Kreisjugendring München-Stadt

Aktion „Raise your voice“ – Was wollen Kinder in der Krise?

Die Bedürfnisse von Kindern: Kein Thema während der Corona-Pandemie. Mit einer Aktion will der Kreisjugendring ihnen nun eine Stimme geben (Symbolbild).
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Die Bedürfnisse von Kindern: Kein Thema während der Corona-Pandemie. Mit einer Aktion will der Kreisjugendring ihnen nun eine Stimme geben (Symbolbild).

München – Seit Wochen wird in der Corona-Krise nur über Kinder und Jugendliche gesprochen, aber nicht mit ihnen. Der Kreisjugendring München-Stadt (KJR) lässt jetzt die jungen Münchner selbst zu Wort kommen. „Raise your voice!“ hat er die Aktion genannt, zu Deutsch: Erhebe Deine Stimme.

„Ostern war schrecklich ohne dich und Opa“, schreibt ein zehnjähriger Junge in einem Brief an Oma. „Außerdem waren auch die Ferien schrecklich. Ich freu mich auf meine Freunde in der Schule!“ Die zwölfjährige Anna findet, Gesichtsmasken sind „entweder zu klein oder zu groß oder rutschen ab“. Doof findet sie auch „viel mehr Hausi“, also Hausaufgaben. Schließlich werden die Schüler derzeit mit Arbeitsblättern und Aufgaben überhäuft. Aber dafür muss Anna – es gibt ja auch Positives – „nicht in die Schule“.

Diese Stimmen sind die ersten, die bei den Jugendverbänden und Freizeitstätten des Kreisjugendrings eingegangen sind. Sie fragen derzeit ihre Besucher per Instagram, Homepage, WhatsApp und Videochat: Wie läuft es eigentlich mit Schule, Ausbildungsplatz, Studium oder zuhause in der Familie? Was belastet sie am meisten? Und welche Änderungen wünschen sie sich möglichst schnell?

Auch wenn sie in der öffentlichen Diskussion meist nur als Betreuungsproblem vorkommen: Junge Menschen sind in allen Bereichen, die ihr Leben ausmachen, von den Corona-Maßnahmen betroffen. Ob Kita, Schule oder Universität, all dies ist massiv eingeschränkt. Manche können ihre Ausbildung nicht fortsetzen, bei einigen geflüchteten Jugendlichen ist damit das Aufenthaltsrecht in Gefahr. Und alle können kaum Freunde treffen und auch nicht in den Sportverein oder in die Freizeitstätte gehen. Nicht wenige erleben existenzielle Sorgen ihrer Eltern, einige auch Vernachlässigung oder Gewalt.

„Höchste Zeit also, dass Kinder und Jugendliche selbst sagen, wie es ihnen geht und was sie brauchen“, sagt KJR-Vorsitzende Judith Greil. Von Anfang an hat sie sich geärgert, „dass junge Menschen in der öffentlichen Debatte meistens als kindliche Virenschleudern oder als Veranstalter von Corona-Partys aufgetaucht sind“.

Deshalb sammelt der KJR jetzt die Sorgen, Ängste und Wünsche von Kindern und Jugendlichen. Alle, die mitmachen möchten, können ihre Meinung per Video, als kurzen Text, Foto oder Bild an raiseyourvoice@kjr-m.de schicken. „Natürlich könnten sie den Beitrag auch bei Instagram und Co. posten“, sagt Greil. „Allerdings achten erfreulich viele junge Menschen auf ihre Privatsphäre und haben nicht-öffentliche Profile. Daher sind diese Beiträge nur im eigenen Freundeskreis sichtbar!“ Daher wird der KJR die Statements, Beschwerden und Vorschläge in die Öffentlichkeit tragen.

So ist am 30. Mai eine Klein-Demo im zugelassenen Rahmen vor der Staatskanzlei geplant. Dort wird der KJR eine Auswahl von Aussagen auf aus Pappe ausgeschnittenen Umrissen von Kindern und Jugendlichen präsentieren.

Die Münchner Abenteuerspielplätze (ASP) geben derzeit quadratische Holzbretter an Kinder aus. Auf die können sie, natürlich bei sich zuhause, schreiben oder malen, was sie denken und was ihnen wichtig ist. Einige ASP werden diese Werke zunächst als „Zaun-Ausstellung“ präsentieren, am Ende entsteht aus den Beiträgen aller beteiligter Abenteuerspielplätze ein großes gemeinsames Kunstwerk, das ebenfalls bei der Demo gezeigt werden soll.

Kinder finden auf der neuen Seite www.kjr-kinderwelten.de mehr Informationen und auch schon die Statements von anderen Kindern, für Jugendliche gibt es den Blog https://webzweinull.kjr-blog.de.

Mehr über Aktionen in München gibt es in der Übersicht.

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