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1200 Jahre Berg am Laim

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Feierten zusammen das runde Datum (v. li.): BA-Vorsitzender Robert Kulzer, Charlotte Kugler, Hildegard Steffen und Ingrid Feldmann vom Bürgerkreis, stellvertretende BA-Vorsitzende Daniela Schäfer, BA-Vorsitzender a.D. Josef Koch, Werner Götz vom Bürgerkreis und stellvertretender BA-Vorsitzender Anton Spitlbauer jun. © Harald Hettich

Berg am Laim feiert sich selbst in diesen Tagen: Nächstes Jahr jährt sich die Eingemeindung nach München zum 100. Mal – aber heuer bereits blickt man im früher vor allem als „Eisenbahnerstadtteil“ bekannten Quartier auf ein noch stolzeres Datum:

Am 23. April 812 soll Berg am Laim zum allerersten Mal in einem historischen Dokument erwähnt worden sein und ist damit deutlich älter als München selbst – das haben akribische Geschichtsforscher herausgearbeitet. 

Kein Wunder also, dass den Protagonisten im derart altehrwürdigen Stadtbezirk der Sinn derzeit gehörig nach Feiern steht. Am letzten Sonntag war es so weit. Rund 100 Gäste aus dem Stadtteil hatten sich auf Einladung des örtlichen Bezirksausschusses fein gemacht und im Pfarrsaal von St. Michael versammelt.

Dank an die Handelnden

„Die Einladung war aber nicht nur dem stolzen Jubiläum geschuldet“ – wie Berg am Laims BA-Vorsitzender Robert Kulzer (SPD) betonte. „Wir vom Bezirksausschuss wollen dieses Jubiläum auch mit einer Einladung und einem Dankeschön an all die Aktiven im Stadtteil verknüpfen“. Die haben den Dank zahlenstark angenommen: Wichtige soziale Organisationen wie der VdK oder die AWO, Sport- und Kulturvereine vom Bürgerkreis bis zum Maibaumverein entsandten ihre Abordnungen. „Es war ein sehr schöner Abend“, zog Kulzer Bilanz nach einem Abend der hochwertigen geschichtlichen Rückschau durch Historiker Erich Kasberger, der Ehrungen für den ausgeschiedenenen BA-Chef Josef Koch wie den 30 Jahre jungen Bürgerkreis und vieler guter Gespräche am stark nachgefragten Buffet. Für musikalisch Hochwertiges sorgte der „Truderinger Blechhaufen“.

Ehrende Höhepunkte

Münchens langjährige 2. Bürgermeisterin Gertraud Burkert war eigens gekommen und verabschiedete in würdevollen wie freundschaftlichen Worten ihren SPD-Genossen Josef Koch. Der war in diesem Jahr nach 38 Jahren im BA und stolzen 22 Jahren an der Spitze des Stadtteilgremiums aus dem Amt geschieden war. Doch salbungsvolle Worte allein gab es nicht für den echten Macher im Stadtteil. Aus den Händen seines Nachfolgers Robert Kulzer nahm Koch auch die ehrende Urkunde der erstmals im Stadtteil ausgelobten Auszeichnung „Berg am Laim gestaltet“ entgegen – mit der sein langjähriges Wirken für den Stadtteil nachhaltig gewürdigt wurde. Als visuelle Erinnerung gab es ein durch den Berg am Laimer Fotokünstler Franz Still komponiertes Panoramabild „seines“ Stadtquartiers obendrauf – die farbliche Nuancierung und Veränderung dürfte dabei auch für den Wandel des Stadtteils selbst im Laufe von fast vier Jahrzehnten emsigen Wirkens des Josef Koch stehen. Rechtzeitig zum 30. Wiegenfest wurde auch der Berg am Laimer Bürgerkreis für seine wichtige soziokulturelle Arbeit im Viertel ausgezeichnet – die der Verein seit drei Jahrzehnten auf den unterschiedlichsten Handlungsfeldern leistet. 

Historisches

In Sachen Jubiläen richtig rund gehen wird es im Berg am Laim des Jahres 2013 – wenn sich nächstes Jahr die Eingemeindung nach München zum 100. Male jährt. Dann soll mit einem Festzug, Aktionen der Vereine und Organistationen und reichlich Feierfreuden dem stolzen Datum gedacht werden. Die zarte Blume erstmaliger urkundlicher Erwähnung dagegen schlummerte lange Zeit eher im Verborgenen – erst aufmerksamer Quellenforschung historisch bewanderter Persönlichkeiten aus Berg am Laim und um Berg am Laim herum ist es zu danken, dass die erste urkundliche Erwähnung nicht gänzlich verschütt’ ging. Man hätte sie mit weniger historisch geübtem Blick auch übersehen können. Jener 23. April markiert die erste Station erwähnten Berg am Laimer Lebens: Güterschenkungen an die Freisinger Marienkirche waren seinerzeit Anlass dieser wohl in der Tat ersten Eintragung. 

Auf Zeitreise 

Seither ist viel Zeit ins Land und durch Berg am Laim gezogen. Der renommierte Historiker Erich Kasberger nahm die Gäste der Feier mit auf eine Zeitreise durch zwölf bewegte Jahrhunderte Berg am Laimer Geschichte. Unterfüttert wird diese Zeitenreise auch durch prägende Bücher über den Stadtteil – Kasberger, früher Lehrer am örtlichen Michaeli-Gymnasium und Kenner des Viertels, hatte bereits Ende der 80er Jahre mit seiner Historiker-Kollegin Christl Knauer-Nothaft – ebenfalls als Geschichtslehrerin lange Zeit am Institut der Englischen Fräulein mitten in Berg am Laim aktiv – eine erste Auflage des Berg-am-Laim-Buchs erarbeitet. 2007 kam die völlig neu gestaltete, überarbeitete und viel beachtete Ausgabe des Werkes auf den Markt: Dafür zeichnete der Berg am Laimer Volk-Verlag verantwortlich. Wer tief einsteigen möchte in Berg am Laims Historie, kommt an den gut recherchierten, von vielen Handelnden  im Stadtteil unterstützten Werken nicht vorbei. Kasberger gelang der launig-informative Spagat des Kurzvortrags über eine lange Historie: von den fruchtbaren Lehmzungen zu den frühen Hofmarksherren der Wittelsbacher, von den Ziegeleien und Lehmbaronen bis zum modernen Industriezeitalter und einer sich stetig verändernden Viertelstruktur und -Architektur führte die spannende Zeitreise. Kein Wunder, dass Berg am Laim in diesen Tagen feiert.  Harald Hettich

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