„Wohnen für alle“

Verständliche Emotionen kochen hoch

Das Projekt „Wohnen für alle“ an der Puechbergerstraße wird Thema der Ramersdorfer Bürgerversammlung sein.
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Das Projekt „Wohnen für alle“ an der Puechbergerstraße wird Thema der Ramersdorfer Bürgerversammlung sein.

Ärger, Frust und Angst – bei der Infoveranstaltung der GWG zur geplanten Nachverdichtung in der Siedlung zwischen Ständler-, Görzer-, Puechberger- und Balanstraße kochten die Emotionen der Anlieger immer wieder hoch.

„Ihr macht doch sowieso, was Ihr wollt!“ Der Frust sitzt tief bei den Anwohnern der Ramersdorfer GWG-Siedlung. Sechs zusätzliche Häuser sollen auf dem Areal gebaut werden, auf bisherige Wiesen und Garagenhöfe. Es handelt sich um die Umsetzung des Stadtratsbeschlusses „Wohnen für alle“, gemäß dem möglichst viele öffentlich geförderte Wohnungen für Einkommensschwache und anerkannte Flüchtlinge in München gebaut werden sollen. Und zwar schnell. Schon bis Jahresende sollen die beiden städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag und GWG jeweils 500 neue Wohnungen realisieren. Das kann nur durch eine Verdichtung vorhandener Siedlungen klappen – so wie in Ramersdorf.

In den sechs Neubauten, die keinen Keller haben, sollen insgesamt rund 110 Kleinstwohnungen geschaffen werden, jeweils zur Hälfte für bereits registrierte Wohnungssuchende und für anerkannte Flüchtlinge. Da die Grundfläche der Bauten die 16 Meter nicht übersteigen, können die Abstände zu den bestehenden Häusern halbiert werden. Nur so passt beispielsweise noch ein Haus in die Lücke an der Puechbergerstraße.

„Das sind richtige Klopper“, kommentiert eine Anliegerin erschrocken, „passt das hier überhaupt rein?“ Auch wegen der Höhe. Während die Altbauten mit Hochparterre, drei Geschossen und Giebeldach 12,50 Meter messen, sind die neuen Flachdach-Häuser bis auf eine Ausnahme fünfgeschossig und 15 Meter hoch. Besonders die Anwohner aus der Ständlerstraße sind schockiert. Die Wiese im Innenhof sei einziger Lichtblick und Erholungsmöglichkeit vor Straßenlärm und -dreck gewesen. Künftig sollen hier zwei Häuser drauf stehen. „Wo haben wir dann noch Ruhe, wo sollen sich die Kinder bewegen, das nimmt uns hier alles Licht.“

Ole Beißwenger von der Gewofag ist ehrlich: „Natürlich ist es eine Verschlechterung der Wohnsituation für Sie.“ Doch für München sei diese Bauweise mittlerweile normal. Die schlechtere Belichtung „ist sicher so der Fall“, aber gemäß Bayerischer Bauordnung in Ordnung und von der Lokalbaukommission daher auch genehmigt. „Ein schwacher Trost für die, die jetzt da wohnen“, meint der Chef des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach Thomas Kauer (CSU).

„Es ist wirklich unfair, sowas über den Kopf der Mieter hinweg zu entscheiden“, ruft eine Anwohnerin. Man habe an der Puechbergerstraße sowieso schon eine Problemsiedlung, wegen der häufig Polizei vor Ort sei. „Jetzt auch noch ein fremdes Haus und fremde Leute.“ Die Anlieger befürchten, dass die Stimmung kippen könnte. Der Stadt ist die Brisanz dieser Nachverdichtung bewusst, erklärt Monika Betzenbichler vom Sozialreferat. Daher wird eine eigene Kommission die Mieter — 60 Prozent Einzelpersonen, der Rest Familien — aussuchen. Mit einer „Wohnschule“ und einer sozialen Hausverwaltung soll speziell den Flüchtlingen das Wohnen und Miteinander gezeigt werden.

„Ich verstehe, dass Sie nicht begeistert sind, aber das ist unser Auftrag vom Stadtrat“, sagt GWG-Geschäftsführer Hans-Otto Kraus. Bereits im November soll Baubeginn sein, im Mai Einzugstermin.

Carmen Ick-Dietl

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