Umbau der Baumkirchner Straße weckt Widerstand der Geschäftsleute 

Gegen einen Ostpark im Zentrum 

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Eine Ortsmitte ohne ausreichend Parkplätze funktioniert nicht: Angela Buckenauer sammelt deshalb reichlich Unterschriften für den Erhalt möglichst vieler Stellplätze – gerade auch im Bereich des Grünen Marktes. Foto: Harald Hettich

Der Umbau der Baumkirchner Straße in Berg am Laim ist derzeit in vollem Gange – nach dem Nordabschnitt, der in diesen Tagen umstrukturiert wird, ist im kommenden Jahr der besonders diffizile Mittelabschnitt zwischen der Neumarkter und der Kreillerstraße an der Reihe. 

Die Planungen sehen eine Aufwertung zugunsten der Fußgänger und Radfahrer, eine umfangreiche Begrünung und neue Radwegebeziehungen vor. Doch wirklich glücklich mit den umfangreichen Planungen sind die örtlichen Geschäftsinhaber inmitten dieses Stadtteilzentrums nicht. Ihre  Kritik richtet sich vor allem gegen einen eklatanten Verlust von Parkplätzen in diesem Bereich, wie er in den Planungen vorgesehen ist. Nur 28 der derzeit 70 Stellpllätze sollen nach den Planungen der Stadt erhalten bleiben, der Rest wegfallen. Zudem gestrichen werden sollen auch jene inoffiziell genutzten Parkflächen am Saum des Behrparks. Der Unmut der Ladeninhaber wurde in der jüngsten Sitzung des Berg am Laimer Bezirksausschusses überdeutlich. Bedenken, die allerdings nicht vom gesamten BA unterstützt wurden. Mehr Licht ins Planungs-Dunkel soll jetzt eine Informationsveranstaltung zum Umbau dieses Mittelabschnittes der Baumkirchner Straße bringen, die am Mittwoch, 17. Oktober, ab 18.30 Uhr im Pfarrsaal von St. Michael an der Baumkirchner Straße 26 stattfinden wird. 

Die Liste gegen den Planungsrotstift wächst beständig an

Doch die Kritikerfront formiert sich bereits jetzt. Angela 

Buckenauer betreibt seit fast drei Jahrzehnten ein Haar- und Nagelstudio im zentralen Bereich der Baumkirchner Straße. Bereits zur BA-Sitzung vor Wochenfrist hatte sie 25 Unterschriften für den Erhalt der Parkplätze gesammelt und an den örtlichen BA-Vorsitzenden Robert Kulzer (SPD) übergeben. „Wir führen derzeit sogar eine Kundenbefragung durch – die Leute halten gar nichts vom Wegfall der Parkflächen“, erklärt sie gegenüber HALLO. Ein attraktiver Umbau der Zentrumsmeile sei ja durchaus positiv, meint sie. Buckenauer und andere Geschäftsleute vor Ort fürchten aber durch die jetzige Planung vor allem drastische Geschäftseinbußen. „Wir haben hier nicht nur Laufkundschaft aus der Umgebung – die Leute von weiter her, die hier auch andere Ladengeschäfte aufsuchen,  sind auf die Parkplätze angewiesen.“ Ihre Liste gegen den Planungsrotstift wachse beständig an, erklärt sie. Nicht verstehen könne man seitens der Geschäftsleute vor Ort, dass etwa der Vorplatz des Behrparks nun auch noch Park werden solle. „Warum wird ein Park vor dem Park arrangiert – das ist doch widersinnig. Die Leute sollten vielmehr endlich den Behrpark selbst stärker nutzen“, argumentiert sie. Dann könne man die Parkplätze am Grünen Markt davor auch belassen und müsse diesen Bereich nicht auch noch begrünen. 

