Steht hoher Besuch an?

Griechische Schule Berg am Laim beschäftigt auch höchsten Ebenen

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Wird die Bauruine am Hachinger Bach demnächst durch den Besuch eines leibhaftigen Bundespräsidenten „aufgewertet“?

Bauen und doch nicht bauen, Dialog und doch wieder keiner, Treffen vor Gericht und demnächst vielleicht ein Besuch auf höchster Ebene: in der Langzeit-Story „Griechische Schule“ gibt es offenbar nichts, was es nicht gibt.

Aktuell haben die Griechen für ihr lahmendes Projekt an der Hachinger-Bach-Straße erneut eine Fristverlängerung erhalten, die zentrale Griechische Schule für einst geplante 700 Pennäler am Ende nach vielen Jahren der Stagnation auf allen Ebenen doch noch fertig zu stellen. Doch dass bis zum neuen Stichtag am 31. März kommenden Jahres die „einstürzenden Neubauten“ zu einem tragfähigen Schulprojekt verdichten lassen, daran glaubt die Vielzahl der Beteiligten nicht. Im örtlichen Bezirksausschuss Berg am Laim sieht man die Sache seit Jahren mehr als kritisch, hat das Vertrauen in die Hellenen vor Ort verloren. Umso erstaunter zeigte sich Berg am Laims BA-Vorsitzender Robert Kulzer, dass der Stadtrat trotz offensichtlich größter Eigenbedenken dem kriselnden bis derzeit auch materiell kräftig  rieselnden Bauprojekt doch noch diesen erneuten Aufschub gewährt hat. Nicht nur Kulzer vermutet einen bundespolitischen Einfluss auf höchster diplomatischer Ebene. „Druck aus Berlin“ habe es gegeben, so der Stadtteil-Bürgermeister mit Blick auf Bundespräsident und SPD-Parteifreund Frank-Walter Steinmeier. Der habe nach Erörterungen mit dem Staat Griechenland offenbar bis in den Stadtrat hineingewirkt. Kein Wunder also, dass sich Kulzer trotz seines vom BA abgesegneten Vorsprechens im Rat dort mit seiner ablehnenden Haltung gegen eine solche Fristverlängerung nicht durchsetzen konnte. Bei all dem Zwist und Streit mag es nicht verwundern, dass jetzt auch erneut eine Trennlinie quer durch den Berg am Laimer Bezirksausschuss selbst verläuft und vier Wochen vor der Landtagswahl auch die lokale Ausseinandersetzung mit Verve angetrieben wird. Denn gar nicht begeistert war der politische Gegner CSU im Stadtteilgremium über das weitere Vorgehen Kulzers. Vorgeschichte: Der BA-Vorsitzende hatte sich nach seinem Rathaus-Mandat in einem Brief direkt an den Bundespräsidenten gewandt und sein Missfallen über das politische Vorgehen hoch über Berg am Laim zum Ausdruck gebracht. „Ein rein lokales Thema“ werde hier auf eine andere, höhere Ebene gestellt, wundert sich Kulzer. Er habe Steinmeier deshalb eingeladen, sich vor Ort ein reales Bild der Zustände zu machen. Ob das Staatsoberhaupt zum Stelldichein einfliegt, ist nicht überliefert. Deutlich aber fällt die Kritik der heimischen Christsozialen aus. Fraktionssprecher Fabian Ewald hielt dem BA-Chef sein Unverständnis darüber vor, dass dieser nicht vor dem Brief das eigene Gremium informiert und mit ins Boot geholt habe. Während offenbar in Berlin und im Münchner Rathaus über die Köpfe der Bürger hinweg über die Sache befunden werde, so Ewald, „sind es doch die Berg am Laimer, die all das ausbaden müssen“. Will heißen, durch die erneute – je nach Sichtweise - Fristverlängerung oder Verzögerung würden andere Projekte ausgebremst. Beispiele: Eigene Berg am Laimer Schulprojekte, dringende Nachbesserungen beim benachbarten FC Phönix oder mehr Raum fürs berstende Michaeli-Gymnasium liegen auf Eis, bis eine Entscheidung in griechischer Sache endgültig fällt. Ein intimer Kenner der Berg am Laimer Zustände und Gefühlswelten hält auch mit Kritik in andere Richtung nicht hinter dem Berg. Der langjährige Berg am Laimer BA-Vorsitzende und SPD-Mann Josef Koch sieht mit Blick auf das zunehmend schlingernde Schiff am Hachinger Bach auch zwei regionale Polit-Heroen im Fokus der Kritik. Seinen Parteifreund, den früheren Oberbürgermeister Christian Ude kritisiert der erfahrene Kämpe Koch ebenso wie den früheren Bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU). Die beiden früheren Steuermänner hätten seinerzeit „zusammen das Grundstück der Griechischen Schule ausgesucht“. Beim schlingernden Schiff verschwimmen eben auch Parteigrenzen im starken Wellengang recht schnell. Vielleicht, so Koch, könne Ude ja seiner zweiten Profession nachgehen und „das Thema kabarettistisch aufarbeiten“. Vielleicht kommt dann ja auch zur hellenisch-münchnerischen auch noch eine Berliner Komponente hinzu. Das Volkstheater am Hachinger Bach dürfte noch eine Zeitlang weitergehen.

Harald Hettich 

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