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Sicherheitsrisiko Perlacher Bahnhof

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In Perlach ist ein zweijähriges Mädchen von der S-Bahn erfasst worden. Das Kind war über ein Loch im Zaun und einen Trampelpfad auf die Gleise am S-Bahnhof Perlach geraten. Der tragische Unfall wirft viele Fragen auf. © Charly D

In Perlach ist vergangene Woche ein zweijähriges Mädchen von der S-Bahn erfasst worden. Die Kleine war über ein Loch im Zaun und einen Trampelpfad auf die Gleise am S-Bahnhof Perlach geraten.

Es ist genau der Weg, den viele Anlieger und Beschäftigte täglich als Abkürzung ins Gebiet rund um die Hofer Straße nutzen. Denn eine Anbindung des Perlacher Bahnhofs nach Süden wird trotz vieler Vorstöße seit Jahren abgelehnt.

Wäre es zu dem Unglück auch gekommen, wenn es den Trampelpfad und den beschädigten Zaun zwischen den Bahngleisen und dem Parkplatz an der Hofer Straße nicht gegeben hätte? Wenn es hier einen sicheren Zugang zum S-Bahnhof Perlach geben würde? Wären die aus der Betreuung der Kindergärtnerinnen ausgebüxten Kinder dann überhaupt auf den Bahndamm gekommen? Solche Fragen kommen nach dem dramatischen Unglück des kleinen Mädchens in Perlach auf.

Jahrelanger Kampf

Fakt ist, dass Stadtteilpolitiker und Stadträte seit Jahrzehnten um den Ausbau des S-Bahnhofs Perlach kämpfen. Dabei geht es zum einen um einen barrierefreien Zugang zu den Bahnsteigen, zum anderen um eine Anbindung des südlich gelegenen Gewerbegebiets rund um die Hofer 

Straße.

Bereits 1992 hatte der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach die Verlängerung der bestehenden Bahnsteigunterführung nach Süden in Verbindung mit einem barrierefreien Ausbau gefordert. Derzeit gibt es an dem Bahnhof nur einen einzigen, nicht barrierefreien Zugang vom Stephensonplatz aus dem Nordwesten. Ein südseitiger Zugang würde zwar die Attraktivität des S-Bahnhalts steigern, hieß es damals vom MVV, allerdings sei das Fahrgastaufkommen in Perlach zu gering.

Vergebliche Hoffnung

In den Folgejahren scheiterten alle weiteren Bemühungen für eine Erschließung des S-Bahnhofs von Süden. 2002 dann ein Hoffnungsschimmer: Die Bahn stellte Pläne für einen Um- und Ausbau vor – mit einer direkten Anbindung an das Gebiet im Süden. Doch dann fiel Perlach wieder aus dem Bauprogramm raus.

Schlechte Aussichten

Trotz vieler Vorstöße vom Bezirksausschuss, von Stadträten und Landtagsabgeordneten der SPD und CSU ist eine baldige Abhilfe der Situation derzeit nicht in Aussicht. Aktuell rangiert der S-Bahnhof Perlach beim Ausbauprogramm von MVV und Freistaat nur im hinteren Mittelfeld. Geredet wird auch nur noch über die Barrierefreiheit. Die Erschließung des Gewerbegebiets an der Hofer Straße ist offenbar kein Thema mehr. Obwohl die Bebauung dort längst um ein Vielfaches gewachsen ist und zahlreiche Unternehmen wie beispielsweise die Münchner Direktion der AOK und die Modefirma März dort ihren Firmensitz haben. Dabei könnte man laut Stadt für die Erschließungsverbesserung Finanzmittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsfond abrufen. 

Deshalb weist das Planungsreferat in einer für November geplanten Stadtrats-Vorlage aufgrund eines Bürgerversammlungsantrag explizit darauf hin, dass der Umweg über den etwa 120 Meter entfernten Bahnübergang an der Unterbiberger Straße von den Fahrgästen „als zu weit und unattraktiv“ angesehen wird. Die Folge wäre „ein illegales und gefährliches Überschreiten der Gleise“!

Polizeikontrollen

Das ist jedoch in Perlach längst Fakt. Immer wieder sind Personen zu beobachten, die vom Bahnsteig springen, über die Gleise laufen und auf einem Trampelpfad und über kaputte Zäune Richtung Hofer Straße verschwinden bzw. aus dieser Richtung zum Bahnhof kommen. Das weiß auch die Bahn. Deshalb wird der Bahnhof in Perlach seit Jahren immer wieder von der Bundespolizei, die die Münchner Bahnanlagen sichert, kontrolliert. 

Aus Sicht der Stadt sollte der Ausbau des S-Bahnhofs Perlach im Hinblick auf die zusätzlichen Finanzmöglichkeiten nochmals geprüft werden. Denn das könnte die Zugänglichkeit des Bahnhofs auch von Süden und Norden verbessern. 

Der CSU-Landtagsabgeordnete Markus Blume informierte seine Kollegen im Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach zudem darüber, dass für den Bahnhofsausbau ein Nachfolgeprogramm der Bayerischen Staatsregierung gebe. Weil die nächsten Bahnhöfe, die mit diesem Geld umgebaut werden sollen, jetzt bestimmt würden, sollte die Stadt München hier umgehend in Verhandlungen mit dem Wirtschaftsministerium treten. „Eine Chance ist vorhanden“, glaubt Blume.   Carmen Ick-Dietl

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