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Südanbindung wird nur ein Stummel

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Von der Südanbindung bleibt nur ein Stummel: Der neueste Vorschlag der Landeshauptstadt muss aber noch mit der Gemeinde Neubiberg verhandelt werden. © Grafik: LHM/Planungsreferat

Wenn es nach der Münchner Stadtplanung geht, dann soll von der geplanten Südanbindung nur noch der Stummelanschluss von der Unterhachinger Straße zum Gewerbegebiet Perlach-Süd bzw. zur Neubiberger Universitätsstraße realisiert werden.

Den restlichen Teil bis zur Carl-Wery-Straße will man sich lediglich als Option offen halten. Und die Verlängerung der Wilhelm-Hoegner-Straße soll gänzlich ad acta gelegt werden. 

Mit der Realisierung des Westabschnitts der geplanten Süd-anbindung Perlach (SAP) hätte die Stadt endlich eine problemlose Anbindung zum bestehenden Gewerbegebiet Perlach-Süd an der Bayerwaldstraße für den Schwerverkehr. Den Ostabschnitt will man nur noch als „optionale Maßnahme“ weiterverfolgen.

Neubiberg gefragt

Über diesen „Alternativ-Plan“ muss man sich jedoch erst noch mit der Gemeinde Neubiberg einigen. Fraglich, ob die dabei mitspielt. Denn die ausschließliche Realisierung des Westabschnitts hätte vor allem für die Stadt positive Effekte. Dabei ginge dieses Straßenstück zum größten Teil über Unterbiberger Gebiet. Dort befürchtet man, dass ohne den Ostabschnitt mehr Verkehr auf die weiterführenden Straßenverbindungen Zwerger- und Universitätsstraße zukommt. „Damit wälzt die Landeshauptstadt München den Problemverkehr zum Aus- und Aufbau und zur späteren Versorgung des so genannten Perlacher Tors auf Neubiberger Gebiet ab“, erklärte die Sprecherin der Neubiberger Grünen, Ute Hirschfeld, in der Perlacher Bezirksausschuss-Sitzung. Während sich die Grünen gegen jegliche SAP-Realisierung aussprachen, hat der Neubiberger Gemeinderat bereits vor einem Jahr für die Realisierung der Gesamt-SAP votiert.

Viele Möglichkeiten zur Erschließung des Perlacher Gewerbegebiets sind nicht mehr vorhanden. Denn der Durchstich der Wilhelm-Hoegner-Straße soll komplett gestrichen werden. Zur Umsetzung dieser Maßnahme bräuchte man dort auf zwei Kilometern bis zu elf Meter hohe Lärmschutzwände, erklärte Verkehrsplaner Harald Schnell. Denn Lärmschutz sei auch an der Naila- und Bayerwaldstraße nötig. Hinzu kommen ein „äußerst problematischer Straßenbau“ sowie ein Artenschutzproblem. 

Hochwasserschutz

Und die so genannte Münchner Lösung zur Anbindung des Gewerbegebiets, eine parallel zur Weidener Straße laufende neue Straße zwischen Unterhachinger- und Unterbiberger Straße soll nur „als Rückfallebene“ offen gehalten werden. Schließlich mache diese Lösung nur für die Weidener Straße Sinn, so Schnell, anderen Straßen bringe das keine Entlastung. Zudem sieht die Stadt den Eingriff in ökologische Vorrangsflächen und in die Überschwemmungsflächen des Hachinger Bachs als problematisch an. Auf jeden Fall sei das Grundstück für eine Bebauung – es gab laut Schnell bereits Anfragen dafür – gesperrt. Damit stehe es für den Fall des Scheiterns der Neubiberger Verhandlungen bzw. für eine anderslautende Stadtratsentscheidung zur Verfügung. 

Stattdessen will sich das Referat für die Weidener Straße bis zur Verkehrsfreigabe der West-SAP verkehrsordnende Maßnahmen einfallen lassen, versicherte Schnell. „Was soll das genau sein, es wurden bislang doch alle Maßnahmen abgelehnt“, wunderte sich Thomas Kauer (CSU).

Enttäuschung

Kauer zeigte sich wie der gesamte Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach äußerst enttäuscht von dem vorgelegten „Verkehrlichen Grundsatzbeschluss für den Münchner Südosten“. „Das ist aufgewärmter Kaffee, wofür haben Sie da vier Jahre gebraucht“, fragte Thomas Kauer (CSU). Viele kritische Verkehrspunkte des Stadtbezirks wie beispielsweise der Autobahnknoten Ramersdorf, ein eventueller Anschluss der Hochäckerstraße an die Autobahn, Entlastungsmaßnahmen für Pfanzelt- und Hanns-Seidel-Platz oder die Idee einer Stadt-Umland-Bahn würden fehlen. „Das ist nur eine abgespeckte SAP, sonst nichts“, so Markus Blume (CSU) kopfschüttelnd. Zudem sei es nur vom Konzept aus dem Jahr 2006 abgeschrieben. „Sie haben uns da nur einen Knochen hingelegt, an dem wir weiter nagen dürfen.“ Blume riet dem Referat, das Konzept ganz schnell wieder einzupacken und sich nochmals dranzusetzen. „So ist es eine absolute Null-Lösung.“ 

Oberflächlichkeit

Auch Guido Bucholtz, Sprecher der Perlacher Grünen, monierte Oberflächlichkeit. „Warum gibt es keinen Planfall mit einer anderen Anbindung der Bundeswehr-Universität?“ In der Vorlage fehle eine Stellungnahme des Landesamts für Denkmalpflege, das auf der SAP-Trasse historische Funde vermute, ebenso wie eine Aussage, ob das Raumordnungsverfahren von 1994 überhaupt noch Gültigkeit habe. 

Eigene Vorlagen

Man habe sich tatsächlich nur mit der Südanbindung Perlach, der Wilhelm-Hoegner-Straße näher befasst, bestätigte Verkehrsplaner Harald Schnell. Für die geplanten Maßnahmen rund um den Hanns-Seidel-Platz, den Dorfkern Ramersdorf und eine eventuelle Beseitigung der Bahnübergänge an der Unterhachinger- und Fasangartenstraße werde es eigene Vorlagen geben. Die gemeindeübergreifenden Gespräche seien langwierig und schwierig, so Schnell. In erster Linie beschäftige man sich hier mit Finanzierungen. „Das ganze Paket muss neu verhandelt werden.“

Vier Jahre warten

Größter Zündstoff war die Vorlage selbst. Vier Jahre lang hatte die Stadt das Verkehrskonzept immer wieder aufgeschoben und den BA vertröstet. Eine Woche vor der jüngsten BA-Sitzung trafen die Unterlagen dann überraschend beim Stadtteilgremium ein. Stellungnahme bitte innerhalb von 14 Tagen, damit das Konzept noch im Dezember dem Stadtrat vorlegt werden könne, heißt es im Anschreiben des Planungsreferats. „Das ist der Oberhammer“, schimpfte BA-Chefin Marina Achhammer (SPD), „wie stellt sich die Stadtspitze eigentlich unsere Arbeit als ehrenamtliche Hobby-Politiker vor?“ Planungsreferentin Beate Merk darf sich deshalb auf einen geharnischten Brief aus Perlach freuen. Dem BA hatte so was jedoch schon geschwant, deshalb hatte man sich noch im August ausdrücklich eine sechswöchige Bearbeitungsfrist zusichern lassen. Auf diese Frist pocht man nun. Dann müsse die Stadtratsbefassung halt vertagt werden. Carmen Ick-Dietl

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