Unzumutbar für alle Behinderten

Keine Barrierefreiheit am Karl-Preis-Platz in Ramersdorf

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An der U-Bahn Haltestelle Karl-Preis-Platz gibt es keinen Aufzug. Das ist ein Problem für Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwägen. (Symbolbild)

„Absolut entsetzt“. So schildert Grünen-Fraktionssprecher Christian Smolka seine Eindrücke nach einer Ortsbegehung des Karl-Preis-Platzes zusammen mit einer Rollstuhlfahrerin. Die Zustände seien für Behinderte unzumutbar, ein Umbau sei dringend erforderlich. Und stößt damit im Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach auf einhellige Zustimmung. Und der geht sogar noch weiter und will auch andere Bahnstationen prüfen.

Mit drei U-Bahnen und sechs Buslinien ist der Karl-Preis-Platz in Ramersdorf ein wichtiger Mobilitätsknoten. Doch für Behinderte stellt er einen Horror dar, wie Smolka in seinem BA-Antrag akribisch auflistet.

Wer einen Aufzug zur U-Bahn sucht, macht dies vergeblich, denn es gibt keinen. „Behindertengerechten Zugang“ sollen zwei Rampen ermöglichen. Doch die sind bis zu zwölf Prozent steil, deutlich steiler als in den gesetzlichen Vorgaben mit sechs Prozent vorgesehen. Nicht das einzige Manko an den Rampen. Es gibt zudem keine geraden Flächen, die etwa Rollstuhlfahrern eine kurze Verweildauer ermöglichen würden. Doch die Liste der Unzulänglichkeiten am Karl-Preis-Platz ist noch viel länger. Blindenstreifen und der Drei-Zentimeter-Abstich an den gesicherten Querungsmöglichkeiten würden fehlen, die Zusatzeinrichtungen für Sehbehinderte (ZEB) an den Ampeln seien oft außer Betrieb, kritisiert der Grünen-Politiker. Und die Bushaltestellen an der Rosenheimer Straße seien nicht barrierefrei, es fehle der 18 Zentimeter hohe Abstich und Blindenleitstreifen würde man ebenfalls vergeblich suchen. Und auch die Ampelphasen zum Überqueren der Rosenheimer Straße seien für mobilitätseingeschränkte Menschen einfach zu kurz, so Smolka weiter.

Ein besonders Ärgernis sind für ihn die Behindertenparkplätze beziehungsweise der Behindertenparkplatz. Denn am gesamten Karl-Preis-Platz gibt es nur einen. Dieser befindet sich an der Claudius-Keller-Straße vor der Bushaltestelle und bietet keine Bordsteinabsenkung, um gefahrlos vom Parkplatz auf den Bürgersteig zu gelangen. Rollstuhlfahrer müssen dann auf der Fahrbahn, entgegen der Fahrtrichtung, bis zum Kreuzungsbereich zurück, um mit Bordsteinabsenkung auf den Bürgersteig gelangen zu können. „Mit diesem Umweg sind es dann rund 250 Meter bis zur Rampe in der Claudius-Keller-Straße“, kritisiert Smolka.

Er beantragte deshalb im Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach, den Karl-Preis-Platz vollumfänglich Barrierefrei umzubauen. Menschen mit Behinderungen müssten selbstverständlich einen solch wichtigen Knotenpunkt des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) ohne Einschränkungen nutzen können. Dafür hat der Grünen-Politiker auch gleich einige Vorschläge. Zwei bis drei weitere Behindertenparkplätze direkt an der Rampe und mit abgesenkten Bordsteinen seien sinnvoll. Und im U-Bahn Zwischengeschoss, vom Eingang Laibacher Straße/Claudius-Keller-Straße kommend, sei eine weitere Rampe statt der bisherigen Stufen erforderlich. Zudem könne man nach der erfolgreichen Testphase an der Kreiller-/Marianne-Plehn-Straße in Trudering auch den Karl-Preis-Platz mit Funksendern für Menschen mit Behinderung ausstatten, damit diese die Kreuzungen stressfrei und sicher überqueren könnten.

Bei seinen Kollegen im BA 16 stieß Smolka mit seinem Antrag auf volle Unterstützung. Fraktionsübergreifend erhielt er Zustimmung, zumal die fehlende Barrierefreiheit schon lange bekannt ist. Im Rahmen des Stadtteilchecks „Auf Herz und Rampen prüfen“ des Kreisjugendrings München-Stadt hätten Schüler bereits vor Jahren den Karl-Preis-Platz unter die Lupe genommen, erinnerte SPD-Fraktionssprecherin Astrid Schweizer. Und die Kinder seien zu den selben Erkenntnissen gelangt, wie jetzt Smolka. Doch geändert habe sich an der mehr als unbefriedigenden Situation nichts. Dabei so Schweizer: „Wenn Schüler das schon erkennen, dann sollten es die Verantwortlichen auch.“

Auch BA-Vorsitzender Kauer unterstützte den Antrag Smolkas „vollumfänglich“. Allerdings befürchtet er, dass der Ramersdorfer Karl-Preis-Platz keine Ausnahme darstellt. Auch andere wichtige ÖPNV-Knoten ist Stadtbezirk könnten ähnliche Defizite aufweisen. Kauer regte deshalb an, auch andere U-Bahnstationen entsprechend zu prüfen. Einstimmig verabschiedeten die Mitglieder des Bezirksausschusses die Forderungen. Ganz im Sinne des Artikel 1 der UN-Behindertenrechtskonvention. Dieser besagt: „Der Zweck der UN-Behindertenrechtskonvention ist es, den vollen und gleichberechtigten Genuss aller Menschenrechte und Grundfreiheiten durch alle Menschen mit Behinderungen zu fördern, zu schützen und zu gewährleisten und die Achtung der ihnen innewohnenden Würde zu fördern.“ 

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