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Ein gemeinsam gestemmtes Catering-Projekt

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Von: Verena Rudolf

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Helfer der Community Kitchen bei ihrer Schicht am Wochenende am Münchner Hauptbahnhof.
Helfer der Community Kitchen bei ihrer Schicht am Wochenende am Münchner Hauptbahnhof. © Andreas Oesterlin

Rund um die Uhr kommen Geflüchtete, vor allem Frauen, Kinder und Jugendliche, aus der Ukraine am Münchner Hauptbahnhof an. Erschöpft, blass, hungrig und durstig von ihrer oft tagelangen Flucht aus ihrer Heimat. Die Community Kitchen aus Neuperlach versorgt die Ankommenden mit einem warmen Essen und Getränken. Ein ganz besonderes Catering-Projekt, das mit viel Improvisationsgeschick und mit 200 ehrenamtlichen Helfern gestemmt wird.

Zuerst war man unerwünscht, aber mittlerweile mehr als erwünscht und dringend gebraucht, um die aus der Ukraine Geflüchteten zumindest mit einer Suppe, einem Tee oder einem Fruchtsaft in München willkommen zu heißen: Die Community Kitchen, das Start-up aus Neuperlach, bei dem Essen großgeschrieben wird, hatte sich zu Beginn der vergangenen Woche am Münchner Hauptbahnhof postiert, um die ankommenden Flüchtlinge mit einem Essen stärken zu können. „Zugegeben, das war nicht abgesprochen, so erteilte uns die Bahn einen Platzverweis“, erzählt Günes Seyfarth, Initiatorin der Community Kitchen, die seit Februar zur Zwischennutzung im ehemaligen Allianz-Gebäude an der Fritz-Schäffer-Straße verschiedene Projekte rund ums Essen und vieles mehr bietet.

Doch kaum waren sie vom Hauptbahnhof verwiesen worden, meldete sich auch schon die Caritas bei Seyfarth und ihrem Team. Mit der Bitte, am nächsten Tag wiederzukommen und von 7 bis 24 Uhr den Ankommenden aus der Ukraine ein warmes Essen, Süßes und Getränke anzubieten. Die Caritas sicherte die Finanzierung durch die Stadt München zu. Eine spontane Aktion, die es von heute auf morgen zu organisieren und zu stemmen galt. Einkaufen, kochen, den Transport zwischen der Großküche in Neuperlach und dem Hauptbahnhof organisieren und vor allem für jeden Schritt und jede Aufgabe viele Helfer finden. „Doch als Start-up können wir das, wir können pragmatisch Hilfe leisten“, sagt Seyfarth. Während die einen aus dem Communtiy-
Kitchen-Team sofort zum Kochlöffel griffen oder Gemüse schnibbelten, erstellten die anderen Doodle-Listen, in die sich freiwillige Helfer eintragen konnten, wiederum andere kümmerten sich um die Logistik.

Eine kurz darauf gegründete Whats-App-Gruppe mit mittlerweile knapp 200 Teilnehmern macht die Kommunikation seither überdies leichter. Sucht zum Beispiel das Küchenteam nach einem Transporter fürs Einkaufen am kommenden Tag, so kommt keine fünf Minuten später die Nachricht, in der eine Helferin anbietet, mit dem Auto ihrer Eltern diese Aufgabe zu übernehmen. Eine andere Teilnehmerin erkundigt sich, ob aktuell am Hauptbahnhof jemand mit Russisch-Kenntnissen gebraucht werde und sie hinzukommen soll. Beantwortet werden die Fragen von Seyfarths engstem Team auch mitten in der Nacht. Gekocht wird ohnehin bereits ab 5.30 Uhr.

„Die Helfer-Community ist enorm“, freut sich Seyfarth. „Es ist so schön, wie alle fokussiert sind zu helfen und ihre eigenen Befindlichkeiten und Egos zurückstellen.“ Nur gemeinsam, mit so vielen engagierten Menschen am Hauptbahnhof und in der Küche in Neuperlach kann die Community Kitchen dieses besondere Catering-Projekt bewerkstelligen. Gerade als die ersten Doodle-
Listen von 7 bis 24 Uhr mit Helfern gefüllt waren, kam der Auftrag an Seyfarth und ihr Team, ebenso nachts mit Helfern vor Ort am Hauptbahnhof zu stehen, um auch zu dieser Zeit ankommenden Menschen ein Getränk und eine Suppe zu reichen.

Die Nachtschichten abzudecken sei eine Herausforderung. Ebenso unberechenbar sei es, abzuschätzen, wann Sonderzüge in München eintreffen und am Stand dementsprechend schneller und in größeren Mengen Kaffee gekocht und ausgeschenkt, Brot geschnitten und Wasserflaschen verteilt werden müssen. Und immer wieder ist Improvisieren gefragt. So gibt es zum Beispiel am Stand gleich neben der Caritas kein Wasser, um Tee und Kaffee zu kochen. Dieses holen die Helfer bei der Bahnhofsmission und tragen es dann einmal quer durch die Bahnhofshalle. „Wir haben eine Lernkurve, mit all den Erfahrungen, die wir jeden Tag machen“, so Seyfarth. Vorbereiten konnten sie sich auf dieses Projekt ja nicht. Alles muss nun einfach irgendwie klappen. Und es klappt — getreu Seyfarths Motto, bei allem, was sie anpackt: handeln, anpassen und weiterdenken.

Eine Bitte hat sie noch: „Viele Münchner kommen vorbei und möchten uns unterstützen. Wichtig ist zu wissen, dass wir nur verpackte Lebensmittel annehmen dürfen“, betont die Organisatorin.

Hygieneartikel und Babynahrung erhalten ankommende Flüchtlinge nebenan bei der Caritas. Dort bemühen sich die Ukrainisch und Russisch sprechenden Mitarbeiter auch um die Weitervermittlung in Unterkünfte.

Bei der Community Kitchen gibt es die wärmende Suppe und den heißen Tee zur Stärkung — von Helfern, die mit ihren Mitteln versuchen, das Leid ihrer Mitmenschen zumindest für den Moment zu lindern.

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