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1000 Kinder sind zu wenig

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© Oliver Bodmer

Ab 2022 sollen im Neuperlacher Krankenhaus keine Babys mehr zur Welt kommen. Denn dann wird der Kreißsaal im Zuge der Umstrukturierung der städtischen Kliniken geschlossen.

„Damit würde eine der renommiertesten geburtshilflichen Abteilungen der Stadt München dem Rotstift zum Opfer fallen“, finden Sabrina Landes (Grüne) und Siglinde Kosina (SPD) vom Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach. Die Geburtshilfestation in Neuperlach sei Dank ihrer hervorragenden Arbeit weit über die Stadtteilgrenzen hinaus bekannt. Sie habe die niedrigste Kaiserschnitt-Rate aller Münchner Kliniken und da sie mit festangestellten Hebammen arbeite, würden zunehmend andere Kliniken ihre Gebärenden nach Neuperlach verlegen. „Derlei Renommee, das nicht zuletzt auch das Ergebnis jahrelanger guter Zusammenarbeit zwischen ärztlichem Team und Hebammen ist, sollte nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden“, betonen die beiden Politikerinnen. Hinzu komme, dass der Münchner Osten im Stadtgebiet wie im Umland wachse und dementsprechend eine wohnortnahe geburtshilfliche Versorgung benötige. Die BA-Damen fordern daher, den erst 2012 komplett sanierten Kreißsaal in Neuperlach zu erhalten.

Laut Sanierungskonzept des städtischen Klinikums München (StKM) soll die Geburtshilfe ab 2022 nur noch im Krankenhaus Harlaching angesiedelt sein. Dort gibt es derzeit neben der Geburtshilfestation auch eine große Kinderklinik. „Auf Kosten welcher Abteilung sollen wir die Geburtshilfe in Neuperlach denn erhalten?“, fragte Andrea del Bondio (SPD), selbst StKM-Mitarbeiterin, bei der Debatte in der jüngsten BA-Sitzung kopfschüttelnd. Das im Juli 2015 beschlossene Sanierungskonzept für die Münchner Kliniken sei „die letzte Chance, sonst wird verkauft“.

Die Gynäkologie-Abteilungen in Neuperlach und Harlaching seien schon heute eine Einheit. Allerdings sei die Geburtshilfe in Neuperlach defizitär. Um rentabel zu arbeiten, bräuchte man nach Aussage der Krankenhausleitung statt der derzeit 1000 Geburten im Jahr etwa 3500. „Mein Bauch ist für den Erhalt, mein Kopf dagegen“, meinte Markus Blume (CSU). Das Krankenhaus Neuperlach bleibe ansonsten bestehen, gehöre damit also zu den Gewinnern der Reform. Zudem liege man heute bei Geburten nicht mehr so lang im Krankenhaus, brauche es also nicht mehr so nah zur Familie, gab SPD-Sprecherin Astrid Schweizer zu bedenken. „Kinder kriegt man heute ja quasi im Vorbeigehen.“ Der Bezirksausschuss lehnte den Antrag letztendlich ab, will aber dennoch einmal die Gründe für die geplante Schließung der Geburtshilfestation nachfragen und eventuell auch mit der Geschäftsführung sprechen. Carmen Ick-Dietl

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