Einen Weg in die Arbeitswelt finden als Fahrer bei Bus und Bahn

Das Integrations- und Kooperationsprojekt der MVG

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Joachim Herrmann, Ralf Holtzwart, Beatrix Widmer und Günther G. Goth (v.l.) bei der Pressekonferenz zum Integrationsprojekt im MVG-Museum.

München wächst! Und somit auch der Bedarf an Mobilität. Jahr für Jahr steigt die Anzahl der Fahrgäste, welche insbesondere mit Bus und U-Bahn unterwegs sind. Das Resultat ist eine hohe Nachfrage seitens der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) an neuen Fahrern, um diesem Bedarf gerecht zu werden. Gleichzeitig möchte man sich der gesellschaftlichen Aufgabe annehmen, Flüchtlinge mit gesichertem Aufenthaltsstatus und Menschen mit Migrationshintergrund in Beschäftigung zu bringen und ihnen ein gesichertes Einkommen zu ermöglichen. Im Zuge dieser beiden Herausforderungen haben sich bereits 2017 die Stadtwerke München (SWM), die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), das Jobcenter München und die Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) zusammengetan und ein Integrationsprojekt initiiert, um Flüchtlinge und Migranten zu Fahrern für Bus und U-Bahn auszubilden und anschließend in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis bei der MVG zu übernehmen.

Joachim Hermann, Bayerns Innen- und Integrationsminister, zog jetzt im MVG-Museum in Ramersdorf Zwischenbilanz und informierte über den bisherigen Verlauf. „Der Erfolg des heute hier vorgestellten Projekts ist beeindruckend und ein schönes Beispiel, wie eine aufeinander aufbauende, abgestimmte gute Kooperation der unterschiedlichen Akteure auf dem Arbeitsmarkt zum Ziel der Integration in Arbeit führt. Nach heutigem Stand sind 27 Teilnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt und bei der MVG tätig“, verkündete der Minister. Aber auch insgesamt gelinge die Integration in Bayern sehr gut.

Der Erfolg des Integrationsprojekts zeichnet sich vor allem durch die Kombination aus Spracherwerb, Qualifizierung und beruflicher Tätigkeit aus. Dabei stehen gute Sprachkenntnisse an erster Stelle für die angehenden Fahrer. Ob in Gesprächen mit den Fahrgästen, per Funk mit der Leitstelle oder mit Kollegen und Vorgesetzten: Die solide Beherrschung der Deutschen Sprache ist für die Teilnehmer unabdingbar. Aus diesem Grund geht der Qualifizierung auch ein umfassender Sprachkurs beim bfz voraus, insbesondere mit technischem Fachvokabular rund um die Fahrzeuge. Ralf Holtzwart, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, ergänzt: „Die Integration in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ist eine Gemeinschaftsleistung. Weder der Arbeitgeber noch die Geflüchteten selbst müssen die Hürden der beruflichen Integration alleine stemmen. Das zeigt dieses Kooperationsprojekt besonders deutlich. Je früher und strukturierter die Geflüchteten an den deutschen Arbeitsmarkt herangeführt werden, desto erfolgreicher ist die Integration.“ Die Akquise der und Teilnehmer übernimmt das Jobcenter, unterstützt durch die bfz. Die endgültige Auswahl erfolgt dann im Rahmen von sogenannten Clearing-Tagen im bzf München. Dort wird das Projekt noch einmal ausführlich vorgestellt, die Bewerber und Unternehmensvertreter können sich kennenlernen und es findet ein Spracheinstufungstest statt. Danach beginnt die Qualifizierung mit einem zwölfwöchigen berufsbezogenen Deutschkurs, gefolgt von einer sechswöchigen Praktikums- und Orientierungsphase.

Joachim Herrmann (h.) und Beatrix Widmer mit einem Teilnehmer am Integrationsprojekt.

„Unser Integrationsprojekt bietet Flüchtlingen und Migranten eine Perspektive und hilft uns gleichzeitig im Münchner Arbeitsmarkt. Die Integration von Flüchtlingen ist ein sehr wichtiges Thema für uns. Sie funktioniert am besten über den Zugang zu Beschäftigung. Darum haben wir bereits 2016 mit einer so genannten berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme mit produktionsorientierten Ansatz jungen Flüchtlingen den Zugang zu Ausbildung ermöglicht und dies auch in den Jahren zuvor über unser Stadtwerkeprojekt getan“, erklärte Beatrix Widmer, Leitung Bereichssteuerung Personal SWM/MVG. „Die MVG steht für Integration. Von fast 1500 Mitarbeitern kommt knapp die Hälfte aus einem anderen Land. Ich bin stolz, dass aus der Idee, die wir im Fahrdienst bereits 2015 geboren haben, inzwischen Realität geworden ist.“ Professor Günther G. Goth, Vorstandsvorsitzender des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft (bbw), fügt hinzu: „Seit Jahren unterstützt das Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund bei der Integration in Ausbildung und Arbeit. Jährlich sind es derzeit rund 15.000 Geflüchtete sowie Migranten, die von unserer Tochtergesellschaft, der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft, in unterschiedlichen Maßnahmen qualifiziert werden. “

Innenminister Herrmann betonte dennoch, dass trotz der Erfolge noch große Herausforderungen zu bewältigen sind: „Nehmen wir die Zahlen der besagten acht wichtigsten Asylherkunftsländer, haben wir in Bayern derzeit 15.000 Arbeitslose, die Hartz-IV-Leistungen beziehen.“ Diese befinden sich in keinem Integrationskurs oder einer vergleichbaren Maßnahme und stehen dem Arbeitsmarkt unmittelbar zur Verfügung. „Um diese Menschen müssen wir uns bei der Vermittlung in Arbeit in erster Linie kümmern. Denn diese Menschen werden voraussichtlich bei uns bleiben. Wir müssen deshalb alles dafür tun, dass sie nicht dauerhaft im Sozialleistungsbezug hängen bleiben.“

Jens Verhey

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