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Doppelte Auszeichnung für den „U-Bahn-Engel“

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Für 30 Jahre Engagement hat Bürgermeister Monatzeder Ilse Franke das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten für Verdienste von im Ehrenamt tätigen Frauen und Männern überreicht. © privat

Die Waldperlacherin Ilse Franke hat innerhalb weniger Tage gleich zwei hohe Auszeichnungen erhalten.

 Münchens Bürgermeister Hep Monatzeder überreichte Franke das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten für Verdienste ums Ehrenamt und Bezirkstagspräsident Josef Mederer zeichnete sie mit der Bezirksmedaille aus. Die Waldperlacherin kümmert sich nicht nur um den örtlichen AWO-Verein, sie hat sich stets sozial engagiert und sich unter anderem um ehemalige Häftlinge und um Obdachlose gekümmert.

Die beiden Auszeichnungen sind auch ein Spiegelbild des Engagements von Ilse Franke. Denn die Waldperlacherin engagiert sich an vielen Fronten. So ist Franke Gründerin des Ortsvereins Perlach-Waldperlach der Arbeiterwohlfahrt. Seit über 30 Jahren führt sie dort den Vorsitz. Mit ganzem Herzen setzt sie sich dabei für die älteren Menschen ein. Ihr jahrelanges ehrenamtliches Engagement sei von großer Menschlichkeit und Fürsorge geprägt, lobte Bürgermeister Hep Monatzeder in seiner Laudatio. Ihre Verdienste gingen jedoch weit über den normalen Einsatz im Ehrenamt hinaus. Als Leiterin des Altenclubs in Waldperlach unterstütze sie die Senioren ganz aktiv: kaufe ein, koche, putze und mähe auch mal den Rasen. Zudem habe Ilse Franke jahrelang mit großer Liebe und Fürsorge eine alte Dame aus ihrer Nachbarschaft gepflegt, obwohl sie aufgrund ihrer eigenen schweren Erkrankung Auszeiten zu bewältigen hatte, erzählte Monatzeder bei der Verleihung des Ehrenzeichens. 

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Bezirkstagspräsident Josef Mederer überreicht Ilse Frank die Bezirksmedaille. © Bezirk

Neben ihrer Tätigkeit im Verein war Franke auch jahrelang als Schöffin tätig und hat sich, durch diese Arbeit inspiriert, auch um entlassene Strafgefangene gekümmert und ihnen beispielsweise durch Sachspenden den Wiedereinstieg ins Berufsleben erleichtert.

Begonnen habe diese Hilfe bereits 1960. Damals gab es noch keine Bewährungshelfer. Zu dieser Zeit eröffneten Ilse Franke und ihr inzwischen verstorbener Mann in München ein Wohnheim für ehemalige Häftlinge. Ihre Fürsorge ging jedoch weit über die Bereitstellung eines Schlafplatzes hinaus. Die Frankes meldeten die Entlassenen an ihrer Privatadresse an. Zudem halfen sie ihnen bei der Arbeitssuche, indem sie oft persönlich bei Firmen vorsprachen. Auf Franke passe damit perfekt der Satz von Schriftsteller Christian Morgenstern „Zuhause ist da, wo man dich wieder aufnimmt, auch wenn du mal etwas falsch gemacht hast“, erklärte Bezirkstagspräsident Josef Mederer bei der Verleihung der Bezirksmedaille. 

Pioniere

Ilse Franke und ihr Mann seien ohne Übertreibung Pioniere auf dem Gebiet der Re-Sozialisierung gewesen, so Mederer. „Das Besondere war: Ihr Engagement war eine reine Privat-Initiative, die ohne öffentliche Zuschüsse zurechtkommen musste.“ Die Finanzierung stemmten die Frankes nämlich, indem sie Wohnschlafplätze an die Firma Krauss-Maffei vermieteten. Im Jahr 1964 lief jedoch der Mietvertrag des Gebäudes an der Schenkendorfstraße aus und das Wohnheim musste seine Türen schließen.

Doch das war nicht das Ende der Geschichte. Das Bedürfnis, Menschen am Rande der Gesellschaft zu helfen, blieb. Und so eröffneten die Frankes noch im selben Jahr ein Wohnheim in Berlin für Menschen aus drei Nationen. Bis 1971 lebten Ilse Franke und ihr Mann Tür an Tür mit ihren Schützlingen und wurden von ihnen bald „Mama“ und „Papa“ genannt. „Wer von wildfremden Menschen so angesprochen wird, hat ihnen mehr gegeben als nur ein Zimmer“, erklärte Mederer, „Mama und Papa – das steht für Geborgenheit, Familie und Zuhause.“ 

Rückkehr nach München

Nach dem Herzinfarkt ihres Mannes kehrte Ilse Franke nach München zurück. Dort kümmerte sie sich zwischen 1972 und 1987 um die Bewohner des Alten- und Pflegeheims, das heute Horst-Salzmann-Zentrum heißt. Und sie kümmerte sich weiterhin um Menschen am Rande der Gesellschaft. Von den Obdachlosen, denen sie, als sie beim MVV gearbeitet hat, oft warme Kleidung oder einen heißen Kaffee brachte, sei sie „U-Bahn-Engel“ genannt worden, erzählt Mederer. 

Noch immer steht Ilse Franke dem 1980 von ihr gegründeten AWO-Ortsverein als praktische Nothelferin vor. Und sie sammelt bis heute Kleidung für strafentlassene und obdachlose Menschen. 

„Für den Bezirk Oberbayern sind Sie eine Botschafterin der Mitmenschlichkeit“, so der Bezirkstagspräsident. Die Medaille sei ein Dankeschön und ein Zeichen der Wertschätzung.

Carmen Ick-Dietl

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