BA will erst Sucht-Fachgespräch wiederbeleben

Braucht der Stadtbezirk einen Suchtbeauftragten?

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Christine Köppel.

Braucht der Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach einen Suchtbeauftragten? Um diese Frage stritten sich auf der jüngsten Sitzung die Parteien. Die Mehrheit sieht einen Ehrenamtlichen mit dieser Aufgabe überfordert, nur die CSU plädiert vehement dafür. 

Nun soll ein Sucht-Fachgespräch eruieren, ob das Thema im Stadtbezirk tatsächlich dringlich ist. 

Auslöser für den Antrag der CSU, einen Suchtbeauftragten zu installieren, sei die Nachricht gewesen, dass auch im 16. Stadtbezirk Spritzenautomaten aufgestellt würden, erklärte Thomas Kauer (CSU) auf der jüngsten Sitzung. Zudem gibt es in ihren Reihen jemanden, der den Job gerne übernehmen würde: Christine Köppel. Die Diplom-Sozialpädagogin aus Waldperlach, die als Inhaberin der gleichnamigen Akademie unter anderem die Berufsausbildung „Soziomedizinischer Coach“ entwickelt hat, signalisierte sofort, dass sie sich hier engagieren möchte. „Wir brauchen dieses Amt, wir brauchen einen Spezialisten für dieses Thema.“

Nicht nur Drogen

Dabei gehe es nicht nur um Drogen, sondern auch um neue Süchte – Alkohol, Glücksspiel, Internet, etc. Die sozialen Einrichtungen im Stadtbezirk und ihre Träger würden sich eine solche Position im Bezirksausschuss zur Unterstützung wünschen, so Köppel. Verblüffung unter den BA-Kollegen. Bislang hatte sich beim Stadtteilparlament noch niemand dementsprechend gemeldet. „Wir brauchen diese Position und ich will sie besetzen“, drängte Köppel, „wütend darüber, dass hier nicht besetzt werden soll, was von den Trägern gefordert wird“. Gebe ihr der BA diesen Auftrag nicht, „dann werde ich es halt selbst machen, allein für die CSU“. 

Position überflüssig

„Das geht nicht gegen Deine Person, Christine“, meinten SPD und Grüne unisono, doch man brauche diese Position im Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach nicht. Zum einen habe man genügend Anlaufstellen für Suchtprobleme im Stadtbezirk, zum anderen erfordere das Amt solche eine große Sachkompetenz, wie sie für einen Ehrenamtlichen nicht zu leisten sei. „Dazu ist die Aufgabenstellung viel zu komplex“, so SPD-Sprecherin Astrid Schweizer. Ein eigener Suchtbeauftragter suggeriere ein Problemfeld, das sei jedoch nicht vorhanden. „Sucht ist im 16. Stadtbezirk kein größeres Thema als in anderen Bezirken.“ 

Die Grünen sahen’s ähnlich. Guido Bucholtz, der in den 90er Jahren sechs Jahre lang als Suchtbeauftragter im BA fungiert hatte, führte aus, dass es damals gewisse Probleme an verschiedenen Treffpunkten im Stadtbezirk gegeben und die entsprechende Betreuung gefehlt habe. Mittlerweile gäbe es jedoch genügend Fachleute wie Pedro, Condrobs oder den Off-Kontaktladen. Zudem kritisierte Bucholtz die von der CSU und Köppel ins Gespräch gebrachten Aufgabenfelder für den Suchtbeauftragten wie Sprechstunden, Vorträgen, Präventivmaßnahmen und Beratungen. „Das ist nicht unsere Aufgabe, dafür gibt’s Fachleute.“ Und mit denen sollte der BA nicht in Konkurrenz treten.

Um sicherzustellen, „nicht auf einem Auge blind“ zu sein, schlug der Grünensprecher die Wieder-Auflage des einstigen Sucht-Fachgesprächs auf. „Wenn wir daraus entsprechende Erkenntnisse gewinnen, müssen wir eventuell doch etwas in die Wege leiten.“ Ein Vorschlag, der bei allen gut ankam und einstimmig angenommen wurde.    Carmen Ick-Dietl

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