Die Pläne für das neue „Werksviertel“

Kultur statt Kult

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Für das Gelände, auf dem sich derzeit noch die Kultfabrik befindet, gibt es jetzt detaillierte Pläne. Aus der Feiermeile soll ein Kultur- und Theaterviertel werden.

Werksviertel München – das ist der neue Name für geplante Gebiet zwischen Rosenheimer-, Frieden-, Mühldorfer- und Aschheimer Straße, auf dem derzeit noch die Kultfabrik und andere Freizeit-Betriebe stehen. 

Vorgelegt wurde vergangene Woche aber nicht nur ein neuer Titel, es wurden auch Detailpläne für das 38 Hektar große Gelände vorgestellt.

ROST – so hießen jahrelang die Planungen für das Areal der ehemaligen Pfanni- und Optimol-Werke in Berg am Laim. Auch wenn die Pläne inzwischen tatsächlich schon Patina angesetzt hatten, ROST war schlicht die Abkürzung für „Rund um den Ostbahnhof“. Nun also ein neuer Name: Werksviertel München. 

Phönix aus der Asche

Die Umbenennung ist eine deutliche Willensbekundung: Die neun Eigentümer wollen endlich mit der Bebauung des Gebiets am Ostbahnhof loslegen. Dabei setzt man ganz bewusst auf einen starken Bezug zur Historie der Flächen. Denn einst gab es hier neben der Knödel-Fabrik Pfanni und dem Schmierstoffhersteller Optimol auch noch den Motorroller-Hersteller Zündapp, das Bekleidungswerk Konen und andere Betriebe. „Diese spannende Tradition wollen wir nun weiterentwickeln und zu einem einzigartigen Zukunftsviertel formen“, erklärt Johannes Ernst von Büro Steidle Architekten, der den Masterplan fürs neue „Werksviertel“ erstellt hat. „Wo Neues entsteht, darf Altes erhalten bleiben“, so der Planer. Ein Ansatz, den Stadtbaurätin Elisabeth Merk lobt. „So wirkt die Geschichte des Viertels fort und es entsteht ein unverwechselbares Quartier, das eine Bereicherung für den Münchner Osten ist.“ 

Die Neubebauung kommt nicht auf ein „leeres Reißbrett“, so Ernst. Einige Pfanni-Werksgebäude sollen stehen bleiben und um architektonische Highlights ergänzt werden. So erhält die Kunsthalle WhiteBox den alten Namen „Werk 3“ zurück und wird mit einem vorgesetzten Fassadenelement zum chicen Loftgebäude, in dem Künstler und Kreative, Showrooms und Ladenflächen für Design, Kunstbedarf und Mode unterkommen sollen. Wie ein Ufo landet auf dem Dach ein edles Restaurant mit Rundum-Blick. Der Parkplatz vor der WhiteBox verschwindet in den Untergrund. 

Das alte Kartoffel-Silo wird aufgestockt und zum Vier-Sterne-Hotel umgebaut. Erhalten bleibt auch die Kletterhalle direkt daneben. Tonhalle und Nachtkantine mitsamt ihren Bühnen werden gespiegelt, damit die Eingänge auf die andere Seite verlegt werden können – weg von der Wohnbebauung. Die Hallen werden durch weitere Veranstaltungsräume wie beispielsweise ein Technikgebäude ergänzt. Darunter schweben Werner Eckart, Sohn von Pfanni-Chef Otto Eckart, unter anderem zwei Keller-Clubs für Jazz und Rock vor, dazu jede Menge Übungsräume für Musiker. „So wie es sie früher in Schwabing gegeben hat.“ Zudem würde er gerne ein Programmkino im Geviert ansiedeln. 

Mehrgenerationen-Projekt

Die Ausrichtung der neuen Restaurants, Läden, Bars und Treffpunkte ist klar: Weg von der heutigen durch die Jugend geprägten „Kultfabrik“, hin zu einem niveauvollen Kultur- und Nachtleben für alle Altersgruppen.

Ein Grünzug trennt Leben von Wohnen. Hier soll neuer Wohnraum für über 2.000 Menschen in rund 1.000 Wohnungen entstehen. Verschiedene Wohnformen werden so gemischt, dass ein Miteinander aller Generationen möglich ist. „Das neue Viertel soll Heimat werden für Familien, für Alleinstehende, für Jung und Alt“, so Johannes Ernst. Auch optisch soll es kein Einheitsbrei werden. Unterschiedliche Höhen, verschiedene Farben und Fassaden sollen Lebendigkeit vermitteln.

Attraktiver Standort 

Das Thema im dritten Abschnitt heißt Arbeiten. Rund ein Viertel des Gesamtareals – vor allem im Besitz der Firma Rohde und Schwarz – ist für neue Gewerbeflächen vorgesehen. Hier sollen rund 10.000 Arbeitsplätze entstehen. Große Dienstleister, aber auch junge Startups und kleine Mittelständler sollen optimale Rahmenbedingungen für unternehmerischen Erfolg finden. Durch die perfekte Anbindung an den öffentlichen Nah- und Fernverkehr ist das Gebiet aus Sicht der Planer bereits heute ein idealer Standort für Unternehmen mit hohem Bedarf an Arbeitskräften. 

Nach Aussagen von Eckart gibt es bereits großes Interesse. So will auf seinem Areal offenbar der Musikkonzern Sony einziehen und der renommierte Schulbuch-Verlag Oldenbourg habe sich bereits ein Haus reserviert. Auch für die Hotels – an der Friedensstraße soll noch ein Zwei-Sterne-Hotel entstehen – gibt es laut Eckart einige Anfragen. 

Im Dialog mit den Anwohnern

Der Nachbarschaft von Wohnen und Arbeiten schafft in den Augen der Planer kurze Wege – auch zu den wichtigen Verkehrsadern Münchens. Im Strukturkonzept sind daher nur 13 Prozent der Fläche für den Straßenverkehr vorgesehen. Die Grafinger Straße erhält eine neue Führung. Sie soll künftig auf der Haager Straße verlaufen und erst vor der Aschheimer Straße wieder auf ihren derzeitige Route einschwenken. 

Schon nächsten Monat soll es die erste öffentliche Bürgerbeteiligung zu den Planungen geben. Ein Satzungsbeschluss des Stadtrates zum Bebauungsplan könnte dann Ende 2014 erfolgen. Danach ist mit dem Baubeginn für Straßen, Park und erste Neubauten zu rechnen. Der Umbau und die Umnutzung von Bestandsgebäuden sollen bereits vorher starten. So will Eckart bereits im Mai mit ersten Arbeiten an der WhiteBox bzw. Werk 3 beginnen. Die neun Eigentümer setzen auf einen intensiven Dialog mit Nachbarn und Interessierten. In der WhiteBox an der Friedenstraße 14 wurde eigens ein „Forum“ eingerichtet, in dem Planskizzen und Modelle gezeigt werden. Außerdem gibt es eine Website www.werksviertel.de und ein Bürgertelefon mit zusätzlichen Informationen und Kontaktmöglichkeiten. Carmen Ick-Dietl


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