Johanniter: Christine Torghele-Rüf berät Senioren

Eine große Hemmschwelle, Hilfe zu holen

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Christine Torghele-Rüf von den Johanniter berät Senioren in München und erzählt von der großen Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen.

Seit drei Monaten bieten die Johanniter in Zusammenarbeit mit der Wohnbaugesellschaft GWG an der Balanstraße 111 eine kostenlose Beratung für Senioren im Stadtteil Ramersdorf an.

Jeden Dienstag zwischen 14 bis 16 Uhr berät Christine Torghele-Rüf Senioren in den Räumen des Nachbarschaftstreffs oder telefonisch unter der Nummer 490269-41. Ein Gespräch mit der Expertin.

Vor gut drei Monaten startete die Seniorenberatung in der Balanstraße 111. Wie haben Sie die erste Zeit erlebt?

Torghele-Rüf: Wir sehen in der Praxis einen sehr hohen Bedarf, Senioren aus der Umgebung in ihrem Alltag und bei ihren Sorgen und Fragen zu unterstützen. Anfangs meldeten sich die meisten telefonisch, die persönliche Beratung wird aber zunehmend in Anspruch genommen. Nach vorheriger Terminvereinbarung komme ich inzwischen auch immer öfter direkt zu Senioren ins Haus.

Wo drückt den Senioren denn der Schuh?

Torghele-Rüf: Viele ältere Menschen kommen mit einem Behördenantrag zu uns, den wir dann gemeinsam ausfüllen. In den Gesprächen stellt sich immer wieder heraus, dass sich hinter dem ersten Anliegen noch viele weitere Fragen verbergen, die es erst einmal zu sortieren gilt. Von Informationen zu einem Pflegedienst, dem Wunsch nach einem Hausbesuch oder Unterstützung bei Behördengängen ist alles dabei. Meist ist der Anruf oder der Besuch bei uns im Nachbarschaftstreff der erste Schritt, damit wir tätig werden können und ein Netzwerk an Hilfsmaßnahmen aktivieren. Es kommt jedoch auch immer wieder vor, dass sich Angehörige von Senioren bei uns melden, die Unterstützung suchen.

Haben Sie eine spezielle Begegnung im Kopf?

Torghele-Rüf: Ich kann mich noch gut an eine etwa 50-jährige Dame erinnern, die ihre Mutter jahrelang liebevoll zu Hause gepflegt hatte. Als sie zu uns kam, war sie am Ende ihrer Kräfte und brauchte dringend Hilfe. Ihre Haltung und ihr Umgang mit der Situation haben mich sehr berührt. Ihr Entschluss, sich professionelle Unterstützung zu holen und sich an uns zu wenden, musste viele Monate in ihr reifen. Und mit diesem Zögern steht sie nicht alleine da.

Ist denn die Scheu davor, Hilfe anzunehmen, wirklich so groß?

Torghele-Rüf: Viele ältere Menschen haben eine große Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen und wir möchten ihnen gerne zur Seite stehen und ein Teil ihres Lebens werden. Mein Wunsch ist, dass die Senioren unsere Beratung als Unterstützung wahrnehmen und merken, dass hier jemand ist, der sich Zeit für sie nimmt.


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