Krähen-Attacken in Neuperlach

In Neuperlach ist es in letzter Zeit vermehrt zu Krähen-Angriffen gekommen. Foto: Irmgard Marquard

In Neuperlach wurden in der vergangenen Woche mehrfach Menschen von Krähen attackiert. Dabei versuchen die Vögel allerdings nur, ihren noch halbflüggen Nachwuchs zu beschützen, der meist ganz in der Nähe auf dem Boden sitzt. Und dem der Mensch – ungewollt – zu nahe gekommen ist.

Erst traf es einen 51-jährigen Neuperlacher. An der Kurt-Eisner-Straße stürzten sich plötzlich zwei Krähen auf ihn. Obwohl er wild um sich schlug, verfolgten ihn die schwarzen Vögel noch einige Meter. Kurz darauf attackierten Krähen auf einem Spielplatz ein kleines Kind. Eine Nachbarin konnte die Tiere in die Flucht schlagen. Nur wenige Tage später wurde ein 84-jähriger Rentner auf dem Parkplatz eines Supermarktes an der Quiddestraße von den Vögeln angegriffen. „Sehr selten“ „Es kommt trotzdem sehr selten vor“, sagt Matthias Luy vom Landesbund für Vogelschutz. Der Grund für die Angriffe der Rabenkrähen sitzt meist nur wenige Meter entfernt vom Tatort. Es geht um halbflügge Jungvögel, die von ihren aufgeregten Eltern verteidigt werden. „Die ausgeflogenen Jungen halten sich unbeholfen auf dem Boden auf“, erklärt Luy. Normales Brutverhalten also. Vor allem jetzt, denn seit Ende Mai werden die Jungen flügge. Tatsächlich spürte nach dem ersten Krähenangriff in Neuperlach ein von der Polizei alarmierter Jagdpächter zwei Mini-Krähen im Gras auf. Erschrecken Bekommen die Tiere den Eindruck, Menschen kämen den Jungen zu nahe, fliegen sie eine Attacke. Die Scheinangriffe sind vor allem darauf angelegt, den körperlich weit überlegenen potentiellen Feind maximal zu erschrecken. Es geht also nicht um Verletzungen, es geht um den Respektabstand. Ist man zu nahe am Vogelkind, reagieren die besorgten Altvögel aber durchaus auch „intensiv und aggressiv“. Gerne werden deshalb laut Luy auch Hunde angegriffen, in denen die Vögel das größte Risiko für den Nachwuchs sehen. Dass jetzt öfter solche Angriffe bekannt werden, liegt nach Angaben von Vogelforschern auch daran, dass es die einstigen Waldvögel immer mehr in die Städte zieht, wo die intelligenten Allesfresser ideale Bedingungen finden. Hier gibt es viel Müll und damit auch mehr Futterquellen, sowie einen guten Schutz vor Jägern, denn in den Siedlungsgebieten wird nicht geschossen. „Die Rabenkrähendichte in München ist hoch“, bestätigt Matthias Luy. Damit kommen sich logischerweise Mensch und Tier einfach auch mehr ins Gehege als früher. Nichts wie weg Weil auch in den nächsten Wochen noch viele Mini-Krähen im Münchner Stadtgebiet das Fliegen üben werden, kann man im Falle eines Angriffs nur einen Tipp geben: Nichts wie weg! Distanz schaffen – genau darum geht es den Vögeln mit ihrem Abwehrverhalten nämlich. Auf gar keinen Fall sollte man den Jungvogel aufheben! Der lernt das Fliegen nämlich gerade und wird auch am Boden von den Eltern versorgt. Denn auch bei den Vögeln gilt das alte Sprichwort: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Carmen Ick-Dietl

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