Die Olympischen Spiele als Motor für den Neubau / Tag der offenen Tür

Klinikum Neuperlach wird 40 Jahre

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Die Baustelle für das Klinikum Neuperlach in den Jahren 1969 bis 1972.

Ende der 1960er Jahre kommt es in München zu einem Bauboom. Auslöser ist die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees für München als Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1972.

Doch nicht nur Sportanlagen und U-Bahn werden gebaut, mit Neuperlach wird ein ganzer Stadtteil neu errichtet – und auch ein neues Krankenhaus, das Klinikum Neuperlach, das jetzt 40 Jahre alt wird.


Der neuen Klinik liegt ein neues Baukonzept zugrunde. In Neuperlach soll die Bettenzahl pro Zimmer gering gehalten werden. Die geplanten 684 Krankenbetten werden auf 299 voll klimatisierte Ein-, Zwei- und Dreibettzimmer mit zum Teil eigenen Sanitärzellen und Telefonanschlüssen verteilt.

Bauliche Einschränkungen sind allerdings durch den nur fünf Kilometer entfernten Flughafen München-Riem gegeben. Das Gebäude darf eine Höhe von 30 Metern nicht überragen. Die Planungen sehen deshalb die Verteilung der Krankenzimmer auf drei Gebäudearme vor, die nach Osten, Westen und Süden ausgerichtet und von dem mittigen Zentraltrakt schnell zu erreichen sind. Nach Norden schließt sich in einem breitflächigen Bauteil der Behandlungstrakt an.

Ein ehrgeiziger Zeitplan

Mit dem Baubeginn im Jahr 1969 ist die Bauzeit auf maximal drei Jahre befristet. Doch trotz aller Anstrengungen kann der ehrgeizige Zeitplan nicht ganz eingehalten werden. Zu den Olympischen Spielen stehen aber immerhin 350 Betten und ein voll funktionsfähiger Operationssaal für chirurgische Nothilfe bereit. In Betrieb genommen wird das Krankenhaus München Neuperlach am 12. September 1972. Die offizielle Eröffnung findet am 6. Dezember 1972 durch den damaligen Münchner Oberbürgermeister Georg Kronawitter statt. Die Gesamtkosten für den Krankenhausbau belaufen sich auf 93,24 Millionen DM.

Spitzenposition

Mit dem neuen Krankenhaus nimmt München mit seiner Krankenversorgung in der Bundesrepublik die Spitzenposition ein. In München gibt es ein Krankenbett auf 100 Einwohner.

Planungen gehen weiter

Doch die Planungen gehen schon weiter und das Klinikum Neuperlach wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch ausgebaut. 1975 wird auf dem Gelände ein neues Gebäude mit 190 Betten eröffnet. Es dient zunächst als Nachsorgehaus. 1978 wird es in ein weiteres Bettenhaus umgewandelt und beherbergt seit 1993 die Gefäßchirurgische Abteilung und das Geriatrische Zentrum.

Krankenhaus mit Modellcharakter

Dem Krankenhaus München-Neuperlach liegt ein neues Organisationsmodell zugrunde. Es ist, wie schon seine zentralisierte Bauweise zeigt, von der Münchner Krankenhausreform geprägt, die durch klare Betriebsstrukturen auf Kosteneinsparung im Gesundheitswesen zielt. Das Haus ist zum damaligen Zeitpunkt in drei Zentren gegliedert: Das Konservative Zentrum umfasst die Innere Medizin und die Onkologie. Das Operative Zentrum vereinigt die Fachrichtungen Chirurgie, Physikalische Therapie, Gefäßchirurgie, Gynäkologie und Anästhesie. Und im Biologisch-Technischen Zentrum sind die Fachrichtungen Röntgen- und Isotopendiagnostik, Klinische Chemie, Immunologie und Pathologie untergebracht.

Der Trend in der Medizin geht mehr und mehr dahin, die Grenzen der Disziplinen zu überschreiten und Kontakte zu Nachbarthemen zu suchen. So besteht am Klinikum Neuperlach seit 1994 die erste gastroenterologische-viszeralchirurgische Station in Deutschland: Hier verbinden die Mediziner die operative Behandlung des gesamten Verdauungstraktes interdisziplinär mit der Gastroenterologie.

Auch in der ambulanten Versorgung hat das Klinikum Neuperlach eine Vorreiterrolle inne. Drei Tageskliniken werden errichtet. Je nach Behandlungsbild kommt der Patient über einen längeren Zeitraum zur Behandlung tagsüber ins Klinikum und kann abends wieder in sein gewohntes Umfeld nach Hause.

Fit für die Zukunft

Um den heutigen Ansprüchen gerecht zu werden, wurde vor der Jahrtausendwende begonnen, das Klinikum Neuperlach nicht nur strukturell sondern auch optisch fortschrittlich zu gestalten. 1996 wird im Zuge der Sanierung der Eingangshalle eine Cafeteria integriert.

Veränderungen

Nach 2000 finden die größten Veränderungen seit Errichtung des Klinikums statt. Ein Anbau über drei Ebenen schafft über 1000 Quadratmeter mehr Platz für Diagnostik und Therapie. Der OP-Bereich wird komplett erneuert. Sieben hochmoderne OP Säle und ein neuer Aufwachraum mit zehn Betten werden in Betrieb genommen.

Neue Funktionseinheiten für die internistischen Abteilungen sind Teil der Sanierung. So sorgt zum Beispiel die modernste Aufbereitungsanlage Münchens für die hygienische Qualität der flexiblen Endoskope. Als erste Gastroenterologie in Deutschland gelang der Abteilung 2004 in einer Sitzung die komplette endoskopische Untersuchung des gesamten Dünndarmes.

Ein neuer Herzkathetermessplatz, Laborräume und ein hochleistungsfähiger Kernspintomograph komplettieren die Neuerungen. 

Die neue Fassade gibt dem Krankenhaus ein modernes Außenbild, innen erhellt ein Atrium mit Glasdach den Eingangsbereich und die darüber liegenden Ebenen. 2005 wird der Bereich der Notaufnahme renoviert, auch hier findet eine Erweiterung statt.

2. Bauabschnitt

Start für den zweiten Bauabschnitt war das Jahr 2009. Dieser wird voraussichtlich 2014 beendet sein. In diesem Bauabschnitt werden alle Patientenzimmer renoviert. Es entstehen mehr Ein- und Zweibettzimmer. Jedes Zimmer erhält eine eigene Nasszelle mit Dusche und Toilette. Die drei äußeren Flügel erhalten ebenfalls eine neue Fassade, die auch zur besseren Wärmeisolierung dient.

Nach Beendigung aller Umbauarbeiten ist das Klinikum Neuperlach im Jahr 2015 eines der modernsten Krankenhäuser Münchens.

Tag der offenen Tür

Anlässlich des 40. Geburtstages lädt die Klinikleitung alle Münchner herzlich zu einem Tag der offenen Tür am Samstag, 15. September, ein. Von 10 bis 17 Uhr können die Besucher am Oskar-Maria-Graf-Ring 51 Vorträge zu verschiedenen Erkrankungen und aktuellen Behandlungsmethoden hören sowie an Führungen durch die Röntgenabteilung und eines Operationssaales teilnehmen. Für Kinder gibt es zusätzlich eine Besichtigung der Notaufnahme und eines Rettungswagens.

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