Beim Kulturkreis Ramersdorf-Perlach geben sich die Stars der Kabarettszene seit Jahrzehnten die Klinke in die Hand

Große Kunst in der kleinen Schulkantine

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Seit vielen Jahren ist Gerhard Polt Stammtgast bei Erwin Bohlig und dem Kulturkreis Ramersdorf-Perlach.

Seit Jahrzehnten träumt man in Perlach von einem Kulturzentrum, der dem Stadtteil mit einer Einwohnerzahl, die fast der der Stadt Ingolstadt entspricht, gerecht wird. Bisher vergebens. Doch einen ficht dies nicht an: Erwin Bohlig, Vorsitzender des Kulturkreises Ramersdorf-Perlach, holt seit 20 Jahren alle Größen der deutschsprachigen Kabarettszene ebenso wie andere bekannte Künstler nach Neuperlach – ausgerechnet in die Mensa einer Schule.

Angefangen hat alles vor gut 20 Jahren. Erwin Bohlig kam durch eine Bekannte, die zusammen mit ihm im Elternbeirat des Kindergartens am Strehleranger tätig war, in Kontakt mit dem damals noch jungen Verein Kulturkreis Ramersdorf-Perlach – und wurde schon bald dessen Vorsitzender. Eine Bereicherung des örtlichen Vereinslebens sollte der Kreis nach seinen Vorstellungen sein, mit einem attraktiven Kabarett- und Showprogramm. Und so machte Bohlig sich auf den Weg – nach Haar. Dort trat damals im Kleinen Theater eine Größe des Musikkabaretts auf: Fredl Fesl. Bohling sprach einfach mal bei Fesls Management vor — und konnte es für seinen Verein interessieren.

Ein erster Ortstermin in der Quidde-Mensa schien allerdings alle Hoffnungen auf einen Auftritt des gefragten Musikkaberettisten zunichte zu machen. Lediglich 350 statt der geforderten 500 Plätze bot die Mensa nach dem damals genehmigten Bestuhlungsplan. Eine Änderung, so machte man Bohlig wenig Hoffnung, könne „Jahre dauern“. Doch der gebürtige Franke ließ sich davon nicht entmutigen, marschierte schnurstracks in die für den Brandschutz zuständige Branddirektion und fand einen hilfsbereiten Beamten. „Zwei Stunden später hatte ich den Stempel auf dem neuen Bestuhlungsplan“, erinnert sich Bohlig. Dem umjubelten Gastspiel Fesls auf der Bühne der Mensa stand jetzt nichts mehr im Weg. Dies war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Gerhard Polt, Bruno Jonas, Django Asül, Emil Steinberger, Günter Grünwald, Chris Boettcher – die Liste derer, die sich in der Mensa des Schulzentrums an der Quiddestraße mittlerweile die Klinke in die Hand geben, liest sich wie das Who‘s Who des deutschsprachigen Kabaretts. Auch Dieter Hildebrandt, als Waldperlacher sozusagen gleich Nachbar, gehörte bis zu seinem Tod zu dem Stammgästen beim Kulturkreis.

Viel zu diesem Erfolg beigetragen hat „Mundpropaganda“ unter den Künstlern, ist sich Bohlig sicher. Hanns Meilhammer und Claudia Schlenger etwa. Sie traten 1994 selbst zum ersten Mal in Neuperlach auf und machten bei der Fernsehreihe „Kanal fatal“ Werbung für Bohlig und seinen Verein. Viele Türen öffneten sich so, immer mehr Kabarettisten folgten dem Ruf auf die Mensa-Bühne, Bekannte wie damals noch unbekannte Künstler. Django Asül, Erwin Pelzig oder Chris Boettcher begeisterten bereits zu Beginn ihrer Karrieren das Publikum in Neuperlach. Und halten dem Kulturkreis bis heute die Treue. „Das familiäre Umfeld“, das der Verein den Künstlern bietet, macht Bohlig nicht zuletzt dafür verantwortlich.

Ein Gefühl, das auch andere Showgrößen wie Max Greger, die Hot Dogs, die Wallpaper Jazz Band, die Wolgakosaken oder Hugo Strasser kennen, der 2016 trotz seiner dann 94 Jahre vor einem weiteren Auftritt beim Kulturkreis steht.

Ein erfolgreicher Weg, den Bohlig und der Kulturkreis zurückgelegt haben. Ein Weg, auf dem aber auch bürokratische Hemmnisse und technische Probleme gemeistert werden mussten. Da gab es etwa die alte Licht- und Tonanlage, die den Ansprüchen für professionelle Auftritte kaum gerecht wurde. „Die eingebauten Scheinwerfer haben immer wieder überhitzt und sind durchgebrannt“, so Bohlig im Rückblick. „Eines Abends gingen gerade mal noch zwei Schweinwerfer.“ Gut, dass an diesem Abend ein besonderer „Kabarettist“ zu Gast war: der damalige Oberbürgermeister Christian Ude. Damit wurden die Technikprobleme zur „Chefsache“ und waren – welch Wunder – bald darauf gelöst.Träumt einer wie Erwin Bohlig, der seit drei Jahren auch für „Kultur in Putzbrunn“ verantwortlich zeichnet, davon, einmal der Mensa „Servus“ zu sagen und in ein schönes Kulturzentrum umzuziehen? „Bis das mal kommt“, sagt der 65-Jährige und lacht, „bin ich sicher weit über 70 und dann will ich auch mal was Anderes machen.“

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