Kein zweiter Ostpark

Auch andere Geschäftsleute artikulieren dieser Tage ihren Unmut, wie auch im BA. „Einerseits will das Programm Soziale Stadt die Geschäftswelt vor Ort stärken – jetzt werden wir durch das Baureferat und diese Planungen aber geschwächt“, meinte der Inhaber einer Zahnarztpraxis aus dem Umgriff. Dabei sei gerade jetzt mehr Parkraum nötig als weniger, rechnete die Geschäftswelt dem BA vor. Denn ein massiver neuer Wohnbau an der Ecke Neumarkter Straße werde die Parksituation noch einmal verschärfen. Welche drastischen Auswirkungen ein Parkplatzschwund vor Ort womöglich haben könnte, zeigte die Geschäftsführerin der örtlichen Vinzenzmurr-Filiale im Bezirksausschuss deutlich auf: „Wenn wir aufgrund eines Kundenschwunds weniger verkaufen, dann kann auch der Verlust von Arbeitsplätzen drohen.“ Man brauche jedenfalls keinen zweiten Ostpark direkt an der Baumkirchner Straße. Dagegen müsse bei allem Verständnis für die Attraktivitätssteigerung vor Ort auch der Service am Kunden gewährleistet bleiben. „Dazu gehören auch die Parkplätze“, führten die Ladenbetreiber und Geschäftsleute aus. Eine Argumentation, die auch Robert Demmelmair teilt. 

Parkplatzknappheit

Der Mann betreibt nicht nur ein Versicherungsbüro vor Ort – er fungiert auch als Vorsitzender des Gewerbevereins „BaL aktiv“. Schon jetzt seien die Parkplätze knapp – das Parken auf der Platzfläche vor dem Behrpark selbst müsse erlaubt bleiben. Demmelmair plädiert für die Einführung von Parkscheinautomaten – um die Einhaltung der Park-Zeitbegrenzung vor Ort besser kontrollieren zu können. „Damit könnte man die Dauerparker vor Ort besser einbremsen“, so der Meinungstenor der Anwohner. Kritik äußert Demmelmair im Chor mit anderen auch an der Radwegeplanung. Diese seien in diesem engen Bereich zwischen Läden, Fahrbahn und Grün fast schon lebensgefährlich. Bei den Mandataren im Bezirksausschuss Berg am Laim gingen die Meinungen auseinander. CSU-Fraktionssprecher Sascha Multerer äußerte Verständnis für die Sorgen der Geschäftsleute und stellte die rhethorische Frage an die Stadt, „ob hier die ideale Lösung gefunden wurde?“ Sicher nicht, findet Anton Spitlbauer sen.. Er kritisierte den Wegfall der Parkplätze ebenso und besonders mit Blick auf die älteren Menschen im Umgriff. „Hier gibt es diverse Arztpraxen, die gerade von vielen alten und weniger mobilen Menschen aufgesucht werden", so der CSU-Mann. Diese Leute sind auf das Auto und einen Parkplatz in der Nähe angewiesen. „Bei vielen alten Patienten ist das Auto der Ersatz für den Rollstuhl“, argumentierte er plastisch. Dem SPD-BA-Mitglied Helmut Kolmeder verlief die Diskussion „zu einseitig“. Er schimpfte: „Ich höre immer nur Autos und Parkplätze – der Mensch zählt aber nicht nur, wenn er ein Autofahrer ist“, so Kolmeder. 

Noch reichlich Gesprächsbedarf

Lange habe der Bezirksausschuss für diese Attraktivitätssteigerung im eigenen Viertel gekämpft. Geschäftswelt und Parkplätze seien natürlich ein Thema, aber ein sicherer Schulweg mit Radwegen ebenso. Die Umgestaltung vor Ort sei dringend geboten. Einen praktischen Tipp hatte Kolmeders Parteikollege und BA-Chef Robert Kulzer im Gepäck. „Viel an Parkflächen wäre gewonnen, wenn alle Anwohner ihre Tiefgaragenkapazitäten nutzen würden“, schrieb er dem Umfeld ins Handbuch. Offenbar besteht vor Ort noch reichlich Gesprächsbedarf. Zunächst wie erwähnt bei der von vielen mit Spannung erwarteten Informationsveranstaltung im Oktober, wo die Geschäftsleute auch die Vertreter der Stadt erneut mit ihren Anliegen konfrontieren wollen. Zeit für Beratungen bleibt ja ohnehin noch. Wie Johann Bachhuber (SPD) als Vorsitzender des Berg am  Laimer Maibaumvereins bereits vorab kundgetan hatte, werden die Baumaßnahmen im Mittelabschnitt nicht vor dem 2. Mai 2013 beginnen. Erst wird am 1. Mai noch das neue Traditionsstangerl justiert. Hoffentlich haben die fleißigen Helfer dann ausreichend Parkgelegenheit. Harald Hettich


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