Zürich) prämierte den Entwurf von Ammann Albers Stadtwerke und Schweingruber Zulauf Landschaftsarchitekten (beide Zürich) mit dem ersten Preis. Der zweite Preis ging an die Co-Produktion von Peter Ebner and friends (Wien) und mahl-gebhard-konzepte Landschaftsarchitekten (München). Die Arbeit von peter.haimerl.architektur (München) und Atelier Loidl Architekten (Berlin) wurde mit Platz drei ausgezeichnet. Stimmen „13,5 Hektar, 350 Wohneinheiten aus Misch-/Kern- und Wohngebietsnutzung – das klingt nüchtern, ist aber sehr leidenschaftlich!“ Stadtbaurätin Merk hob bei der Vernissage im Planungsreferat auch auf den „ungewöhnlichen Wettbewerbsumstand“ ab, dass die Hälfte des Areals aufgrund eines langjährig gewachsenen Biotops mit schützenswerten Tier- und Pflanzenarten im westlichen Bereich „gar nicht überplanbar und vor allem bebaubar ist“. „Ein langer Weg“ habe bei den Planungen zurückgelegt werden müssen – „mit hervorragendem Abschluss“, so Schneider – der ebenfalls auf die ökologisch bedingten Planungsprobleme verwies. „Freude“ habe er bei dem Gedanken, dass der ESV ab dem kommenden Jahr nun neue Sportflächen erhalte und durch die Einbindung des Discounter-Riesen Aldi auch noch eine zusätzliche Erschließungsstraße für den östlichen Bereich des Planungsgebietes vorgesehen sei. „Ziel ist, wir wollen schnell in das weitere Verfahren und in die Realisierung kommen“, versprach Schneider im gut gefüllten Auditorium. Die Architekten hätten allesamt „gute Arbeiten mit hohem städtebaulichem Anspruch eingereicht“, da waren sich die Auftraggeber ebenso einig. Besonderes Lob heimste dabei der erste Preisträger ein. „In Form einer Zitadelle“ sei hier eine „wohltuende Abgeschlossenheit zum Bahndamm geschaffen worden“, zeigte sich das Preisgericht mit Fach-Vertretern und solchen der Stadt und des Stadtteils einig. „Attraktive Gassen und schöne Höfe“ zeige das Modell von Ammann / Schweingruber Zulauf auf. „Sehr konzeptionell“ sei das Arrangement – mit „attraktiven Übergängen zwischen Grün, Wohnen, ESV-Gelände und Gewerbe/Nahversorgung“. Die Juroren waren sehr zufrieden. „Platz und Raum für die Menschen war dabei eine wichtige Prämisse“, welche die Wettbewerber allesamt sinnvoll umgesetzt hätten. „Wir wollten einen öffentlichen Raum und ein Wohnumfeld schaffen, das von den Menschen angenommen wird“, umschrieb Wettbewerbssieger Martin Albers seine Ausrichtung gegenüber HALLO. „Angenehm und lebendig“ soll das Ensemble sein und die Bewohner wie die Besucher „nicht erdrücken“. Auch die Höhenentwicklung bleibt wohl moderat. Drei- bis fünfgeschoßige Wohnbauten sollen entstehen, mit einem fünfgeschossigen Abschluss nach Westen. „Offen ist noch die Verkehrsführung auf dem Gelände“, erläuterte Vivico-Projektmanager Stefan Ondracek. „Eine schwierige Verknüpfung zwischen qualitativ hochwertigem Wohnen, dem ESV, dem Gewerbe und der Nahversorgung muss hier geschaffen werden“, so der Planer. Dazu müssen rund 2000 Quadratmeter sozialer Infrastruktur für Kindergärten und Sozialeinrichtungen sowie rund 14.000 Quadratmeter öffentlicher Nutzfläche integriert werden. Die erfolgreichen Wettbewerber haben vieles bereits eingearbeitet. „Ich bin sehr zufrieden mit der Entscheidung der Jury“, analysierte Berg am Laims BA-Chef Josef Koch (SPD). Der „Stadtteilbürgermeister“ saß selbst im Preisgericht und votierte für das Züricher Modell. „Es ist komplex und übersichtlich angelegt – zudem erfüllt es wesentliche Berg am Laimer Ansprüche wie die gute Situierung und großzügige Ausgestaltung des ESV“, lobt er. „Zudem scheint es vergleichsweise schnell umsetzbar – bietet das Modell doch keine Kollisionen zwischen den einzelnen Verwertungsformen wie etwa Wohnen, ESV und Nahversorgung“. Auch seien die Sozialbereiche gut arrangiert und das Modell weise aufgrund guter Strukturierung mit intelligenten Zu- und Abfahrten wenig Quell- und Zielverkehr auf. Harald Hettich

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