Geplante Flüchtlingseinrichtung

Einschätzung vor Ort

BERG AM LAIM Die Stadt München plant wie berichtet ab 2016 ein innovatives Flüchtlings-Wohnprojekt an der Berg-am-Laim-Straße 127–129. Bis zu 330 Flüchtlinge sollen hier untergebracht werden.

Vor allem unbegleitete junge Erwachsene mit Ausbildungs- und Berufsperspektive, Senioren, Familien, Resettlement-Flüchtlinge und während des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan beim Bund Beschäftigte sollen hier eine langfristige Lebensperspektive bekommen. „Mit einer Gemeinschaftsunterkunft hat das Projekt hier nichts zu tun“, versicherten Münchens Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) sowie der Leiter des Amts für Wohnen und Migration, Rudolf Stummvoll, bei einem Pressegespräch in der vergangenen Woche (HALLO berichtete ausführlich). Doch gerade bei den Anwohnern des geplanten Projektes hält sich hartnäckiger Widerstand und Vorbehalte sind unverkennbar. Immerhin. Für diese Woche ist ein Klärungsgespräch mit Vertretern der Stadt und der Anwohner im Sozialreferat vorgesehen.

Einschätzungen

Bereits beim Pressegespräch hatte Berg am Laims BA-Vorsitzender Robert Kulzer klargemacht, eine mögliche, weitere Gemeinschaftsunterkunftsanlage (GU) sei gerade in diesem für Quartiersentwicklung wichtigen und sensiblen Bereich in Berg am Laim nicht zu vermitteln. Dagegen weise das jetzt geplante Projekt eine „deutliche Integrationsperspektive“ auf. Hier stehe eine Mehrheit im BA nach intensivem Dialog positiv gegenüber. Kritischer ist man bei der örtlichen CSU. Deren BA-Fraktionssprecher Fabian Ewald äußerte große Vorbehalte . So stünden „langfristige planerische Ziele wie eine notwendige Aufwertung des defekten Gewerbegebietes Neumarkter Straße“ im Umfeld, eine „nicht gefestigte Sozialstruktur“ etwa mit hoher Arbeitslosen- und Armutsquote im direkten Umgriff sowie eine ohnehin schon schwierige Schul- und Betreuungssituation der Sinnhaftigkeit des Projektes entgegen. „Wir sehen das Projekt weiterhin kritisch“, betonte Ewald gegenüber HALLO. Auch könne er nicht verstehen, dass die Anwohner nicht einbezogen wurden. „Eine Entscheidung dieser Tragweite“ dürfe nicht im Feriensenat fallen.

Kritik

Doch genau diese ist in der Vorwoche dort vollzogen worden. Auch BA-Chef Kulzer versäumte vor diesem Hintergrund nicht, die Informationspolitik der Stadt auch zu kritisieren. Immerhin räumte Sozialreferentin Meier ein, über die Vorgeschichte und die städtebauliche Bedeutung des Ensembles „vom BA“ informiert worden zu sein.

Anwohner

Aus Sicht der Anwohner und Eigentümer von rund 120 Wohneinheiten im direkten Umfeld der geplanten Einrichtung ist das Projekt ohnehin schlecht konzipiert. Bernd Chittka in seiner Funktion als Vorsitzender des Verwaltungsbeirates der Wohnungseigentümer-Gemeinschaft Berg-am-Laim-Straße 133–141 warnt besonders vor den zu erwartenden Lärmbeeinträchtigungen. Sorgen bereiten ihm vor allem die Planungen für die Außenanlagen. So seien die Ausmaße der bestehenden Freifläche für die geplante Erholungs- und Spielfläche für die „zu erwartende Bewohnerzahl sicherlich zu klein“. Er befürchtet eine verstärkte Mitbenutzung der kleinen Anwohner-Spielplätze hinter den Wohnhäusern durch die Flüchtlinge. „Starke Beeinträchtigungen“ erwartet Chittka auch durch den geplanten Basketball-Court auf dem Dach der neuen Einrichtung und durch die Multimedia-Projektionen an den Hauswänden (HALLO berichtete). Sorge bereitet Chittka auch die Schul- und Kinderbetreuungssituation. Stark belastete Kapazitäten wie an der Berg-am-Laim-Schule würden hierdurch weiter strapaziert. Dieser Einschätzung widerspricht die Sozialreferentin. Die Flüchtlingskinder würden zunächst in der Einrichtung betreut und unterrichtet. Der Forderung vonseiten der Anwohner, eine Informationsveranstaltung zeitnah durchzuführen, will das Sozialreferat entsprechen. Bereits im September soll diese laut Meier stattfinden.

Erstaunen

„Sehr erstaunt“ sei man von Anwohnerseite laut Chittka aber ob des Umstandes, nicht von der Stadt im Vorfeld persönlich unterrichtet worden zu sein – sondern über die Presse detailliert von den Planungen erfahren zu haben. Bei einem Termin in dieser Woche will das Projekt steuernde Sozialreferat deshalb nachbessern. Das Vorhaben selbst allerdings ist laut Meier und Stummvoll „beschlossene Sache“.

Harald Hettich

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