Stadt informiert über Planungsfortschritt

Hachinger Bach erstrahlt bald in voller  Pracht 

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Am Reissbrett ist schon alles klar: Der Hachinger Bach soll auf 2.600 Metern Länge renautiert und aus der Röhre befreit werden – nach 70 Jahren. Daniela Schaufuß informierte im Pavillon inmitten des Michaeliangers über die Details des Großprrojektes. Direkt darunter soll in wenigen Jahr der Bach gurgeln.

„Ja, ein Wasserlauf, der fehlt hier noch!“ Jener Berg am Laimer Senioren-Radfahrergruppe, die an diesem sonnigen Montagvormittag den schmucken und grünen Michaelianger in Berg am Laim durchquert, kann wohl bald geholfen werden. 

Der Hachinger Bach „klopft“ immer stärker vernehmbar an die Oberfläche. 


Daniela Schaufuß, Leiterin der zuständigen Hauptabteilung im Münchner Baureferat, informierte in dieser Woche an Ort und Stelle über den aktuellen Planungsstand zur Freilegung des Hachinger Bachs auf einer Strecke von rund 2.600 Meter des Wasserlaufs  zwischen der Kampenwandstraße und dem Hüllgraben. In etwa vier Wochen soll nach ihren Worten das derzeit laufende Planfeststellungsverfahren für das rund 10,5 Millionen Euro teure Großprojekt mit dem sogenannten Planfeststellungsbescheid abgeschlossen sein. Stimmt der Münchner Stadtrat der seit Jahrzehnten von der örtlichen Politik geforderten Maßnahme im kommenden Frühjahr endgültig zu, könnte der Bach in einer voraussichtlich rund zweijährigen Bauzeit ab 2014 endgültig an die Oberfläche geholt werden. Positiv für die Stadt: rund 75 Prozent der Kosten für diese Renaturierung dürfte der Freistaat Bayern übernehmen. „Wenn wir rechtzeitig mit der Planfeststellung fertig sind“, so Schaufuß. Doch daran werde  es  nicht scheitern. Man wird das gerne hören in Berg am Laim. Dort wo das Bachbett zwar seit Jahren ausgehoben ist, das quirlige Nass aber derzeit noch von den vielen Parkflaneuren vermisst wird.

Details

Nachdem der Hachinger Bach im Abschnitt zwischen der Versickerungsanlage  Kampenwandstraße im Süden  und dem Hüllgraben weiter nördlich  auf seinem Weg durch die neue zentrale Grünoase des Michaeliangers 70 Jahre lang freudlos in einem unterirdischen Betonrohr gefangen war, soll er nun also endlich ans Tageslicht gelangen:  ein naturnaher Bachlauf soll entstehen, der sich laut Schaufuß in das umgebende Landschaftsbild „einschmiegt“. Geplant ist eine harmonische Linienführung mit wechselnden Fließgeschwindigkeiten inmitten der rund 14 ha großen Grünflächen. Ein rund 3.500 Quadratmeter großer Weiher im Südteil des Bachlaufs zwischen Josephsburg- und St.-Michaelstraße, Spielanlagen und sogar ein eigener Kneippbereich zwischen Baumkirchner und Truderinger Straße in der Nordzone sollen das Ensemble bereichern. Vier Ost-West-Durchlassschneise an den größeren Straßenkreuzungen sowie drei Fuß- und Radwegbrücken sollen die Durchlässigkeit des Geländes sichern. Die schwierigen Querungsbeziehungen an der Josephsburg-, Kreiller- oder Truderinger Straße sollen laut Schaufuß „abschnittsweise und auf keinen Fall gleichzeitig realisiert werden“, um für den  Fahrverkehr temporär Ausweichrouten zu belassen. 

Sonderfall rund um die Hachinger-Bach-Straße

Sonderfall der Planungen ist der Umgriff des gültigen Bebauungsplans 1725 rund um die Hachinger-Bach-Straße im  Süden des Planungsareals. Hier war wegen der örtlichen Wohnumgebung strittig, welcher Gestalt hier die künftige  Bachüberquerung sein sollte – Verkehrliche Nutzung contra Grüncharakter lauteten auch im Bezirksausschuss Berg am Laim die unterschiedlichen Schwerpunktgewichtungen. „Es wird eine Fuß- und Radwegsbrücke sein, die auch die Tragfähigkeit für Rettungsfahrzeuge aufweist, aber für den herkömmlichen Pkw-Verkehr gesperrt bleibt“, so Schaufuß. Solle dies geändert werden, wäre eine Änderung des dort gültigen Bebauungsplans notwendig.

Orte zum Verweilen

Neben der Anbindung der vorhandenen Wegebeziehungen erhält der in einem umweltfreundlichen Lehmbett abgedichtete Hachinger Bach auch einen bachbegleitenden Weg, der die Wasserader mit dem Freiraumsystem im Umfeld vernetzen soll. Begleitet wird der Bach auch von einem neu gestalteten Grünzug. Entlang der Ufer sollen vorwiegend extensive Wiesen- und Gehölzsäume einen durchgängigen Freiraum unterschiedlicher Geländecharaktere und Nutzungsintensitäten generieren. Entlang des Weges am Bach dürften sich dem Flaneur, Besucher und Passanten vielfältige Orte zum Verweilen bieten: Rodelhügel und Weiher, Spiel- und Auenwiesen, Kneipp- und Spielplätze. Lichte Baumhaine sollen den Park räumlich zur umgebenden Bebauung abgrenzen. „Dem Ziel, Münchner Gewässer und Stadtbäche wiederzubeleben und zu renaturieren, kommen wir mit der Öffnung des Hachinger Bachs einen großen Schritt näher“, gibt sich Daniela Schaufuß optimistisch. „Mitsamt einer Steigerung des Erholungswertes für Anwohner und Besucher der Grünanlage am Michaelianger“.  Nicht nur die radelnden Senioren werden das gerne hören. Nach  70 Jahren soll der Bach endlich wieder an die Oberfläche. Könnte er applaudieren, würde er sicher beifällig gurgeln. Harald Hettich  


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