Gemeinschaft und Freiraum vereint

Georg-Brauchle-Haus Neuperlach: Was in 50 Jahren erreicht wurde

+
Stadträtin Katja Burkhardt (CSU) richtete Grußworte zum 50-jährigen Jubiläum des Georg-Brauchle-Hauses aus.

Das Georg-Brauchle-Haus steht seit 50 Jahren in Neuperlach. Das schon für 1969 moderne Konzept ist auch heute eine Alternative zu dem, was die meisten unter einem Altenheim verstehen. Die Bewohner entscheiden sich aus ganz unterschiedlichen Gründen für das Wohnen im Wohnstift.

Neuperlach – Klassische Musik spielt im Georg-Brauchle-Haus im Empfangsbereich zur Feier des 50-jährigen Jubiläums des Wohnstifts an der Staudingerstraße. Eigentlich ist sie zu laut, um sich gut unterhalten zu können. Gerade, wenn man schon etwas älter ist, so wie die Bewohner des Wohnstifts. Und eigentlich ist es so etwas wie ein Altenheim — aber doch ganz anders.

50 Jahre ist es her, als das Georg-Brauchle-Haus als alternatives, moderneres Konzept eines Altenwohnheims in Neuperlach eröffnete, als erstes Haus des Kuratoriums Wohnen im Altern (KWA). Es seien neue Maßstäbe gesetzt worden, sowohl architektonisch als auch konzeptionell, sagt KWA-Vorstand Stefan Arend in seiner Ansprache zum Jubiläum. „Ein eigenes Telefon für jeden Bewohner war in der damaligen Zeit schon fast revolutionär.“

Die Häuser des KWA sind eine Mischung aus eigenständigem Wohnen und Betreuung. Alle Bewohner haben ihre eigene Wohnung, die selbst eingerichtet werden kann. Die Pflege wird nach Bedürftigkeit auf die einzelnen Senioren abgestimmt.

In dem Saal des Hauses mit kleiner Bühne sitzen Bewohner, Gäste und auch einige Mitarbeiter, um den Grußworten und dem Festvortrag von Professor Andreas Kruse, Gerontologe an der Universität Heidelberg, zuzuhören. Zwischen den Vorträgen wird Musik gespielt und die Meinungen der Anwesenden geht darüber auseinander, ob die musikalischen Einlagen des Ersten Münchner Salonorchesters oder die Vorträge interessanter sind. 

So hört man das ein oder andere Seufzen während der längeren Rede von Professor Kruse, der den Unterschied zwischen körperlichem und geistlichem Alter beschreiben will. Das tut er mit verschiedenen Gedichten, die einige Anwesende leise mitsprechen. Doch nicht alle sind begeistert von den vielen Grußworten und der langen Rede des Professors und zeigen sich ungeduldig, seufzen immer wieder leise.

213 Wohnungen zwischen 24 und 110 Quadratmetern beherbergt das Gebäude des Georg-Brauchle-Hauses. Daneben gibt es ein Restaurant-Café, eine Bibliothek, eine Kegelbahn, ein Kapelle, Räume für Physiotherapie und ein Schwimmbad mit Sauna. Vor allem letzteres sorgt für Begeisterung einer Bewohnerin, die über ihre Beweggründe für den Einzug in den Wohnstift berichtet. 

„Ich wollte in eine Gemeinschaft“, erzählt sie zu der Frage, weshalb sie eingezogen sei. „Ich wollte alles geregelt haben, solange ich es noch selbst regeln kann.“ Das Wohnstift gebe ihr den nötigen Freiraum und gleichzeitig Räume für Gemeinschaft mit anderen Menschen. Ein anderer Bewohner erzählt seinen Weg ins Georg-Brauchle-Haus pragmatischer. „Ich kam nicht mehr in meine Wohnung hoch, denn die war im zweiten Stock“, erklärt er. „Es ergab sich nichts anderes, als dass ich in ein Heim gehe“.

Das Georg-Brauchle-Haus ist nicht in der selben Art und Weise geschlossen wie ein „klassisches“ Altenheim. Bewohner fahren mit den nahegelegenen öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt und auch jüngere Menschen kommen mit der Einrichtung in Kontakt. So wie Stadträtin Katja Burkhardt, die das Haus durch ihre Tochter kennt, die in den Räumen des Georg-Brauchle-Hauses an einer Preisverleihung für einen Schreibwettbewerb teilgenommen hatte.

Die Grußworte und Reden zum 50-jährigen Jubiläum der Neuperlacher Einrichtung betonten alle einen Aspekt: Die Rolle der Gemeinschaft für Menschen in hohem Alter. Im Seniorenstift in Neuperlach wird das ermöglicht. Gleichzeitig können sich die Bewohner jederzeit in ihre eigenen vier Wände zurückziehen — was Gemeinschaft und Freiraum vereint.

Pia Getzin

Lesen Sie in unserer Übersicht weitere Nachrichten aus Ihrem Umfeld.

Auch interessant:

Meistgelesen

Übergang über die Thomas-Dehler-Straße am Pep in Neuperlach soll sicherer werden
Übergang über die Thomas-Dehler-Straße am Pep in Neuperlach soll sicherer werden
Ein Vorschlag aus Berg am Laim wird Gesetz: Werkswohnungen werden begünstigt
Ein Vorschlag aus Berg am Laim wird Gesetz: Werkswohnungen werden begünstigt
CSU-Generalsekretär Blume: „Wir stehen vor einer ähnlichen Zeitenwende wie 1989“
CSU-Generalsekretär Blume: „Wir stehen vor einer ähnlichen Zeitenwende wie 1989“
Wohnungen am Karl-Marx-Ring in Neuperlach werden saniert
Wohnungen am Karl-Marx-Ring in Neuperlach werden saniert

Kommentare