Klinikum Neuperlach: Mittlerweile insgesamt 164 Bäume von Fällung betroffen

Kahlschlag für Helikopterlandeplatz

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Auf dem Gelände des Neuperlacher Krankenhauses müssen 164 Bäume gefällt werden, sonst droht der Verlust der Landegenehmigung für Hubschrauber.

Im Januar wurde noch über 68 Baumfällungen geredet (HALLO berichtete), tatsächlich müssen nun 164 Bäume gefällt werden, damit der Hubschrauber-Landeplatz am Klinikum Neuperlach in voller Form erhalten bleiben kann. Im Hintergrund stehen dabei auch wirtschaftliche Interessen.

Es ist noch schlimmer als es aussieht, hatte die Baumschutzbeauftrage des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach, Andrea del Bondio (SPD) vergangenen Monat orakelt, als über die 68 Bäume gesprochen wurde, die wegen des Hubschrauber-Landeplatzes am Neuperlacher Krankenhaus gefällt werden müssten. Sie sollte Recht behalten. „Es hat sich eine 1 davor gesetzt“, informierte Del Bondio auf der jüngsten Sitzung zum Entsetzen ihrer Kollegen. 164 Bäume müssen insgesamt weg, 150 davon unterliegen der Baumschutzverordnung.

„Hat denn keiner gemerkt, dass da Bäume wachsen“, fragte BA-Chefin Marina Achhammer (SPD) kopfschüttelnd. Andreas Zerbs vom Gebäudemanagement des Klinikums gestand Versäumnisse ein. Außerdem gäbe es veränderte Vorgaben. So sind die Anflugwinkel für die Helikopter mittlerweile flacher geworden als in der Ursprungsgenehmigung aus den 70er Jahren definiert. „So wie der Landeplatz heute besteht, würde er gar nicht mehr genehmigt.“

Warum es denn so lange gedauert habe, bis nun reagiert wurde, wollte Achhammer wissen. Denn bereits seit Mai 2012 darf der Hubschrauber-Landeplatz Ecke Putzbrunner Straße/Karl-Marx-Ring nur noch in Notfällen angeflogen werden (HALLO berichtete). Planbare Verlegungsflüge mit Patienten dürfen hier seitdem nicht mehr durchgeführt werden. Das Luftamt Südbayern hatte bei Prüfungen zur Verlängerung der Landelizenz festgestellt, dass der aktuelle Baumbestand den Anflügen im Weg steht. Teilweise würden bis zu 20 Meter hohe Bäume in die Ab- und Abflugbereiche ragen.

Keine Rückmeldung

Man sei nicht untätig gewesen, verteidigte sich Zerbs. Doch von der bundesweit agierenden Fachfirma, die seit drei Jahren auch fürs Münchner Klinikum tätig sei, sei trotz der Sperrung keine Rückmeldung gekommen. „Im September sind wir dann selbst tätig geworden.“ Inzwischen habe er erfahren, dass bundesweit etwa 60 Kliniken vor demselben Problem stehen, so Zerbs.

Die Hubschrauberflüge am Neuperlacher Krankenhaus würden sich zur Hälfte aus Notfällen, zur anderen Hälfte aus planbaren Fällen zusammensetzen, erläuterte Klinikleiterin Christa Gottwald. So lande beispielsweise ein Patient, der für eine Herztransplantation in Großhadern vorgesehen sei, für kurze Zeit in Neuperlach, wenn die Intensivstation in Großhadern voll sei. Ähnliche Kooperationen gibt es noch mit zahlreichen anderen Kliniken. „Wenn wir diese Patienten nicht mehr behandeln können, würden wichtige Erlöse fehlen“, so Gottwald. Das hätte extreme wirtschaftliche Folgen für das Haus. Eventuell müsste man dann sogar sein Spektrum ändern. Dabei wächst die Unfallchirurgie in Neuperlach. In Kürze soll dort ein Trauma-Zentrum eröffnen. 

Die Bäume nicht zu fällen und damit die Hubschrauber-Lizenz zu verlieren, ist also ebenso wenig eine Alternative, wie nur eine geringere Anzahl zu fällen und damit die Anflugschneisen zu reduzieren. Die Idee, die Helikopter auf dem Dach landen zu lassen, fällt ebenfalls weg. „Das Gebäude ist statisch am Limit, zudem fehlen notwendige Aufzüge“, so Zerbs. Und einen anderen geeigneten Landeplatz mit kurzer Anbindung ans Klinikgebäude gibt es innerhalb des Geländes auch nicht. 

Die Stadtteilpolitiker sorgten sich, wie sich die fehlenden Bäume in punkto Lärm auf Krankenhaus und Umfeld auswirken könnten. „Nach unserer Einschätzung wird sich für die Anwohner wenig ändern“, so Zerbs. Die Bäume auf dem Wall entlang der Putzbrunner Straße – einem der Hauptkorridore – würden stehen bleiben. Das Krankenhaus selbst erhalte derzeit eine neue Fassade und neue Fenster, beides werde zur Schallminderung beitragen. 

Für circa 90 der gefällten Bäume wird es auf drei Flächen innerhalb des Klinikgeländes Ersatzpflanzungen geben, informierte Zerbs. Einige würden an die Enden der Flugkorridore gesetzt, das habe das Luftamt ausdrücklich erlaubt.    Carmen Ick-Dietl

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