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Vom Nachschlag zur Notaufnahme

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Klaus-Dieter Palitzsch, Chefarzt im Neuperlacher Notfallzentrum, und Oberarzt Florian Großkopf. © Tomasevic

Plätzchen essen, Glühwein schlürfen und reichlich beschenkt werden — so stellt man sich ein typisches Weihnachtsfest vor. Dass die Realität an Heiligabend mancherorts aber so gar nicht festlich ist, berichteten die Ärzte und Pflegekräfte der Notaufnahme des Neuperlacher Krankenhauses im Gespräch mit HALLO.

Der Schichtbeginn liegt schon zehn Stunden zurück, es bleibt kaum Zeit für einen Kaffee zwischendurch und der nächste Patient wartet bereits an der Pforte – nach einem ausgelassenen Weihnachtsfest klingt das so gar nicht. Und doch ist Arbeiten an Heiligabend — für die Ärzte und Pflegekräfte im Notfallzentrum des Klinikums Neuperlach am Oskar-Maria-Graf-Ring 51 — die harte Realität.

Klaus-Dieter Palitzsch, Chefarzt des Neuperlacher Notfallzentrums, wird in diesem Jahr bereits sein 17. Weihnachtsfest bei der Arbeit im Krankenhaus verbringen. „Glück haben“ müsse man, um hier einen ruhigen Festabend zu erleben, berichtet der 59-jährige Harlachinger. Denn rund um die Uhr hätten die Pflegedienste und Ärzte des Notfallzentrums alle Hände voll zu tun.

Oberarzt Florian Großkopf kann dies nur bestätigen: „An Heiligabend haben wir meistens mehr Patienten als sonst und hinzu kommt, dass die dann auch meist schwerst krank sind.“ Besonders schwer und „emotional belastend“ sei es, wenn das Krankenhauspersonal den Patienten mitteilen müsse, dass diese über Weihnachten in der Klinik bleiben müssten. „An den Feiertagen passen Krankheiten für viele Patienten halt überhaupt nicht rein“, weiß der 36-Jährige.

Andersrum, ergänzt Chefarzt Palitzsch, passe ein gemütliches Weihnachtsfest aber auch nicht in die Notaufnahme: „Es kann so hektisch werden, da hat man einfach keine Zeit, an den Christbaum oder die Plätzchen zu denken oder im Stationszimmer mit dem Team zusammenzusitzen und Kaffee oder Tee zu trinken.“ An Weihnachten würde sein Team nur dann erinnert, wenn mal wieder ein Patient von seiner ganz persönlichem Weihnachtsfete im Klinikum Neuperlach eintreffe. Denn, so Palitzsch: „Menschen vergessen an Weihnachten oft, dass sie sich zwischen den Mahlzeiten auch mal bewegen sollten; dann wächst der Bauch so langsam in Richtung Tisch.“ Und so lande man dann auch schon mal am Abend des 24. Dezember mit Bauchschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden in der Notaufnahme. Chefarzt Palitzsch nennt dieses Krankheitsbild „Beschwerden in Folge übermäßiger Nahrungsaufnahme“, Oberarzt Großkopf formuliert es einfacher: „Diese Patienten haben auf gut deutsch einfach zu viel gegessen!“

Doch Gänsebraten-Überdosis hin oder her: „Jeder Patient wird ernst genommen“, betonen die beiden Mediziner. Selbst der junge Mann, den seine Mutter ins Krankenhaus brachte, weil er einen ganz schlimmen Kater hatte. Bemitleiden müsse man die Kollegen der Medizin trotzdem nicht. „Das ist unser Beruf“, erklärt Chefarzt Palitzsch die Pflichten eines Mediziners. Und diesen Pflichten würden Ärzte wie Pflegekräfte „mit demselben Eifer und Herzblut wie sonst auch“ nachkommen, ganz unabhängig vom Datum.

Und weil nach Schichtende der Tag ja auch noch nicht gelaufen sei, ist das Weihnachtsfest für die Klinikmitarbeiter nicht völlig verloren: „Wenn man hier rausgeht, dann stößt man einfach zu den Feierlichkeiten dazu“, so Großkopf. Ganz nach dem Motto: „Es ist nie zu spät!“ Auch nicht für Weihnachtsfest. Selbst in der Notaufnahme. Tamara Tomasevic

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