Die Schönheit liegt nicht nur im Lustigen

Harlaching: Auf der Kinderstation werden Sonnen-Momente geschenkt

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Dr. Trööt und Dr. Steffo zaubern kranken Kindern wöchentlich ein Lächeln ins Gesicht (v.l).

Harlaching – „Hab Sonne im Herzen, dann komme, was mag, dann leuchtet voll Licht dir der dunkelste Tag.“ Gedanken des Lyrikers Cäsar Flaischlen. Wie wichtig es ist, die Freude im Leben auch in dunklen Momenten beizubehalten, wissen auch die Klinik Clowns. Dr. Tröööt und Dr. Steffo, alias Markus Schmidt-Dugas und Thomas Holzer.

Sie sorgen wöchentlich dafür, dass kranke Kinder eben genau dieses Strahlen in ihrem Herzen nicht verlieren und immer etwas zu Lachen haben. Durch ihre Arbeit als Klinik Clowns bahnt sich ein bunter Farbklecks seinen Weg in das triste Krankenhausleben.

Immer mit dabei haben sie die kleinste Maske der Welt: die Clownsnase. „Diese Nase erklärt den Leuten, dass das, was wir da machen, clownesk ist und nicht verrückt oder so“, erzählt Thomas Holzer. 

Lachen ist gesund. Den Klinik Clowns geht es darum, den Patienten ein Stück Sonne zu schenken, wobei sie genau darauf achten müssen, welche Art von Aufmunterung bei den Patienten angebracht ist. Comedy ist nicht gleich Comedy.

Markus Schmidt-Dugas verrät, wie wichtig Offenheit in ihrer Arbeit ist. Die müssen aufnehmen, was gerade in dem Raum ist. „So finden wir heraus, wie laut oder wie leise wir sein dürfen.“ Wie bei der kleinen Leonie. 

Die Vierjährige hat sich den Arm gebrochen und schreit schon eine halbe Stunde lang. Ihr Vater, der nur französisch spricht, kann sie nicht beruhigen. Das Mädchen weint bitterlich. Bis die Klinik Clowns kommen. Mit ihrem Taschenorchester und einem französischen Kinderlied ziehen sie das Kind in ihren Bann. Die Tränen trocknen. Sogar ein kleines Lächeln huscht der Patientin über das Gesicht. 

Schmidt-Dugas sagt: „Manchmal reicht eine kleine Musik. Seifenblasen. Oder wir fangen eben an, französisch zu singen – das ist genau das, was wir versuchen aufzunehmen. Und dafür versuchen wir offen zu sein.“

Schmidt-Dugas ist seit 1998 bei den Klinik Clowns. Und immer noch ist er mit sehr viel Freude dabei. „Für mich ist es eher eine Berufung. Es macht mir sehr viel Spaß.“ 

Einmal die Woche ist er auf einer Spezialstation im dritten Orden unterwegs, auf der mehrfach behinderte Kinder liegen. Bevor er auf dieser Station landete, war er zehn Jahre auf der onkologischen Station.

Sehr viele, sehr schöne Begegnungen.Aber auch sehr traurige. „Zum Beispiel mit einem Mädchen, das im Sterben lag. Im Morphiumrausch ist das Mädchen auf die Stationsflure gegangen und hat die Clowns gesucht.“ 

Er legt eine kurze Pause ein. Der Blick fällt auf seine Hände. Vor seinem geistigen Auge wird die Erinnerung lebendig. Ein leises, aber ernstes Lächeln huscht ihm über das geschminkte Clownsgesicht. Dann fährt er berührt fort: „Da ist mir einfach das Herz aufgegangen.“

Manchmal ist es gar nicht von Notwendigkeit, lustig zu sein. Schmidt-Dugas sagt, dass auch das schöne Momente wären. Traurig, aber schön.

„Es ist schön, wenn‘s lustig ist, aber manchmal gibt‘s Momente... Die möchte ich gar nicht missen.“ Um Erlebtes zu verarbeiten, tauschen sich die Clowns untereinander aus, denn die KlinikClowns gehen immer zu zweit auf Visite.

„Und unser Verein zahlt uns Supervisionen. Das heißt, wir können in einer großen oder auch einer kleinen Runde über die Themen reden, die uns bewegen“, fügt Markus Schmidt-Dugas hinzu.

Das Besondere an der Arbeit der Clowns ist, dass sie trotz Maskerade echt sind und sich die Zeit nehmen, im Moment mit dem einzelnen Menschen zu leben. Die beiden Klinik Clowns erzählen, dass sie immer mit einem besseren Gefühl nach Hause gehen. 

„Ich bin meistens besser gelaunt“, sagt Holzer, woran Schmidt-Dugas anknüpft: „Oft ist man danach sehr müde, weil es auch anstrengend ist, aber man ist schon gelöster und man ist voll von Begegnungen.“

Dr. Steffo und Dr. Tröööt sind der Meinung, jeder von uns trägt einen kleinen Clown in sich. Er muss nur erweckt werden. Dafür reicht es auch schon, sich selbst nicht immer ganz so ernst zu nehmen. 

Wunder wirkt es, auch mal eine Clownsnase aufzusetzen: Während der Autofahrt einfach aus dem Fenster gucken – und abwarten, was passiert.

Melanie Schröpfer

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